Erinnerung an den  20. Juli  1944: Söhne und Töchter verschleppt

Nazis brachten Kinder von Widerstandskämpfern in Heim bei Bad Sachsa unter

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Glückliche Eltern: Das Foto zeigt Clarita und Adam von Trott zu Solz mit ihrer 1942 geborenen ersten Tochter Verena.  

Hann.Münden. Am 20. Juli 1944,  vor 73 Jahren, scheiterte das Attentat von Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf Hitler. Die Kinder der Widerstandskämpfer wurden von den Nazis in einem Heim bei Bad Sachsa interniert.

Adam von Trott zu Solz, der nach Abitur in Hann. Münden und Jura-Studium in München und Göttingen,  zum Mitarbeiter im Auswärtigen Amt avancierte, hatte ab Herbst 1943 engen Kontakt mit Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Adam von Trott zu Solz, war ein maßgebliches Mitglied des Widerstandszirkels Kreisauer Kreis,

So beschreiben es Prof. Dr. Johannes Tuchel und Dr. Petra Behrens in einem Begleitband zu einer Dauerausstellung, die seit November 2016 in der Tourist-Information in Bad Sachsa zu sehen ist.

Noch am Abend vor dem 20. Juli soll Stauffenberg den Diplomaten in dessen Berliner Wohnung besucht haben. Die Nazis fanden das heraus, weil Stauffenbergs Fahrer das Fahrtenbuch sorgfältig führte und den Besuch aufgeschrieben hatte. Von Trott wurde am 25. Juli 1944 festgenommen und am 15. August 1944 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Die Nazis ermordeten von Trott zu Solz am 26. August 1944 in Berlin-Plötzensee. Knapp zwei Wochen zuvor, berichten Tuchel und Behrens, waren die beiden Töchter des Ehepaars, die zweijährige Anna-Verena und die neun Monate alte Clarita, bei den Großeltern im nordhessischen Imshausen abgeholt worden. Sie wurden wie 44 andere Kinder von Widerstandskämpfern in das Kinderheim der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ Borntal bei Bad Sachsa im heutigen Landkreis Göttingen verschleppt. Die Mütter der Kinder wurden von den Nazis in Gefängnisse inhaftiert oder in Konzentrationslager deportiert. Hitler hatte die „Sippenhaft“ befohlen, aus Rache an den Männern des Widerstands.

Die Nazis gaben den Kindern falsche Namen, um jede Erinnerung an die Attentäter und ihre Familien auszulöschen. Am 18. August 1944 wurde von Trotts Frau Clarita in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit eingeliefert. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt vom Todesurteil gegen ihren Mann und der Verschleppung ihrer Töchter. Gemeinsam mit anderen „Sippenhäftlingen“ wurde Clarita von Trott zu Solz am 30. September 1944 aus der Haft entlassen. Anfang Oktober 1944 wurden die beiden Mädchen zu ihrer Mutter zurückgebracht.

Dramatische Rettung

Weitere Kinder durften schon nach einigen Monaten wieder zu ihren Familien zurückkehren. Ostern 1945 sollten die verbliebenen 18 ins KZ Buchenwald deportiert werden. Ein Lkw der Wehrmacht sollte sie zum Bahnhof nach Nordhausen bringen. Er kam mit Verspätung, das rettete den Kindern das Leben. Kurz vor der Ankunft in Nordhausen zerstörten Bomben den Bahnhof, die Kinder wurden wieder zurückgebracht.

Der von den Amerikanern eingesetzte neue Bürgermeister, Willy Müller (SPD), sagte zu den Kindern: „Jetzt heißt Ihr wieder so wie früher, Ihr braucht Euch Eurer Namen und Väter nicht zu schämen, denn sie waren Helden!“ Im Sommer und Herbst 1945 kehrten die letzten Kinder zu ihren Familien zurück.

Dauerausstellung in Bad Sachsa 

Die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit dem Titel „Unsere wahre Identität sollte vernichtet werden“ dokumentiert das Schicksal der Kinder der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Die Ausstellung der Gedenkstätte entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung 20. Juli 1944 und der Stadt Bad Sachsa. Die Ausstellung in der 1. Etage der Tourist-Information in Bad Sachsa, Am Kurpark 6, ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. (kri)

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