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Notfallsanitäter geht viral: Sein Song wird auf Youtube gefeiert

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Will auf Misstände aufmerksam machen: Der Notfallsanitäter Felix Peter Haehne. 

„Dass dieser Song so hohe Wellen schlägt, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Notfallsanitäter Felix Peter Haehne. Er hat einen bissigen Text über den Job geschrieben.

„Eigentlich sollte das nur eine kleine Lachnummer für Freunde und Kollegen sein, auf deren Anraten ich das Video dann in sozialen Medien veröffentlicht habe“. 

Der 26-Jährige hat kürzlich einen Text, witzig, bissig und ironisch, über das Berufsbild geschrieben und auf die Probleme aufmerksam gemacht. Notfallsanitäter ist die höchste nicht akademische medizinische Qualifikation im Rettungsdienst.

Die entsprechende Melodie mit Gitarrenbegleitung dazu wurde bis jetzt über 500.000 Mal geklickt und mit vielen Kommentaren versehen.

Notfallsanitäter ist der Erste vor Ort

„Guten Tag ich heiße Felix Peter und ich bin heute ihr Notfallsanitäter. Der Notarzt kommt ‘ne halbe Stunde später, und bis dahin unterhalten wir uns nett hier am Bett“, so der Beginn des Liedes. 

Dass der Notarzt eine halbe Stunde später kommt, sei etwas übertrieben. Doch die Notfallsanitäter seien die Ersten vor Ort und entscheiden oft, ob ein Notarzt hinzugezogen werden muss.

Denn nach aktueller Gesetzeslage darf ein Notfallsanitäter nicht eigenverantwortlich invasiv, also in den Körper eindringend, medizinisch tätig sein. 

Dieses Recht bleibt laut Heilpraktikergesetz grundsätzlich den Ärzten vorbehalten. „Obwohl das in der Ausbildung zum Notfallsanitäter gelehrt wurde, dürfen wir dieses Wissen nicht anwenden. So dürfen wir keine Medikamente wie Schmerzmittel verabreichen und keine Zugänge für Infusionen legen“, berichtet Felix Peter Haehne. 

Notfallsanitäter Felix nennt seinen Beruf anders

Das sehr zum Leidwesen von Patienten, die starke Schmerzen haben. Da ist die Zeit bis der Notarzt eintrifft, eine Ewigkeit. „Ich ruf die 112, schnell den Notarzt herbei, denn was der darf, das darf ich nicht. Würd’ ihnen die Schmerzen ja gern nehm’, da kann ich sie verstehn’, doch danach lande ich vor Gericht“, geht es mit dem Text weiter. Auf der anderen Seite sind die Notfallsanitäter verpflichtet, im Notfall zu handeln, auch ohne Arzt. 

„Da kommt natürlich Unsicherheit auf“, so Haehne. Das sei ein schmaler Grat zwischen Moral und rechtlicher Grundlage. „Ich wünsche mir, dass es zu einer Wertschätzung der Notfallsanitäter seitens der Politik und der Ärzte kommt, sonst ist der Beruf sehr deprimierend“, macht Felix Peter Haehne deutlich.

Ich hol’ den Rettungshocker raus, obwohl so mancher Patient gar nicht krank ist und auch laufen könnt’. Ja so ist der Beruf und was er mit uns macht. Wir Sanitäter kommen gerne bei Tag und auch bei Nacht. Ich bin Krankenwagenbelademeister, ja das ist mein Beruf, so heißt er“, endet der Song.

Gesungene Antwort für den Notfallsanitäter

In den meisten Fällen, zu denen die Notfallsanitäter gerufen werden, herrscht keine lebensbedrohliche Situation vor, es würde oft auch reichen, den Hausarzt zu konsultieren. Manche Patienten sind allerdings der Meinung, dass sie schneller behandelt werden, wenn sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren werden, was allerdings nicht so ist.

Für Haehne, der in Kürze Pädagogik im Rettungswesen studieren möchte, ist der Gesetzgeber in der Pflicht, denn die aktuelle Gesetzeslage ist nicht mehr zeitgemäß. Schließlich habe man in dem Beruf eine Pflicht gegenüber den Menschen. Prompt kam im Netz eine gesungene Antwort, eine Hommage an alle Notfallsanitäter, auch mit Gitarrenbegleitung, von Notärztin „Doc Caro“, die inzwischen auch schon über 260 000 Aufrufe verzeichnen kann. 

Sie bringt darin zum Ausdruck, dass Notärzte für lebensbedrohliche Fälle zuständig sind, für alle anderen Fälle gibt es Notfallsanitäter. „Die Politik hat‘s nicht erkannt, vielleicht hapert der Verstand“, vermutet sie. „Liebe Notfallsanitäter. Das ist meine Antwort an Felix. Felix melde dich bei mir, ich finde deine Aktion klasse“.

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