Kurse in Bühren und Hemeln

Das Ostfälische kehrt zurück: Platt ist in aller Munde

Bühren/Hemeln. Einst verpönt, heute in: Sind es in Hemeln die Grundschüler, die eifrig den Zungenschlag ihrer Altvorderen üben, so treffen sich in Bühren alt und jung, um Platt zu lernen. Und auch sonst bekennt man sich wieder zur Mundart. 

In der Vorweihnachtszeit fiel auf, dass vermehrt Gedichte oder Geschichten auf Plattdeutsch erzählt wurden. In Bühren wundert sich die Verkäuferin: neuerdings werden die Brötchen auf Platt bestellt. Begrüßungen sind immer öfter in Mundart auf der Straße zu hören. Dahinter steckt die Platt-Gruppe, die sich in Bühren im Jugendraum trifft, um das alte Bührener Platt zu üben.

„Das ist, wie eine Fremdsprache zu lernen“, sagt ein Teilnehmer. Da wird durchaus gepaukt – aber mit viel Gelächter. Begrüßung auf Platt, langsam untereinander ein bisschen warm reden, dann geht es an neue Redewendungen und Übersetzungen. Und schließlich muss man sich noch trauen, selbst in dem ungewohnten Zungenschlag zu sprechen.

Dorfmoderatorin Anke Herzmann ist Ansprechpartnerin für die Treffen in Bühren. Sie stammt aus der Lüneburger Heide und bringt einen ganz anderen Dialekt mit. „Wir schnacken hier ja nicht, wir spräken“, sagt Hilmar Korf. Er ist der Platt-Lehrer in der Runde und nennt auch den Grund, warum Platt nicht weitergegeben wird: „Mit den Jüngeren spricht man Hochdeutsch, bei den Älteren schaltet man um auf Platt.“ So aber lernen es die Jungen nicht.

Noch gibt es Ältere, die die eigene Mundart ganz natürlich sprechen. Andere haben den Klang zumindest noch im Ohr – von den Eltern oder den Großeltern. Höchste Zeit also, das Platt vor dem Aussterben zu bewahren, finden die Bührener.

Platt-Gruppe in Bühren: Erst langsam warm reden, dann mutig drauflos „spräken“. 

Da wird bei den Treffen fleißig mitgeschrieben, was gar nicht so einfach ist: lautmalerisch hält man fest, was man hört. Weil Platt aber übers Hören und Nachsprechen viel besser geht, stellt Ortsheimatpfleger Georg Hoffmann Audio-Dateien auf die Bührener Webseite (www.buehren.de): Dort kann, man, wie man es von Sprach-CDs kennt, die Beispiele abspielen, erst Hochdeutsch, dann die plattdeutsche Übersetzung. Dort fließt ein, was bei den Platt-Treffen besprochen wurde, so Hoffmann, zum Nachhören und Selberlernen. Die Treffen sind aber nicht nur ein „Sprachkurs“: Das Plattdeutsche bringt die Generationen zusammen. Der jüngste Teilnehmer ist 13, der Älteste 82. Manchmal, berichtet Herzmann, kamen so viele, dass man nach draußen und in die Kirche ausweichen musste. Und mit dem Platt tauchten auch alte Geschichten aus dem Dorf plötzlich wieder auf. Und nach und nach sickern die ersten Redewendungen auf Ostfälisch, Bührener Färbung, wieder in den Alltag ein. 

Nächster Termin in Bühren

Das nächste Treffen der Platt-Gruppe findet am 15. Januar statt, 19 Uhr, im Jugendraum (über dem Kindergarten).

Platt an der Grundschule

Noch etwas zart kommt der „Schnaa“ gerieselt, aber das „Hemmellied“ klappt schon auswendig: einmal pro Woche steht in Hemeln an der Grundschule Platt auf dem Stundenplan. Bernhard Peters und Willi Pape unterrichten dort seit mittlerweile fast zehn Jahren. Pape ist außerdem 2017 zum Plattdeutsch-Beauftragten des Landkreises ernannt worden.

Bei ihm hatten sich die Bührener auch Tipps geholt, als sie ihre eigene Lerngruppe gründeten. Als Lehrer in Bühren kam Pape allerdings nicht infrage: Das Platt dort klingt schon wieder anders als das, was in Hemeln gesprochen wird. Untereinander verstehe man sich aber gut, wirft Bernhard Peters ein, und erzählt von seiner Bundeswehrzeit: Ein Bührener war mit in der Stube, mit dem habe er immer Platt gesprochen, sodass die anderen nicht verstanden, um was es ging.

 Das Unterrichtsmaterial machen die beiden „Plattunkels“ selbst. Von den Kindern werden sie auch auf der Straße fröhlich im Hemelner Dialekt angesprochen, erzählen sie. Mit ihrem Engagement für das Ostfälische haben die Hemelner schon öfter Furore gemacht: Die Grundschul-AG hatte 2016 mit ihrem plattdeutschen Film über ihr Dorf im Wettbewerb der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Niedersächsische Landesschulbehörde den ersten Platz belegt, die Grundschule ist als einzige aus dem Landkreis vom Kultusministerium als Projektschule für Niederdeutsch anerkannt. 

Plattdeutsch-Beauftragter

Beauftragter Als Plattdeutsch-Beauftragter des Landkreises berät und hilft Pape weiter, wenn, ähnlich wie in Bühren, Platt-Gruppen gergründet werden sollen oder andere Initiativen, Tel.: 05544/ 14 18.

Rubriklistenbild: © Bettina Sangerhausen 

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