Pilze sammeln

Pilzvielfalt in Mündens Wäldern

Pilzexperte Siegfried Pflum zeigt den Schleierling (von links), den Harten Zinnobertäubling und den Schwefelröhrling.
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Pilzexperte Siegfried Pflum zeigt den Schleierling (von links), den Harten Zinnobertäubling und den Schwefelröhrling.

Herbstzeit ist Pilzzeit. Wer lieber selber Pilze im Wald sammeln möchte, als sie im Supermarkt zu kaufen, der sollte das nicht ohne Vorkenntnisse tun, rät Pilzxperte Siegfried Pflum.

Hann. Münden – Denn oft werden bekannte Speisepilze mit ihren Doppelgängern verwechselt, weiß Siegfried Pflum, geprüfter Pilzexperte und Stadtplaner bei der Stadtverwaltung Hann. Münden.

Für den Naturpark Münden gibt er regelmäßig Seminare zum Pilze sammeln. Dabei habe er schon öfter gehört, dass Menschen zum Beispiel Stockschwämmchen im Wald sammelten und nicht wüssten, dass diese leicht mit den Gifthäublingen verwechselt werden.

Wie der Name schon vermuten lässt, sind sie hochgiftig – eine Unterscheidung der beiden Pilze sei schwierig, sagt Pflum. Er mache das unter anderem anhand des Geruchs fest: Die Lamellen, die sich unter dem Hut des Gifthäublings befinden, verströmen einen unangenehmen Geruch.

Doch jeder Mensch nehme einen anderen wahr. Deshalb müsse man sich diesen gut einprägen.

Wie wird man zum Pilzexperten? Nur mit Büchern und Apps zum Pilze sammeln zu gehen, empfiehlt Pflum nicht.

Denn dort würden Pilze oft idealtypisch abgebildet. „Pilze kommen nicht vom Band“, sagt er. Wie sie aussehen, hänge oft vom Alter ab. Das lasse sich anhand der Farbe der Sporen auf der Fruchtschicht (Ober- und Unterseite des Pilzhutes) erkennen. Der Steinpilz hat zum Beispiel eine helle Fruchtschicht mit gelblichen Sporen, wenn er jung ist. Ist die Schicht olivgrün, ist er bereits älter und nicht mehr genießbar.

Wenn er bei einem seiner Kurse den Teilnehmern die wichtigen Merkmale der Pilze erklärt, dann orientiert er sich an den gängigen Speisepilzen wie Maronen, Steinpilzen, Pfifferlingen und Champignons. In den Wäldern rund um Hann. Münden seien sie relativ häufig zu finden, sie wachsen gut auf sauren Böden – auch sie hätten aber giftige Doppelgänger, weiß Pflum.

Pilze sind wichtig für das Ökosystem

Champignons ließen sich daran erkennen, dass sie nach Anis riechen. Zudem dürfe sich der untere Teil des Stiels nicht gelb verfärben. Deshalb nimmt Pflum immer den gesamten Pilz aus dem Boden und kratzt den Stiel an. Pilze eignen sich aber nicht nur zum Verzehr, sondern sind auch wichtig für das Ökosystem.

Mit Bäumen können sie eine Symbiose eingehen, so zum Beispiel der Fichtensteinpilz, sagt Pflum. Dabei geben sie Mineralien und Wasser an den Baum ab. „Das macht den Baum vitaler.“ Deshalb würden beim Aufforsten Bäume häufig mit Pilzen besetzt. In Mitteleuropa gebe es etwa 10 000 verschiedene sichtbare Arten (Großpilze). Einige seien noch unentdeckt oder könnten nur unter dem Mikroskop erkannt werden.

Auch im Forstbotanischen Garten in Hann. Münden wächst ein seltener Pilz: Der Tintenfischpilz. Vor etwa acht Jahren wurde er zum ersten Mal in Hann. Münden gesehen – genießbar sei er aber nicht. „Ich nenne ihn Pilzblume, weil er so schön aussieht“, sagt Pflum. Die leuchtend roten Pilze erinnern an Tintenfischarme, die sich sternförmig öffnen.

Den seltenen Tintenfischpilz gibt es am Eingang des Forstbotanischen Gartens zu sehen.

Dass es so viele unterschiedliche Arten gibt, mache das Pilze sammeln so interessant, meint Pflum. Auf den Pilz gekommen ist er bei einem Spaziergang am Edersee mit seiner Frau Heike. „Da standen so komische Geschöpfe und ich wusste nicht, welche Pilze das waren.“ Es waren Maronen, wie seine Frau wusste. Sie wurden später zuhause gegessen und sein Interesse war geweckt. Nach einem Besuch bei der Schwarzwälder Pilzlehrschau in Hornberg (Baden-Württemberg) besuchte Pflum mehrere Lehrgänge. Heute ist er geprüfter Pilzexperte.

Zu entdecken gebe es aber immer noch genug – auch bei der Zubereitung von Pilzen. Der Schwefelporling lässt sich laut Pflum gut als Schnitzel zubereiten, da er gegart nach Hühnchen schmeckt. Der Pilz wächst von Mai bis Oktober an Bäumen. Wichtig: Wächst dieser Pilz an Eichen und Eiben, ist er nicht zum Verzehr geeignet. Vor dem Panieren sollte der Schwefelporling etwa fünf bis zehn Minuten gekocht oder blanchiert werden.

Wer mehr über Pilze lernen möchte, kann beim Naturpark Münden einen Kurs besuchen. Der nächste findet im November statt, so Pflum. (Natascha Terjung)

Apps nicht sicher

Beim Giftinformationszentrum Nord in Göttingen meldeten sich im September etwa 150 Menschen mit einer Pilzvergiftung. Am häufigsten sei eine Vergiftung mit Knollenblätterpilzen, sagt Andreas Schaper, Leiter des Zentrums. Diese würden oft mit Speisepilzen verwechselt. Der Verzehr dieser Pilze kann auch tödlich sein, so Schaper. Er warnt deshalb davor, ohne Vorkenntnisse und mit Apps auf Pilzsuche zu gehen. Mehr Informationen gibt es beim Giftinformationszentrum Nord in Göttingen. (ter)

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