Nach SEK-Einsatz in Hann. Münden: Gefahr ist nicht erhöht

Hann. Münden. Der jugendliche unbegleitete Flüchtling, der am Sonntag stundenlang von der Polizei gesucht worden war, sei inzwischen in eine psychiatrische Fachklinik in Göttingen gekommen, berichtet die Polizei.

Der 17-Jährige hatte sich selbst bei der Polizei gemeldet, es war zu keinem befürchteten Zwischenfall gekommen.

Aufsehen hatte am Sonntag das Erscheinen eines Spezial-Einsatz-Kommandos in Hann. Münden erregt, das an der Suche beteiligt war.

Die HNA fragte bei der Polizeiinspektion Göttingen nach:

Wie schätzt die Polizei die Gefahrensituation im Zusammenhang mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in Hann. Münden ein?

„Die zur Zeit in der Bevölkerung herrschende „Angst“ vor Gefahrensituationen ist aus Sicht der Polizeiinspektion Göttingen nicht an einer Personengruppe und schon gar nicht nur an unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen festzumachen“, so Pressesprecherin Jasmin Kaatz und weiter:

Menschen können aus unterschiedlichsten Gründen - wie ideologischer oder religiöser Motivation oder aufgrund von psychischen Erkrankungen - zu einer Gefahr für andere werden. Sie kommen als Spiegel der Gesellschaft aus allen denkbaren Herkunftsebenen. So können auch Deutsche oder Personen mit Migrationshintergrund (ohne Flüchtling zu sein), Jugendliche oder Erwachsene sowie Männer oder Frauen zum Gefährder werden. Eine allgemeine Aussage zur Gefahrensituation im Zusammenhang mit jugendlichen Asylsuchenden kann deshalb nicht getroffen werden.

Viele Asylsuchende, die zu uns vor Krieg und Elend geflüchtet sind - und somit auch minderjährige - sind traumatisiert und befinden sich in psychosozialer Betreuung. Im Einzelfall gibt es sicherlich Jugendliche mit Auffälligkeiten oder erhöhter Gewaltaffinität, allerdings trifft dies ebenso auf hier geborene Jugendliche zu. Von daher kann nicht von einer besonderen Gefährdungssituation durch minderjährige Asylsuchende in Hann. Münden ausgegangen werden.

Wie ist die Polizei allgemein und auch für solche Fälle aufgestellt?

Alle Polizisten der Polizeiinspektion Göttingen werden in Fortbildungsveranstaltungen wiederkehrend für die Bewältigung schwieriger Einsatzsituationen sensibilisiert und trainiert. Dazu gehören auch so genannte systemische Einsatztrainings, in denen insbesondere die Aspekte erhöhter Eigensicherung sowie der Umgang mit psychisch auffälligen und gewalttätigen Personen vermittelt werden.

Bausteine dieser Fortbildungen sind das Ansprechen von Personen oder Personengruppen (verbale und nonverbale Kommunikation) sowie Verteidigungs- und Zugriffstechniken.

Wird eine Situation - wie die vom Sonntag - nach intensiver polizeilicher Bewertung als eine Gefahrensituation eingestuft, werden je nach angenommenem Gefahrengrad unverzüglich bereits konzeptionell vorgeplante Maßnahmen initiiert. Hierbei kann es vom Einsatz der vorhandenen Polizeikräfte über Verstärkungskräfte von anderen Dienststellen bis hin zum Einsatz von Spezialkräften (wie dem SEK) kommen. Alter, Herkunft und Geschlecht eines Gefährders spielen dabei keine Rolle.

Wann kommen Spezialkräfte (SEK) zum Einsatz?

Spezialkräfte wie das Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) bestehen aus Beamten, die speziell für die Bewältigung besonders gefährlicher Lageentwicklungen geschult sind. Sie werden insbesondere dann eingesetzt, wenn die polizeiliche Lagebeurteilung ein geschlossenes Vorgehen erfordert, und zwar insbesondere unter Anwendung unmittelbaren Zwanges.

Das können zum Beispiel Maßnahmen mit hohem Gefährdungsgrad (Bedrohungslagen, Geiselnahmen), Einsätze gegen terroristische Gewalttäter oder auch Maßnahmen zur Bekämpfung schwerer sowie organisierter Kriminalität sein, deren Durchführung für „normale“ Polizeibeamte mit einer sehr hohen Eigengefährdung verbunden wären.

Das SEK kommt zum Beispiel auch bei Razzien und Durchsuchungen mit hohem Gefährdungspotenzial (etwa, wenn Erkenntnisse über eine möglich Bewaffnung des Adressaten der polizeilichen Maßnahmen vorliegen) oder in Fällen erwarteten Widerstandes zum Einsatz.

Dies kann bei den unterschiedlichsten Situationen der Fall sein, zum Beispiel bei Fällen Häuslicher Gewalt, bei eskalierenden Familienstreitigkeiten oder wie im aktuellen Fall bei Suizidankündigungen mit Hinweisen auf eine mögliche Fremdgefährdung. (red/tns)

Rubriklistenbild: © dpa

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