Werra-Burgen-Stieg

Neue Schilder für Lippoldsburg bei Hann. Münden: Infotafel klärt über die Geschichte der Überreste auf

Drei Kinder schauen sich eine Infotafel an.
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Kleine Wanderer: Henrick (von links), Frieda und Marieke schauen sich die neue Tafel an der Lippoldsburg an. Dort sind die historischen Hintergründe der Anlage bei Lippoldshausen beschrieben.

Am einstigen Zangentor der früheren Lippoldsburg, westlich von Lippoldshausen, hat der Naturpark Münden im Dezember eine neue Infotafel aufstellen lassen.

Die alte Infotafel war in die Jahre gekommen und musste abgebaut werden – erstellt hatte sie vor etwa 20 Jahren der Heimat- und Kulturverein Lippoldshausen mit ihrem Ortsheimatpfleger Dieter Bürmann. Die Naturparkidee bedeute auch, die Kulturlandschaft weiterzuentwickeln für den Tourismus, erklärt Naturparkgeschäftsführerin Sybille Susat – da sei die Lippoldsburg ein gelungenes Beispiel. Man wolle die Kulturlandschaft mit all der Vielfalt, die sie zu bieten habe, erlebbar machen für auswärtige Besucher und einheimische Gäste. Vieles in der Landschaft spräche für sich, manches müsse aber auch erklärt werden, wie etwa die Lippoldsburg, von der nicht mehr viel zu sehen sei.

Denn eine klassische Burganlage suchen Wanderer dort vergeblich. In der Dorf-Chronik Lippoldshausen ist über die Burg zu lesen: „Eine Einordnung der Burg in historische Zusammenhänge ist direkt nicht möglich, sondern nur aus der damaligen Gesamtsituation erklärbar.“ Demnach litt das Deutsche Reich zu Zeiten König Heinrich des Voglers (876 bis 936) unter den Einfällen und Überfällen marodierender ungarischer Horden, weshalb der Sachsenkönig den Bau von Fluchtburgen zum Schutz der ländlichen Bevölkerung verfügte. Und weiter: „Die Burgen wurden im Übrigen nie besiedelt, und so verfielen sie, wofür die Lippoldsburg auch ein Beispiel ist.“

Die Lippoldsburg liegt bei Lippoldshausen, einem Ortsteil von Hann. Münden

Lippoldshausen früherer Ortsheimatpfleger Dieter Bürmann, initiierte 1998 gemeinsam mit Naturpark Münden und Denkmalpflege Ausgrabungen des Zangentors. Er erarbeite gemeinsam mit der Kreisarchäologie die Grundlagen der Lippoldsburg und erstellte auf der ursprünglichen Tafel die Texte, die die Entstehungsgeschichte und Beschaffenheit der Fliehburganlage erläuterten. Der Naturpark Münden ließ die Tafeln im Naturpark-Design neu gestalten und das beim Landkreis Göttingen angesiedelte EU-Programm LEADER setzte den Druck und den Bau des Trägergestells um, Ortsheimatpflegerin Stefanie Nebel passte zuvor für die neue Tafel die Texte an.

Nur eine Gehminute vom Fernwanderweg „Werra-Burgen-Steig“ informiert die Tafel die Wanderer und Besucher über den historischen Hintergrund der Burg. Die Infotafel klassifiziert die Lippoldsburg als sogenannte Ringmauerburg. Als klassische Flieh- oder Fluchtburg war sie nicht zur grundsätzlichen, dauerhaften Bewohnung ausgelegt – wenngleich man innerhalb des Burgwalls Keramiken nachweisen konnte, die auf eine Besiedlung schließen könnten. Vielmehr bot sie vor etwa 1000 Jahren knapp einen Kilometer westlich des Dorfes den Bewohnern Schutz. Dort im Inneren der Burg war man mitsamt wertvollen Vieh und Habseligkeiten halbwegs sicher - oder zumindest kein leichtes Opfer von räuberischen, umherziehenden Banden.

Die Lage der Burg war wohl überlegt: Auf einem Bergsporn oberhalb des Ilkstals gelegen bot sie durch ein steil abfallendes Gelände zu zwei von drei Seiten guten Schutz, nach Osten sicherte eine 1,70 Meter starke Mauer die Burg. Heute sind nur noch Schuttwälle und die Reste des vier Meter langen und am Durchlass 2,20 Meter messenden Zangentores erhalten. Großteile der Befestigungsanlage wurden nach Aufgabe der Burg als Steinbruch und Baumaterial für andere Bauten genutzt.

Sage zum Letzten heller ist mit der Lippoldsburg eng verknüpft 

Eng verbunden mit der Lippoldsburg ist die Sage vom Letzten Heller. Dort wird die Lippoldsburg allerdings nicht ganz geschichtsgetreu als „alte feste Burg“ beschrieben, auf dem der Raubritter Helmo hauste, dem das Dorf Lippoldshausen gehörte und der mit Lisella von der Brackenburg verheiratet war. Helmo überfiel die im Werratal entlang ziehenden Kaufleute, nach guter Beute verprasste man einen Teil gern beim Wirt Veit Meyer am Eingang des Ilkstals.

Eine Grafik der Lippoldsburg ist auf der neu aufgestellten Tafel des Naturparks Münden zu sehen.

Als Helmo einmal beim Würfelspiel jedoch viel Pech hatte und sein letztes Geld, seinen „letzten Heller“, verspielte, ging er einen Pakt mit dem Teufel ein: seine Seele gegen Gold in Hülle und Fülle. Doch niemals, so der Pakt, durfte er einen Geistlichen auf seine Lippoldsburg lassen. Als Helmo und Liesella einen Knaben bekamen und die Taufe anstand, hatte die Mutter jedoch heimlich und gegen den Willen ihres Mannes einen geistlichen Paten aus dem Kloster Mariengarten kommen lassen und in der Burg beherbergt.

Es kam, wie es kommen musste: Einige Tage später kam ein Knappe zu Helmo und berichtete von reich beladenen Bremer Kaufleuten, die durchs Werratal zogen. Der Gelegenheit auf Beute konnte Helmo nicht widerstehen. In Tal erwartete die Raubritter dichter Nebel, jedoch keine Kaufleute. Helmo wurde versprengt – auch am Folgetag fand man zunächst nur sein Pferd und erst nach langem Suchen schließlich Helmo in einem alten Steinbruch – tot: Der Teufel hatte ihm den Hals umgedreht. Seit dem, so berichtet es die Sage, heißt der Steinbruch „Mordkammer“ und der Wegkrug am Eingang des Ilkstales der „Letzte Heller“.

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