Flut-Katastrophe

Not im Ahrtal nach der Hochwasser-Katastrophe macht Helfer aus Münden sprachlos

Das Hochwasser im Juli dieses Jahres zerstörte das Erdgeschoss des May-Hotels in Mayschoß im Ahrtal. Die Helfer haben die meisten Räume nun entkernt.
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Das Hochwasser im Juli dieses Jahres zerstörte das Erdgeschoss des May-Hotels in Mayschoß im Ahrtal. Die Helfer haben die meisten Räume nun entkernt.

„Es sieht aus wie im Kriegsgebiet.“ So beschreibt Knut Katzwinkel aus Münden die Situation im Flutgebiet im Ahrtal. Er war im Juli, September und Oktober als Helfer in der Gemeinde Mayschoß.

Hann. Münden/Ahrtal/Mayschoß – Auch Wochen nach dem Hochwasser am 14. Juli sei die Lage im Ahrtal noch immer katastrophal: „Teilweise ist da immer noch Tag Null“, sagt Katzwinkel. Schlamm überall, zerstörte und unbewohnbare Häuser, hunderte Autos, die in langen Reihen abgestellt wurden, da sie entweder zerstört sind oder nicht mehr genutzt werden können.

In den Monaten, in denen der 51-Jährige in Mayschoß als Helfer war, hat er unter anderem beim May-Hotel geholfen. Dort habe das Wasser bis zu zwölf Meter hoch gestanden – ein Schaden in Höhe von 5,5 Millionen Euro sei dadurch entstanden, berichtet Katzwinkel. Der gelernte Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur habe dort zusammen mit anderen Helfern vor allem Räume des Hotels entkernt.

Auch die Winzer in der Region habe es hart getroffen: Viele der gelagerten Weine aus den vergangenen Jahren seien zerstört worden und somit auch der Lebensunterhalt der Winzer. Bis der Aufbau des Hotels und der vielen anderen beschädigten Gebäude in Mayschoß beginnen kann, werde es noch dauern, sagt Katzwinkel. „Das Hotel plant, 2023 wieder zu eröffnen. Vorher müssen aber erst die Hilfsgelder ankommen.“

Stolz mit der Helfer-Weste: Mündener Knut Katzwinkel hilft in Mayschoß beim Wiederaufbau nach der Hochwasser-Katastrophe.

Und damit sei erst im kommenden Jahr zu rechnen. Bis dahin brauche man im Ahrtal vor allem Fachkräfte und Helfer bei den Versorgungsstellen, wo die Menschen Lebensmittel und eine warme Mahlzeit bekommen können. Nur noch wenige können dort in ihren Häusern wohnen, sagt Katzwinkel. Denn bei den meisten Häusern sei das Erdgeschoss teilweise komplett zerstört worden und die Heizungen reichten nicht aus, um die Räume zu trocknen. Viele leben jetzt in Campingbussen oder „sind irgendwo untergekommen“, so der 51-Jährige.

Flutkatastrophe im Ahrtal: Helfer aus Münden ist bewegt vom Schicksal der Menschen

Wenn die Menschen Katzwinkel ihre Geschichten erzählt haben, haben ihm meistens die Worte gefehlt. Teilweise hätten sich die Menschen auf die Dächer ihrer Häuser gerettet, als die Flutwellen kamen, und wurden mit ihren Häusern weggeschwemmt. Unerfahren sei der Mündener im Krisenmanagement aber nicht. 30 Jahre lang habe Katzwinkel Hilfsgüter organisiert und unter anderem nach Rumänien, Weißrussland und Ungarn gebracht. Er sei bei den Maltesern und dem Bayrischen Roten Kreuz aktiv gewesen.

Flutweine: Die Winzer verkaufen die aus der Flut geretteten Weine als Flutweine. Der Erlös kommt Winzern und Gastronomen im Ahrtal zugute.

Was Katzwinkel aus seiner Zeit im Ahrtal mit nach Hause nimmt, sind aber nicht allein die Schicksale der Menschen, sondern vor allem der Zusammenhalt der Bewohner und Helfer vor Ort. Landwirte seien teilweise bis zu zwölf Stunden mit ihrem Trecker ins Ahrtal gefahren, um zu helfen. Einige Menschen hätten sich privat verschuldet, um für die Flutopfer zu spenden. Manche Helfer arbeiteten die ganze Woche über und kämen trotzdem jedes Wochenende ins Flutgebiet, um zu unterstützen. Es sei ein Baustoffzelt eingerichtet worden, wo Baumaterial und Baumaschinen ausgegeben werden.

Elektriker säubern Elektrogeräte, die aufgrund des Hochwassers verschlammt seien. „Die Geräte werden mit Trockeneis und Druckluft gereinigt“, berichtet Katzwinkel. Viele Geräte könnten so gerettet werden. Jeder packe da an, wo er könne. „Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde“, so der Mündener. Dieses Motto haben sich manche zu eigen gemacht – und einige bleiben sogar: Zwei Helfer haben sich im Ahrtal kennen und lieben gelernt. Das Paar hat sich dort sogar ein Haus gekauft, berichtet Katzwinkel. Und auch er überlege, wegen der dort geschlossenen Freundschaften, irgendwann ins Ahrtal zu ziehen. (Natascha Terjung)

Info: Weitere Infos und wie den Betroffenen in Mayschoß geholfen werden kann, gibt es auf der Internetseite der Gemeinde

Auch Familie Rosenlieb aus Hann. Münden half im Ahrtal.

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