Mit Emojis in der Vorlesung melden

Polizeiakademie lehrt wegen Corona ausschließlich online

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Bücherausleihe ist weiterhin möglich: Studienverantwortlicher A ndreas Borchert, Personalrats-Vertreterin Anja Miesch und Polizeikommissaranwärterin Lieselotte Kranz sitzen im Wartebereich der Bibliothek. 

1150 Studierende der Polizeiakademie Hann. Münden sind aufgrund der Coronapandemie ins Fernstudium gewechselt. Der große Parkplatz an der Gimter Straße ist ungewohnt leer.

Stattdessen sitzen Studierende und Lehrkräfte zu Hause und kommunizieren über Powerpoint-Präsentationen und Videokonferenzen.

Zum Studienbeginn Anfang April habe es am Standort Hann. Münden keinen neuen Jahrgang gegeben, was die Situation erleichtere, sagt Kriminaldirektor und Studienverantwortlicher Andreas Borchert.

An den Standorten Nienburg und Oldenburg sei das anders, dort würden nun Studienanfänger ihr Semester beginnen, ohne je die Akademie von innen gesehen zu haben. In Hann. Münden laufe der Studienplan aber nun fast so weiter wie sonst, nur als Fernstudium. Allein die praktischen Lehrinhalte, wie beispielsweise Schießen, Spurensicherung oder Selbstverteidigung, könnten derzeit nicht vermittelt werden.

Vorlesung per Videokonferenz

Polizeikommissaranwärterin Lieselotte Kranz ist eine von vielen, die sich nun von Präsenz- auf Fernstudium umstellen mussten. Das Portal „Stud.ip“ war ihr bereits bekannt.

Darüber stellen Lehrkräfte Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Dieses wurde nun durch ein Webkonferenzsystem erweitert. Es gibt vertonte Präsentationen und Live-Vorträge, Arbeitsaufträge für Gruppen und Einzelpersonen und E-Learning-Tools wie Quizze an deren Ende Zertifikate ausgestellt werden. In Telefonsprechstunden können Fragen zum Lehrinhalt geklärt werden. Ein digitales Ticketsystem ermöglicht es Studierenden im dritten Jahr, die Bibliothek für die Bachelorarbeit zu nutzen. Jeweils zwei Anwärter dürfen halbstündlich in den Raum.

„Wir können mit Emojis die Hand heben und werden dann in der Gruppe auf laut gestellt“, sagt Kranz zu Live-Vorlesungen. Die Studentin im ersten Semester ist auch Klassensprecherin und somit Ansprechpartnerin für andere Anwärter. „Ich habe das Gefühl, wir sind näher zusammengerückt“, sagt die 31-Jährige. So gebe es zwei Mütter, die nicht immer alle Vorlesungen wahrnehmen könnten, weil ihre Kinder zu Hause sind. Die Klasse mache deshalb Notizen und tausche sie untereinander aus.

„Es ist ein intensiveres Lernen“, sagt Kranz. Weil sie sich nun in mehr Themen allein einlesen müsse, sei der Zeitaufwand fürs Studium ums Zwei- bis Dreifache gestiegen. Auch der Sportunterricht ist individueller geworden: Wer beispielsweise fünf Kilometer joggen geht, verschickt einen Bildnachweis seiner Smartphone-App über Strecke und Zeit.

Standorte joggen um die Wette

So hat sich auch ein Wettbewerb unter den Akademie-Standorten entwickelt, bei dem 109 Teams etwa 26 000 Kilometer gesammelt haben. Auch die Praktika im Polizeidienst gehen unter Corona-Bedingungen weiter. Situationsabhängig rüsten sich die Polizisten und Anwärter mit Schutzkleidung aus, sagt Borchert. Am 18. Mai starten die Prüfungen. Ähnlich der Schulen in Niedersachsen habe auch die Polizeiakademie Konzepte ausgearbeitet, wie eine Rückkehr ab dem 4. Mai nach Prioritäten funktionieren könne, sagt Borchert. Der Abschlussjahrgang beendet sein Studium Ende September. 

Bereits jetzt beschäftigt sich die Polizeiakademie Hann. Münden mit den neuen Bewerbern, die ab dem 1. Oktober ihr Studium an allen Standorten beginnen wollen, sagt Anja Miesch vom Personalrat. 600 Neueinstellungen seien geplant. 5000 Bewerbungen seien bereits bearbeitet, etwa 1200 kämen noch hinzu.

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