Arbeitsgruppe gegründet

Ort in Hann. Münden leidet unter Dauerbeschallung: Laubach kämpft gegen den Autobahn-Lärm

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Autobahn 7 bei Laubach

Laubach. Kampf dem Dauerkrach: In der Hann. Mündener Ortschaft Laubach hat sich eine Arbeitsgruppe um Ortsbürgermeister Christian Menz gebildet.

Sie will den Kampf gegen den in den vergangenen Jahren stärker gewordenen Lärmteppich von der Autobahn  und der Bahnstrecke an der Werra aufnehmen.

Angetrieben wird die Gruppe von zwei Erkenntnissen: Für die Autobahn A 7 läuft die 30-jährige Bindungsfrist für das Planfeststellungsverfahren beim Autobahnausbau an, in der noch nachträglich Lärmschutzmaßnahmen auf Grund von veränderten Bedingungen eingefordert werden können. Darüber hinaus steht der Ort wegen des zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommens auf der Bahnstrecke von Kassel Richtung Osten unter Druck.

Dort soll die Zahl von gegenwärtig vier Güterzügen täglich auf bis zu 44 Güterzüge steigen, um die West-Ost-Verbindung über Hannover zu entlasten, die inzwischen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt ist. „Wir wollen jetzt die Arbeitsgruppe verbreitern und möglichst viele Mitstreiter im Dorf für mehr Lärmschutz gewinnen“, sagt der Ortsbürgermeister Christian Menz.

Ortsbürgermeister Christian Menz

Eine große Hoffnung von Laubachs Bürgermeister, die Lärmauswirkungen für seine rund 400 Miteinwohner zu reduzieren, beruhen darauf, dass die derzeit laufenden Lärmkartierungen auf rechnerischen Größen beruhen und nicht auf tatsächlichen Messungen.

Unverständnis äußerte Menz darüber, dass die Ausbaupläne der Bahn bei Kassel die Auswirkungen für Laubach nicht berücksichtigen.

Urteil von 2007

Die Hoffnungen von Laubachs Bürgermeister zur Verbesserung des Schutzes vor dem Lärm der Autobahn A 7 ruhen auf einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 7. März 2007. Darauf hat der Lärmexperte der Stadt Hann. Münden, Siegfried Pflum, aufmerksam gemacht. In ihm stellt das Gericht fest, dass Bürger bis zu 30 Jahre nach der Planfeststellung Anspruch auf Nachbesserung beim Lärmschutz haben können. Diese Frist laufe im Fall der Autobahn A 7 im kommenden Jahr aus. 

Von daher ist Eile geboten: Betroffene und politische Gremien müssten darauf Anspruch erheben, um den Bund und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Geschäftsbereich Bad Gandersheim zu bewegen. „Am besten schriftlich“, wie der Leiter der Gandersheimer Niederlassung, Uwe Othmer, sagte. 

Das Leipziger Bundesgericht hatte in seiner Begründung darauf hingewiesen, dass die Belastungen größer als die Prognosen werden könnten und sich daraus Ansprüche ableiten könnten. Die Grenze sieht es bei drei Dezibel (dB), also einer Verdoppelung der Schallbelastung. Liegt dieser Wert darunter, zieht es als weitere Grenze die so genannte „enteignungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle“ hinzu. Sie liegt in Wohngebieten bei maximal 70 dB am Tag und 60 dB in der Nacht. 

Lärmschutz

Auch beim Lärmschutz gibt es dringenden Handlungsbedarf. Denn die Planungen für den Ausbau der Strecke von Paderborn nach Halle/Saale sind angelaufen. Dazu soll eine Kurve gebaut werden, um den Sackbahnhof in Kassel nicht anfahren zu müssen. Diese Kurve, von denen zurzeit drei Varianten diskutiert werden, sollen bis zu 25 Minuten Zeitersparnis bringen. 

Knackpunkt ist, dass mit diesem Ausbau erheblich höhere Belastungen nicht für Laubach verbunden sind, sondern für alle Anlieger der Strecke. Die Stadt Hann. Münden, so Siegfried Pflum, hat deshalb bereits gegenüber dem Eisenbahnbundesamt (EBA) kritisiert, dass die Ziele der EU-Umgebungslärmrichtlinie nicht erreicht werden. 

Die für nach der Lärmsanierung prognostizierten Immissionslärmwerte würden regelmäßig und erheblich teils um mehr als zehn dB überschritten. Die Stadt fordert das EBA daher auf, die zukünftigen zusätzlichen Belastungen neu zu bewerten. „Für Hann. Münden kann die Lärmsanierung (leider) noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden.“

Jahrelanger Clinch mit der Bahn

Auftakt zur Laubacher Kampagne gegen mehr Lärmschutz war eine Infoveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus. Während des ersten Treffens informierte der Fachdienstleiter Stadtplanung der Hann. Mündener Stadtverwaltung, Siegfried Pflum, über die Situation an der Autobahn 7, an der Bahn und über die Auswirkungen des Flugverkehrs auf dem Airport Kassel Calden. 

Siegfried Pflum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Experten in Sachen Lärmschutz in der Verwaltung entwickelt. Zur Arbeitsgruppe um Laubachs Ortsbürgermeister Christian Menz gehört auch Hotel-Betriebswirt Jörg Treichel vom Biohotel Flux, der mit der Bahn bereits seit acht Jahren wegen der von der Strecke ausgehenden Lärmbelastungen im Clinch liegt. 

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