Guten Draht zu Tieren

Eine Hühneridylle für Meret: Eltern eröffnen Hofladen für Tochter mit Asperger-Syndrom

Beuermanns Hofladen ist in der Scheune des Museumshof Scheden zu finden. Familie Beuermann von links: Karsten Beuermann, Birgit Beuermann, Meret und Bruder Felix.
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Beuermanns Hofladen ist in der Scheune des Museumshof Scheden zu finden. Familie Beuermann von links: Karsten Beuermann, Birgit Beuermann, Meret und Bruder Felix.

In Niedersachsen führte eine unheilvolle Diagnose jetzt zu einer neuen Idylle für Hühner. Meret hat das Asperger-Syndrom und nutzt jetzt ihre besondere Fähigkeit. 

Scheden – „Das ist Helmut unser Hahn“, erzählt Meret während sie ihrer täglichen Aufgabe nachgeht, die Eier aus den Nestern zu holen und die Hühnerbande zu füttern. Die 15-Jährige hat die Gabe, sehr schnell eine Beziehung zu Tieren aufzubauen. „Selbst bei unserem Pferd hat man das Gefühl, dass es die Luft anhält, wenn Meret auf ihm sitzt“, erzählt Mutter Birgit Beuermann lachend. Es ist eine kleine dörfliche Erfolgsgeschichte, die zu Herzen geht. Bei Meret wurde das Asberger-Syndrom diagnostiziert.

Im Lauf dieses Jahres ist ein kleiner Hofladen in der Scheune des „Museumshof Scheden“ entstanden, in dem die Jugendliche die Eier ihrer Hühner verkaufen kann. Hühner lebten schon länger auf dem Hof der Beuermanns und Eier wurden an Freunde und Arbeitskollegen abgegeben. Doch Anfang des Jahres wurde der Bedarf größer.

Ein Bauwagen wurde als „Hühnermobil“ umgebaut, Hühner, die nach 16 Monaten in Produktionsbetrieben mit Freilaufhallen in den Unternehmen „aussortiert“ werden, wurden von Beuermanns für Meret gekauft. „Die hatten noch nie Gras gesehen. Wir päppeln sie dann auf und sie bleiben bei uns, bis sie eines natürlichen Todes sterben“, erzählen Beuermanns. Zurzeit sind es 70 Hühner und ein eindrucksvoller, mächtiger Hahn.

Museumshof Scheden: Eine Hühneridylle für Meret

Hinter der Eröffnung des familieneigenen Hofladens steht langfristig die Idee, für Meret eine Aufgabe zu schaffen, die bestmöglich auf ihren Fähigkeiten basiert. Beuermanns wollen Voraussetzungen schaffen, um ihr, soweit es geht, ein normales Leben zu ermöglichen – mit einer ganz normalen Arbeit. „Wir gehen offen mit Merets Einschränkung um. Was uns bestätigt, ist, dass Meret über den Hofladen bereits das Zählen gelernt hat. Was für uns 16 Eier sind, sind für sie 10 Eier und 6 Eier. Sie denkt in anderen Strukturen“, erzählt Birgit Beuermann.

Meret Beuermann verkauft auf dem Hofladen Beuermann die Eier ihrer 70 Hühner.

Die Sortimentserweiterung des Hofladens lief seit Jahresbeginn schleichend. Während Birgit Beuermann über die „Idee Hofladen für Meret“ erzählt, schweifen die Augen der neben ihr stehendenden Tochter bereits auf der Suche nach ihrer Katze durch den Garten. „Meret macht schon viel“, sagt Birgit Beuermann.

Ihre Tochter brauche Unterstützung beim Herstellen der hofeigenen Fruchtaufstriche, die aus Obst aus dem Garten sowie den Gärten des Dorfes hergestellt werden, sowie bei der Würzpaste nach einem Rezept aus Marianne Beuermanns Museumsunterlagen. „Über die sozialen Medien habe ich Menschen gefunden, die genauso verrückt sind wie wir“, sagt Birgit Beuermann lachend. Vom Kooperationshof von Anita Kelmendi erhalte sie zusätzliche Eier, Käsesorten und Nudeln.

Meret übt das Busfahren

„Merets Entwicklung wäre ohne das tolle Team der Förderschule im Auefeld nicht denkbar gewesen“, ist sich das Ehepaar Beuermann einig. „Vor Jahren war es nicht vorstellbar, dass Meret Tiere überhaupt angefasst hätte. Aber dank des mega Teams, das mit Herzblut, Lebenspraxis und Alltagskompetenz vermittelt, hat sich unsere Tochter so gut entwickelt.“ Auch Bruder Felix unterstützt das Familienprojekt Hofladen aus Überzeugung und mit aller Kraft.

Merets nächstes Ziel ist es, selbstständig mit dem Bus nach Münden zu fahren. Eifrig wird mit der Familie am Busfahrplan geübt, denn Meret erkennt Worte nicht als Zusammensetzung von Buchstaben, sondern sieht jedes Wort als Bild.

Diese Bilder lernt sie gerade, um das Wortbild Scheden und Hann. Münden wiederzuerkennen. „Sie wird bald 16 und will unabhängig sein, ist doch klar“, sagt ihre Mutter.

Von Margitta Hild

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