Seit einem Jahrzehnt bei Mundharmonikafreunden

Nicht nur was für Michael Hirte: Der junge Hedemündener mit der Mundharmonika 

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Spiel an einem sogenannten Kreuzwender: Der Hedemündener Lukas Schmidt ist seit über zehn Jahren der jüngste Spieler unter den Mundharmonikafreunden Oberode/Ziegenhagen.

Hann. Münden. Er fährt Motorrad, schraubt gerne an Autos und seine Lieblingsmusik ist Rock: Wer Lukas Schmidt kennenlernt, glaubt anfangs nicht so recht, dass der 21-Jährige seine Freizeit mit den vornehmlich älteren Herren bei den Mundharmonikafreunden Oberode/Ziegenhagen verbringt.

Immerhin ist Schmidt dort das jüngste Mitglied und gespielt werden hauptsächlich Schlager und Volkslieder.

„Die Musik ist tatsächlich nicht meine“, gibt der junge Mann lachend zu. Sein Herz schlage trotzdem für die Mundharmonika und für die Musikgruppe aus Oberode/Ziegenhagen. Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Schmidt bei den Mundharmonikafreunden dabei und denkt nicht ans Aufhören. „Ich schätze die freundschaftliche Gemeinschaft und das friedliche Miteinander“, erklärt Schmidt. „Wir musizieren nicht nur, sondern wir können über alles reden.“

Angefangen hat alles mit seinem Großvater: Dieser spielt seit je her an Weihnachten auf seiner Mundharmonika und begeisterte so seinen damals zehnjährigen Enkel für das Instrument. „Ich wollte lernen, wie man darauf spielt, aber es gab hier in der Gegend keine Musikschule, die einem Mundharmonikaspielen beibrachte“, erzählt Schmidt.

Seine Mutter las 2007 vom 25-jährigen Jubiläum der Mundharmonikafreunde Oberode/Ziegenhagen und beschloss, einfach mal bei den Musikern zu fragen, ob ihr Sohn mitspielen darf. „Kurt Köhler sagte zu und ich habe die ersten zwei, drei Jahre jeden Dienstag mit ihm auf der Mundharmonika geübt“, erinnert sich Schmidt. Schnell durfte er auch zu den regelmäßigen Treffen mit den übrigen Mundharmonikafreunden dazustoßen.

„Es war natürlich merkwürdig damals, ich war jung und schüchtern“, meint der heute 21-Jährige aus Hedemünden. Die Gruppe habe ihn aber herzlich aufgenommen und bald war der große Altersunterschied vergessen. Dass er noch immer der jüngste Spieler unter den im Durchschnitt über 60-jährigen Musikern ist, erklärt Schmidt so: „Die Mundharmonika wird unterschätzt. Viele wollen das Instrument nicht lernen, dabei können Anfänger schnell gut damit zurechtkommen. Sie kommen in vielen, auch modernen Songs zum Einsatz.“

Zwei Blues Harps (links) und ein Kreuzwender: Seine große Mundharmonika transportiert Lukas Schmidt von den Mundharmonikafreunden Oberode/Ziegenhagen in einer handgemachten Holzbox. Darauf die Signatur des bekannten Spielers Michael Hirte.

Er selbst spielt einen Kreuzwender: eine Mundharmonika, die sich deutlich von der klassischen Mundharmonika, wie sie die meisten kennen, unterscheidet. Das Instrument besteht aus sechs Mundharmonikas, jede in einer Tonart, und wirkt wie ein Metallstern. „Auch wenn sie nicht so aussieht: Man kann den Kreuzwender einfach spielen. Die einzelnen Töne müssen aufgrund des schwingenden Klangs nicht so genau getroffen werden“, erklärt Schmidt, warum der Kreuzwender auch für Anfänger gut geeignet ist.

Ein weiterer Vorteil für junge Spieler: Man müsse nicht Noten lesen können, um schnell in der Gruppe mitspielen zu können. „Man muss erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wo die Töne liegen, da man sie im Vergleich zu anderen Instrumenten nicht sieht.“ Die Mundharmonikafreunde Oberode/Ziegenhagen würden beispielsweise meist nach Gehör spielen, daher sind auch Interessierte, die nicht Nöten lesen können, zum Mitmachen eingeladen. 

