Nette Toiletten in Hann.Münden: 65.000 Euro ins Klo

Der Aufkleber: Wo dieser Hinweis am Eingang prangt, steht die Toilette nicht nur Kunden offen.

Hann. Münden. Der aktuelle Plan der „netten Toilette" ist jetzt auf der Homepage der Stadt Hann. Münden zu finden.

Auf der Homepage sind alle Gaststätten und Geschäfte aufgelistet, die ihre Toiletten nicht nur den eigenen Kunden anbieten.

Für diesen Service erhalten sie eine Aufwandsentschädigung durch die Stadt. Dafür verpflichten sie sich, mit einem Aufkleber an der Tür auf den für den Nutzer kostenfreien Service hinzuweisen. Die Liste ist auch als App fürs Handy abrufbar.

Kritik an diesem System hatte in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Ulrich Reichel, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, geübt. Die CDU hatte vor der Sitzung auf Basis des im Internet verfügbaren Plans die Probe aufs Exempel gemacht und festgestellt, dass nicht nur etliche der aufgeführten Lokalitäten keinen Aufkleber an der Tür hatten, sondern dass an einigen Stellen sogar ein Entgelt verlangt werde. Letztere aber stehen auf dem aktuellen Plan längst nicht mehr drauf, berichtete Reichel. Doch auch nach der neuesten Liste gebe es fünf Betriebe, die keinen Aufkleber an der Tür hätten.

Das Prinzip der „netten Toilette“ soll die geschlossenen öffentlichen Toilettene ersetzen. Diese waren der Stadt zu teuer geworden. In städtischer Hand sind nur noch die Toiletten auf dem Tanzwerder und die an der Kasseler Straße 1. 16 weitere Örtchen werden von Gaststätten und Geschäften in der Altstadt angeboten.

Für diesen Service erhalten die 16 Geschäftsleute von der Stadt alle zusammen rund 13.000 Euro im Jahr. Die Einzelsummen sind verschieden, sie richten sich nach der Anzahl der Toiletten im jeweiligen Betrieb.

Dieser Posten plus die Kosten für die eigenen Toiletten summiert sich im aktuellen Haushalt der Stadt auf 65.000 Euro. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 40 000 gewesen. Doch der Aufwand hatte sich erhöht, nachdem es immer wieder Beschwerden über den Zustand der Anlage auf dem Tanzwerder gegeben hatte.

 In diesem Haushaltsposten enthalten sind nicht nur Personalkosten, sondern alles, was unter Bewirtschaftung zählt, also etwa Reinigungsmittel, Strom, Heizung, Wasser, Bauunterhaltung und vor allem die Beseitigung von Vandalismusschäden, erläutert Pressesprecherin Julia Bytom, von denen man nie vorher weiß, wie teuer sie werden. Bürgermeister Harald Wegener hatte berichtet, dass es derzeit Gespräche gebe, um die Toilette auf dem Tanzwerder zu verpachten. Ergebnisse gebe es noch nicht. Versuche, die Anlage bewirtschaften zu lassen, waren immer mit dem Hinweis, das sei nicht wirtschaftlich machbar, quittiert worden. Das könne er sich angesichts von um die 900 000 Tagestouristen jährlich allerdings kaum vorstellen.

Auch baulich sei die Anlage nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Für viele Reisebus-Touristen aber seien der Tanzwerder und das Örtchen das erste und das letzte, was sie von der Stadt sehen, „den Eindruck nehmen sie mit“.

Ihm sei auch klar, so Wegener im HNA-Gespräch, dass es auch für die Anbieter der netten Toilette nicht ganz unproblematisch sei - etwa, wenn eine ganze Reisegruppe in ein Restaurant drängt, nur um die Toilette aufzusuchen.

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