Dunkle Vergangenheit

Pogromnacht: Dransfelder Bürger gedachten der Opfer 

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Ernst Achilles (links außen) vom Bürgerforum Dransfeld erinnerte in seiner Rede und mahnte bezüglich der aktuellen Ereignisse. 

Am 9. und 10. November 1938 brannten Synagogen in ganz Deutschland. Auch die ehemalige Synagoge in Dransfeld wurde demoliert. Die Einwohner gedachten nun der Opfer. 

Das Klarinetten-Ensemble Merulea eröffnete mit dem Lied „Shalom Chaverim“ die Gedenkstunde an die Pogromnacht 1938. Die Grünfläche vor der ehemaligen Synagoge war mit zahlreichen Besuchern gefüllt.

Das „Dransfelder Bürgerforum“ und die „Projektwerkstatt Spurensuche im Haus Hoher Hagen“ hatten in diesem Jahr wieder dazu eingeladen und es wurde eine bewegende Stunde, in deren Verlauf die Dunkelheit hereinbrach.

Am 9. und 10. November 1938 brannten die Synagogen in ganz Deutschland, auch die ehemalige Synagoge in Dransfeld wurde demoliert und schwer beschädigt, ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte begann.

Rechtsterroristische Morde in Halle waren Thema

Ernst Archilles erinnerte an diese Zeit, sprang während seiner Rede in das Hier und Jetzt: „Wie sieht aktuell die Situation in Deutschland aus? Da war die Mordserie der NSU, lange Zeit als unpolitische Einzeltaten verkannt. Messerattacken gegen Politiker, der rechtsterroristische Mord an Kasseler Regierungspräsident Lübcke, rassistische Mordanschläge in Halle. Immer wieder Morddrohungen gegen Politiker und Politikerinnen.“

Kerze und Rose auf einem Stolperstein.

Zu der Gedenkstunde waren Schüler von der IGS Göttingen und dem Hainberg-Gymnasium gekommen, die die seltene Gelegenheit bekommen hatten, sechs Überlebende des Konzentrationslagers Ozarichi (Weißrussland) zu treffen und über diese Gespräche zu berichten.

„Ganz plötzlich ist man mit einer anderen Realität konfrontiert, die alles andere als irrelevant erscheinen lässt. Man hat gemerkt, wie schwer es ihnen gefallen ist, darüber zu reden und dadurch diese Erinnerung immer wieder zu durchleben“, erzählte Clara Saltritt, selbst sehr berührt durch diese Begegnung mit den Überlebenden, welche durch ihr Erzählen gegen das Vergessen ankämpfen. 

Auch Hannes Gatzemeier berichtete: „Schon die Gestik und Mimik der Überlebenden konnten bestätigen, wie erniedrigend das Leben damals gewesen sein muss. 

Die Berichte zu hören, gingen einigen von uns näher als erwartet. Es war wirklich sehr emotional und berührend“. Diese Begegnung werde er laut seiner Aussage nie wieder vergessen.

Manche Überlebenden weinten, manche antworteten auf Fragen der Schüler kräfteschonend nur mit Gesten, berichtete Gatzemeier. Auch der stellvertretende Vorsitzende der „Jüdischen Gemeinde Göttingen“ war gekommen und ergriff das Wort. 

So seien die Zeiten vorbei, in denen im Jahr zwischen den Gedenkfeiern nichts weiter passiere. Aufgrund der aktuellen Situation mit erneut sichtbarem Antisemitismus in Deutschland müsse stattdessen auch während des gesamten Jahres mehr über diese Themen gesprochen werden.

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