Von Tremolo bis Blues Harp

Lukas Schmidt spielt auf einem Kreuzwender, einer sogenannten Tremolo-Mundharmonika. Sie gilt als die Art mit den meisten Löchern und ist wohl weltweit die am meisten verwendete Mundharmonika. Dank zwei Tönen je Note schwingt das Gespielte im „Tremolo“, ein schwingender, pulsierend klingender Klangeffekt, der ähnlich wie bei einem Akkordeon wirkt. 

Gelernt hat er das Spiel auf einer Oktav-Mundarmonika: Genau wie die Tremolo-Version werden zwei Töne, sogenannte Stimmzungen je Note gespielt. Es gibt aber klangliche Unterschiede: Die Oktav-Mundharmonika klingt aufgrund ihrer Bauweise voluminöser und noch stärker wie ein Akkordeon als die Tremolo-Mundharmonika. Die Form der Oktav-Variante ist oft bananenförmig, das Mundstück geschwungen. 

Die bekannteste Mundharmonika ist die Blues Harp. Sie passt in jede Hosentasche und gilt als die handlichste Variante. Sie hat zehn Kanäle, mit denen nur in einer Tonart gespielt werden kann. Die Blues Harp spielt also nur die Töne, die auf einem Klavier den weißen Tasten entsprechen. Im Gegensatz dazu können Tremolo- und Oktav-Mundharmonikas auch die Halbtöne (schwarze Tasten) spielen. 

Im Radio und auf Livemusik-Bühnen

Derzeit spielen zehn aktive Mundharmonikaspieler bei den Freunden Oberode/Ziegenhagen mit. Die Gruppe spielt seit 1982 auf Heimatabenden, Seniorenfeiern, Geburtstagen, Dorffesten und weiteren Veranstaltungen in der Region.

Die Anfänge der Gruppe liegen bei der Familie Köhler aus Ziegenhagen: Auf einer Konfirmation spielten Mitglieder der Familie ein Ständchen, bei einer Wanderung an Himmelfahrt zogen sie musizierend durch Ziegenhagen. „Der damalige Ortsvorsteher Willi Sauer hörte uns und fragte, ob wir auf Gästeabenden in den Tanzpausen auftreten würden“, erinnert sich Kurt Köhler, der als einziger der Gründungsmitglieder heute noch bei den Mundharmonikafreunden Oberode/Ziegenhagen spielt. Das brachte den Stein zum Rollen: Große Auftritte hatte die Gruppe unter anderem im Live-Programm des Radio-Senders HR4 im Rahmen von Festveranstaltungen in Ziegenhagen und bei der Bundesgartenschau 1989 in Frankfurt am Main.

Seinen ersten Auftritt hatte Lukas Schmidt als Zehnjähriger in 2007 im Altersheim in Hermannshagen. „Lukas brachte damals frischen Schwung in die Gruppe und ist seitdem aus der Gruppe nicht mehr wegzudenken“, sagt Köhler.

Mit dem Nachwuchs an der Seite trafen die Mundharmonikafreunde 2012 den „Mann mit der Mundharmonika“, Michael Hirte, der nach seinem Sieg bei der Talent-Show „Das Supertalent“ 2008 deutschlandweit Bekanntheit erlangte. „Nach einem Konzert in der Göttinger Stadthalle hatten wir die Chance, mit Michael einige Lieder im Foyer zu spielen“, sagt Köhler.

Als Hirte 2015 am Kaufpark Göttingen seine damals neue CD vorstellte, konnten die Mundharmonikerfreunde erneut mit ihm musizieren. Zuletzt war die Gruppe beim NDR1-Radio Niedersachsen vor einem Jahr live zu hören – und natürlich seitdem auch bei Veranstaltungen und Festen in der Region.

Sie spielen Märsche, Walzer und Volksliedern bis hin zu Evergreens, Shantys und Schlager. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen je donnerstags ab 18 Uhr, übt neue Lieder ein und frischt andere Stücke auf. „Begeisterte Mundharmonikaspieler sind bei uns jederzeit herzlich willkommen“, sagt Kurt Köhler.

Kontakt: Kurt Köhler (Tel. 0 55 45/387 oder per E-Mail an Koehlerkurtkogge@aol.com) oder Manfred Zindel (Tel. 0 55 45/201)

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