Hund, Katze & Co

Tierschützer suchen dringend Pflegestellen für hilfsbedürftige Fundtiere

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In guten Händen: Die Altenpflegerinnen Silvia Tölle (links) und Anna Becker kümmern sich im Herzogin-Elisabeth-Stift in Hann. Münden auch um Minka. 

Hann. Münden. Die Mitglieder des Tierschutzvereins Hann. Münden bitten um Unterstützung bei der Unterbringung hilfsbedürftiger Tiere.

Weil es in Hann. Münden kein Tierheim gibt, kümmert sich der Verein unter anderem um Fundtiere und vermittelt diese weiter.

Für diese Aufgabe werden Privatpersonen gesucht, die sich bereit erklären, einem Tier bis zu seiner Vermittlung übergangsweise ein Zuhause zu bieten – als Pflegestelle. Am häufigsten benötigen Katzen eine Pflegestelle, sagt Nicole Herthum, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins. Im Laufe eines Jahres nehme der Verein bis zu 25 Katzen auf. In diesem Jahr seien zudem bereits zwei Kaninchen, drei Schildkröten, eine Schlange sowie Echsen und Vögel aufgefunden worden. Besonders für exotische Tiere würden erfahrene Halter gesucht, die diese artgerecht versorgen und unterbringen können. 

Bisher gebe es vier Pflegestellen für Katzen und zwei für Nagetiere. Fundtiere können meist nach wenigen Wochen vermittelt werden, sagt Nicole Herthum. In einer Pflegestelle sollten sie zur Ruhe kommen, das Leben in einem Haushalt kennenlernen und gesundheitlich versorgt werden. Auch Kooperationen mit Altenheimen oder ähnlichen Einrichtungen seien möglich. Dort könnten Pflegetiere auch auf Dauer bleiben. 

Wird ein Tier adoptiert, ist es entwurmt, geimpft, kastriert und gechippt. Der neue Besitzer zahlt eine Schutzgebühr an den Verein. Für Hunde werden keine Pflegestellen gesucht. Sie werden an das Tierheim Duderstadt weitergeleitet. Wird ein Hund gefunden, verbleibt er wenige Tage in einem Zwinger auf dem Mündener Bauhof, wo er gefüttert und ausgeführt wird. Die meisten Hunde könnten jedoch in dieser Zeit ihrem Besitzer zugeordnet werden. Jährlich seien das bis zu 15 Hunde. Sehr selten handele es sich um ausgesetzte Hunde, die ins Tierheim kämen.

Pflegestelle: Erfahrung ist notwendig

Wer sich bereit erklärt, die Aufgabe einer Pflegestelle zu übernehmen, muss einige Bedingungen erfüllen. Pfleger sollten in der Nähe von Münden wohnen, Erfahrung mit Tieren haben, über ein Auto verfügen und bereit sein, potenzielle Interessenten ins Haus zu lassen, damit diese sich die Vermittlungstiere ansehen können. Eine Pflegestelle sei nicht dazu da, um erste Erfahrung als Tierhalter zu machen, so Nicole Herthum vom Tierschutzverein. Eine Pflegestelle wird vom Verein überprüft, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen darf. Der Verein kommt für Futter- und Tierarztkosten auf und stellt, wenn nötig, Tierbedarf wie Futterschüsseln, Kratzbäume und Ähnliches bereit. Interessierte können sich beim Tierschutzverein Hann. Münden unter 0159/ 01 50 36 90 oder per Mail an info@tierschutzverein-hmue.de melden.

Tierschutzverein Hann. Münden umsorgt heimatlose Tiere

Als Anfang des Jahres vier Hundewelpen auf einem Rastplatz bei Hedemünden ausgesetzt aufgefunden wurden, war der Tierschutzverein Hann. Münden sofort zur Stelle.

Über ein Notfallhandy ist ein Vereinsmitglied immer zu erreichen. Und dann wird oft spontan ein Heim für hilflose Zwei- und Vierbeiner benötigt. Davon gibt es bisher nicht genug, sagt der Tierschutzverein und sucht weitere Pflegestellen.

Die 57-jährige Petra Hötte ist Vereinsmitglied und bietet bereits eine Pflegestelle an. Sie sorgt sich um Katzen, die weitervermittelt werden sollen. Ihr erster Auftrag war sogleich eine große Herausforderung, sagt sie. Petra Hötte nahm fünf verwaiste, wilde Katzenbabys auf. Alle seien krank gewesen, nicht stubenrein und hätten Durchfall gehabt. Von diesem anspruchsvollen Einstieg habe sie sich jedoch nicht abschrecken lassen und innerhalb von vier Jahren schon 24 Tieren ein vorübergehendes zu Hause geboten.

Die ersten Tage haben Katzen bei ihr ein Zimmer für sich alleine. Danach dürfen sie Raum für Raum das Haus erobern und mit Höttes eigenen Katzen spielen. „Am Anfang verstecken sie sich oft unterm Bett“, sagt die Tierschützerin. Doch nach einigen Tagen kommen sie hervor und fassen Vertrauen.

Die meisten Besucher bleiben nur wenige Wochen. Die längste Zeit, die eine Katze bei ihr verbracht hat, war sieben Monate. „Tiere spüren, ob sie in einer Pflegestelle oder in ihrem neuen Zuhause angekommen sind“, sagt Petra Hötte. Katze Minka würde das wohl bestätigen. Sie hat sich sofort in ihrer Pflegestelle wohlgefühlt – und diese sogleich zu ihrem neuen Heim auserkoren.

Die mittelalte Tigerkatze wohnt seit vergangenem Jahr dauerhaft in ihrer Pflegestelle im Herzogin-Elisabeth-Stift in der Mündener Innenstadt. Die Katze ist dort immer wieder aufgetaucht und irgendwann geblieben, sagt Wohnbereichsleiterin Silvia Tölle. Daraufhin habe die Einrichtung den Tierschutzverein informiert, der sich auf die Suche nach der Besitzerin gemacht habe.

Die hatte jedoch kein Interesse, das Tier zurückzunehmen, sagt die erste Vorsitzende Nicole Herthum.

So ging die Katze in die Obhut des Vereins über, der sich um Tierarztkosten und Futter kümmert. Im Altenheim fühle sich Minka aber so wohl, dass sie dortbleiben dürfe, sagt Nicole Herthum. So eine Kooperation sei auch mit anderen Einrichtungen möglich.

Die Senioren des Stifts freuen sich laut Silvia Tölle sehr über die Katze. Minka fährt gerne mit dem Fahrstuhl und hat auf jeder Etage ein Körbchen oder einen Kratzbaum. Manche Bewohner lassen sie auch in ihren Zimmern Nickerchen halten. Pflegerin Tölle sieht zudem einen therapeutischen Nutzen in der vierbeinigen Bewohnerin, beispielsweise für demenzkranke Personen. Ein Unterhaltungsanreiz ist sie für alle Bewohner. „Sie bringt Leben in die Bude“, sagt eine Seniorin, „Wir sind froh, dass wir sie haben.“

Katze Kleo sucht ein neues Zuhause

Findelkind: Katze Kleo wohnt zurzeit in einer Pflegestelle.

Die dreijährige schwarze Dame hat einen weißen Fleck auf der Brust und helle gelbe Augen. Sie ist freundlich und spielfreudig. Bei Adoption ist eine Schutzgebühr von 100 Euro an den Tierschutzverein zu zahlen. Wer Interesse hat, Kleo zu adoptieren, kann sich beim Tierschutzverein Hann. Münden melden. Kontakt: 0151 20 01 17 02

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