Landschulheim an der Ostsee

Pelzerhaken: Küchenchef Horst Puchert zauberte Schnitzel für die Schulklassen

Im Landschulheim machte Horst Puchert viele Schulklassen, Ferienfreizeiten und auch Gästegruppen aus dem Ausland mit seinem Essen glücklich.
+
Im Landschulheim machte Horst Puchert viele Schulklassen, Ferienfreizeiten und auch Gästegruppen aus dem Ausland mit seinem Essen glücklich.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Christian Mühlhausen hat zur Geschichte des Heims recherchiert.

Hann. Münden/Pelzerhaken – „Ohne Mampf kein Kampf“, von diesem Motto kann Horst Puchert ein Lied singen. Der 67-Jährige sorgte viele Jahre im früheren Landschulheim Pelzerhaken dafür, was morgens, mittags und abends auf die Teller kam.

„Es waren schöne Jahre, mir hat das immer viel Spaß gemacht“, sagt Puchert, der von 1977 bis 1994 Koch im Landschulheim war und heute im Klosterdorf Cismar bei Grömitz lebt. Er hat für Tausende Jugendliche und viele andere Gäste, die in dieser Zeit dort in den Ferien waren, den Kochlöffel geschwungen.

Gebürtig aus Brunsbüttel stammend hat Puchert, der Koch gelernt und seinen Küchenmeister gemacht hat, ein bewegtes Berufsleben hinter sich. Als junger Mann kochte er im Sommer in Lokalen am Meer, im Winter in den Bergen, am Ende seines Berufslebens führte er selbstständig ein Restaurant in Neuenkirchen-Rheine.

Ein kleiner Schritt in die Sesshaftigkeit

Als seine Frau schwanger war, fiel ihm eine Zeitungsannonce in die Hände, in der ein Küchenchef für das Landschulheim gesucht wurde. Es war die Gelegenheit und an der Zeit, dem unsteten Leben etwas mehr Kontinuität zu verleihen. Er bewarb sich, kam zum Vorstellungsgespräch ins Göttinger Kreishaus – und bekam Weihnachten 1976 den Job.

Als Koch hatte er eine Schlüsselposition im Landschulheim: War das Essen lecker, war auch die Stimmung meist gut, trotz Regenwetters. Andererseits war die Küche für viele Jugendliche auch ein verhasster Ort, da man meist zu Strafarbeiten wie Kartoffeln schälen und extra Spüldienste dorthin geschickt wurde, wenn man Mist gebaut hatte und erwischt wurde. „Ich kam eigentlich mit den Jugendlichen immer gut klar. Man musste nur immer zusehen, dass man den Anführer solcher Cliquen erwischte und nicht nur die Mitläufer“, erinnert er sich.

Unvergessen bleibt für ihn, welche Gerichte besonders beliebt waren: Schnitzel mit Pommes und Spaghetti mit Hacksoße. Freitags gab es traditionell Fisch.

Tolle Zeit nimmt unschönes Ende

An das Ende seiner Dienstzeit hat Puchert jedoch keine guten Erinnerungen. Das Landschulheim bekam eine neue Leitung. Puchert berichtet von Mobbing und Unterstellungen. „Man wollte mich offenbar loswerden.“ Ihm wurde gekündigt, er ging vors Arbeitsgericht, gewann nach eigener Aussage mit Pauken und Trompeten und bekam eine hohe Abfindung zugesprochen – zurück ins Landschulheim wollte er allerdings nicht mehr.

Es bleiben ihm Erinnerungen an schöne Sommer und eisige Winter. An Polizeieinsätze, wenn Jugendliche zu sehr Unfug bauten und an Unglücksfälle, als etwa ein Mädchen im Schwimmbad ausrutschte und vom Rettungshubschrauber abgeholt werden musste.

Alles in allem war es eine schöne Zeit, sagt Puchert. Wenn er über Pelzerhaken spricht, dann leuchten seine Augen wieder, trotz des unschönen Endes. (Christian Mühlhausen)

Generationen von Menschen aus dem Landkreis Göttingen waren in Pelzerhaken. Wir sammeln ihre Geschichten. Von geklauten Mercedes-Sternen, über erste LiebenKohlrabi und Liebesromane, bis hin zu einem geschichtlichen Abriss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.