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Niedrigwasser stoppt Schifffahrt auf Weser und gefährdet Ökosystem

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Von: Kim Henneking

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Insel Tanzwerder an der Weser bei Hann. Münden
Insel Tanzwerder an der Weser bei Hann. Münden © Kim Henneking

Wie viele Flüsse in Deutschland führen auch Werra, Fulda und Weser im August 2022 auffällig wenig Wasser. Der Pegelstand der Weser in Hann. Münden pendelt zwischen 60 und 70 Zentimetern und kratzt damit an den bisherigen Rekordwerten.

Mit den aktuellen Pegelständen ist auf der Oberweser derzeit keine gewerbliche Schifffahrt möglich, informiert das Wasserstraßen und Schifffahrtsamt Weser (WSA). Das hängt auch mit der fehlenden Unterstützung aus der Edertalsperre zusammen, die derzeit nur zu knapp 20 Prozent gefüllt ist und deshalb nur noch so viel Wasser abgibt, wie zufließt. Der Verkehr auf der staugeregelten Mittelweser laufe noch stabil. Die Weser ist laut WSA Teil der Hinterlandanbindung deutscher Seehäfen und habe eine entsprechende Bedeutung für den Güterverkehr und auch für die Baubranche.

Die niedrigen Pegelstände in „nahezu allen“ niedersächsischen Gewässern haben laut Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auch Konsequenzen für das Ökosystem: Die Gewässerexpertin Stephanie Gudat bezeichnet die Gefahr von Fischsterben in einem Interview für „ein absolut realistisches Szenario“. Denn aufgrund der geringen Wasserstände und der hohen Temperaturen könne der Sauerstoffgehalt schnell kritisch sinken. Zudem gehe allein durch Niedrigwasser Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren und kleine Gewässer drohten auszutrocknen.

„Natürlich gehören Phasen mit Niedrigwasser in einem gewissen Rahmen zur normalen Saisonalität an einem Gewässer“, sagt Gudat. Doch die Daten des NLWKN zeigten, dass diese Phasen länger andauern und neue Tiefstände erreicht werden. „Aus unserer Sicht ist diese Entwicklung ein klares Ergebnis des Klimawandels.“ Zwar bleibe die jährliche Niederschlagsmenge gleich, doch die Verteilung ändere sich. Die Wasserwirtschaft müsse sich deshalb in Zukunft darum bemühen, Hochwasser schnell aus der Fläche ableiten zu können und zugleich Wasser aus niederschlagsreichen Zeiten für Mangelsituationen zurückzuhalten. Foto: NLWKN

Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) lag der bisher erfasste Tiefststand des Weserpegels laut Aufzeichnungen seit 1965 bei einem Tagesmittelwert von 62 Zentimetern im Jahr 2020. Historisch überliefert wurden schon 52 Zentimeter im Jahr 1893. Weitere Rekordwerte waren 53 Zentimeter im Jahr 1911, 59 Zentimeter im Jahr 1921, 63 Zentimeter im Jahr 1959 und 64 Zentimeter im Jahr 1991. Aktuelle Messwerte sind online einsehbar unter pegelonline.wsv.de.

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