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Wetterexperte aus dem Raum Münden sieht noch Chance für „weiße Weihnacht“

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Von: Ekkehard Maass

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Wintermärchen 2010: Vor zwölf Jahren gab es nicht nur reichlich Schnee und weiße Weihnachten in der Region, Hann. Mündens tief verschneite Innenstadt zierte auch die Wettervorhersage der Tagesschau. Der dpa-
Wintermärchen 2010: Vor zwölf Jahren gab es nicht nur reichlich Schnee und weiße Weihnachten in der Region, Hann. Mündens tief verschneite Innenstadt zierte auch die Wettervorhersage der Tagesschau. Der dpa- © Archivfoto: Pierre Hattenbach

Es sind vor allem die Kinder, die ein Weihnachtsfest mit Schnee herbeisehnen. Für sie gehört die weiße Pracht einfach dazu. So kennen sie es aus Liedern und Geschichten, und auch die allgegenwärtige Weihnachtswerbung vermittelt dieses Bild.

Altkreis Münden – Weihnachten mit Eis und Schnee ist in unserer Region jedoch eher selten. Aber das Winterwetter der vergangenen Wochen hat nun bei vielen die Hoffnung geweckt, dass es die seltene „weiße Weihnacht“ wieder geben werde. Prof. Dr. Kai Neumann aus Staufenberg, Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule in Wismar und begeisterter Hobbymeteorologe, sieht trotz des angekündigten Tauwetters noch Chancen, aber keine großen. Seit 1997 betreibt er in Landwehrhagen eine Wetterstation, die Daten für einen privaten Wetterdienst erhebt, der auch für die ARD arbeitet.

Es soll deutlich wärmer werden, so Neumann. Das Frostwetter werde noch bis zum Wochenende andauern, in der Nacht zu Montag setze bereits deutliche Milderung ein. „Am Dienstag nächster Woche steigen die Temperaturen voraussichtlich auf fast 10 Grad Celsius über null, das ist durch alle vorliegenden Prognosemodelle sehr gut abgesichert“, teilte er weiter mit. „Letztendlich gelangt ein Schwall subtropischer Warmluft zu uns, die aber wohl am Mittwoch wieder durch kühlere Luft ersetzt wird.“ Neumann hält aus diesem Grund weiße Weihnachten noch für möglich, es sei aber derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario.

Die Chance liege bei vierzig bis fünfzig Prozent. „Ich bin gespannt“, sagt er. Prognosemodelle zeigten für die Feiertage noch erhebliche Unsicherheiten. „Derzeit sind sowohl plus fünf Grad als auch minus fünf Grad als Tagestemperaturen möglich. Die Prognosen werden alle sechs Stunden auf Basis der dann vorliegenden Beobachtungen aktualisiert und man sieht alle sechs Stunden ganz unterschiedliches Weihnachtswetter.“

Zuletzt gab es weiße Weihnachten vor zwölf Jahren. Der Dezember 2010 war mit einer Mitteltemperatur von minus 3,8 Grad Celsius einer der kältesten Monate der vergangenen 100 Jahre. Es lag reichlich Schnee, und auch an Heiligabend und an den beiden Weihnachtsfeiertagen schneite es. An der Wetterstation in Landwehrhagen wuchs die Schneedecke auf 21 Zentimeter.

Dass es zu Weihnachten winterlich weiß werden würde, zeichnete sich damals schon früh ab. „Die Chancen standen selten so gut wie in diesem Jahr“, sagte Neumann damals 14 Tage vor Weihnachten im Interview mit unserer Zeitung.

Vor 2010 gab es in der Region in diesem Jahrtausend nur noch in den Jahren 2000, 2001 und 2007 Frost und Schnee an Weihnachten. Es ist also eher die Ausnahme. „Klimatologisch gibt es das sogenannte ,Weihnachtstauwetter’“, berichtet Neumann, „eine typischerweise über die Festtage auftretende Wärmeanomalie, ähnlich wie in umgekehrter Form die Eisheiligen im Mai oder die Schafskälte im Juni.“

Dass Menschen von „weißer Weihnacht“ fasziniert sind, versteht Neumann nicht nur, sondern kann es gut nachvollziehen. Auch ihn beschäftigt dieses Thema in jedem Jahr, und er tauscht sich mit Freunden darüber aus, die ebenso wetterbegeistert sind wie er.

„An keinem anderen Tag im Jahr scheint das Wetter auf die ,Lebenatmosphäre’ mehr Einfluss zu haben als an Weihnachten“, sagt er. (Von Ekkehard Maass)

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