U-19-Team ist Nord-Champion

Mündener Polizeisportverein spielt Cricket

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Was in Großbritannien, Australien und vielen anderen Ländern die Stadien füllt, ist auch in Hann. Münden angekommen: Cricket. In der Dreiflüssestadt kann man Cricket jetzt im Polizeisportverein spielen, der bereits mit zwei Mannschaften am Serienbetrieb teilnimmt.

Hann. Münden. Der Spielbetrieb läuft, mit zwei Teams ist der Polizeisportverein Hann. Münden (PSV) am Spielgeschehen im Norddeutschen Cricket Verband dabei.

Und das U-19-Team ist schon Nord-Champion: Seit das Spielfeld fertig ist, geht es sportlich mit Hochdruck voran. Die neue Sparte im PSV ist nicht nur eine in Deutschland bislang noch exotische Sportart, sondern zugleich ein Integrationsprojekt. 

Eine Gruppe sportbegeisterter junger Flüchtlinge war es am Anfang, die gern Cricket spielen wollte. Dazu brauchten sie einen Platz und einen Verein. 

Bislang noch ein exotischer Sport: Der Striker, also der Schlagmann, macht sich bereit. 

Hartmut Teichmann von der Bürgerinitiative ein.münden und Karen Schoch, damals Vorsitzende des Vereins Bürgertreff, setzten sich für die Jungen ein, die von Beginn an auch von dem Mündener Kaufmann Vinod Joshi unterstützt wurden.

Mit dem PSV war ein Verein schnell gefunden, denn der Polizeisportverein bemühe sich seit vielen Jahren, Menschen mit Migrationshintergrund über den Sport zu integrieren, so PSV-Vorsitzender Herbert Neumann. 

Was würde sich dazu besser eignen als eine Sportart, die praktisch mit den Migranten ins Land gekommen ist? Schwieriger war es, einen Platz zu finden. Denn für das Cricketspiel wird eine feste, glatte Bahn im Zentrum des Spielfeldes, die sogenannte „Pitch“ benötigt, um für Liga-Spiele gerüstet zu sein. 

So dauerte es von der ersten Idee 2016 bis in dieses Jahr, bis die Teams so richtig loslegen konnten. Unterdessen hatte der PSV alle Interessierten eingeladen, um den Flüchtlingen in groben Zügen die Vereinsstrukturen darzustellen.

Es kamen rund 40 junge Männer: Mit so einem großen Zulauf hatte man nicht gerechnet. Vinod Joshi ist nun der Abteilungsleiter der Sparte Cricket, die sich jetzt im PSV zu Fitness, Judo, Rückenschule, Schwimmen, Selbstverteidigung, Sportschießen, Tanzsport, Tennis und Werraschützen gesellt.

Trainer der Cricket-Teams ist Asadullah Sangari. Zu den Auswärtsspielen nach Hamburg, Bremen, Oldenburg oder Hannover fahren die Teams mit Bus und Bahn und dem Niedersachsenticket – umweltfreundlich und sparsam, nur manchmal sei es etwas schwierig, rechtzeitig zu Spielbeginn an Ort und Stelle zu sein. 

Die Sportler stammten vorwiegend aus Pakistan und aus Afghanistan, sagt Neumann. Jetzt würde sich der PSV freuen, auch Deutsche für diese Sportart begeistern zu können. Anfangen könnten Cricket-Neugierige ja damit, beim Training vorbeizuschauen: Auf dem Spielfeld, das hinter dem Erlebnisbad eingerichtet wurde, treffe man samstags und sonntags fast immer Spieler an, die Interessierten gerne weiterhelfen – falls einer sich selbst als Bowler oder Striker versuchen möchte, also als Werfer oder Schlagmann. 

Spieler halfen beim Bau mit

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für das Cricket-Spielfeld wurden die Sportler voriges Jahr auf dem B-Platz am Rattwerder fündig. Zwischen den Fußballfeldern stört die Cricket-Bahn nicht, die Plätze können weiter genutzt werden wie bisher. „Ein Termin beim Bürgermeister Harald Wegener, und dem Amtsleiter für Sportangelegenheiten Wiemer war schnell gemacht. Es wurde ein Ortstermin verabredet, an dem neben den Vertretern des PSV und der Stadt Hann. Münden auch der Platzwart, Boris Tichanow, und der Sprecher der Spieler, Vinod Joshi, teilnahmen. Das Eis schien gebrochen. Alle Anwesenden waren der Auffassung, dass zwischen den beiden Fußballfeldern genügend Platz sei, um eine „Pitch“ anzulegen. Diese „kleine“ Baumaßnahme sollte in den Händen des PSV liegen und größtenteils durch Eigenleistungen verwirklicht werden. Die Spielflächen wurden von der Stadt Hann. Münden zur Verfügung gestellt“, berichtet PSV-Vorsitzender Herbert Neumann. 

Alle packten mit an: Die Cricketspieler haben gut 200 Stunden Eigenleistung in den Bau der Pitch gesteckt.

Aber wie baut man eine Pitch? Beispiele fand der PSV keine und beschloss, einen eigenen Weg zu gehen. Geplant war eine massive frostbeständige Betonplatte mit international anerkannten Maßen, auf die abschließend eine Art Kunstrasen aufgeklebt werden sollte. Die Finanzierung war weitestgehend über Fördermittel und eine Menge Eigenleistung geplant.

Nun musste der PSV auf die Fördermittel warten, vorher darf mit dem Bau nicht begonnen werden. Dann aber waren die Auftragsbücher der Baufirmen voll, Urlaubs- und Ferienzeit folgten, die Cricket-Spieler mussten sich in Geduld üben. 

Im November kam dann doch noch der Bagger, die Betonpiste wurde fertiggestellt. Die Frostperiode im Frühjahr musste wiederum abgewartet werden, bis der Belag, ein spezieller Teppich, aufgebracht werden konnte. Zwischenzeitlich habe der PSV die ersten Termine für die Punktspiele der Norddeutschen Liga mitgeteilt bekommen: Ostersonntag sollte das erste Heimspiel sein. 

Eine Woche vor Ostern erschienen alle Spieler auf dem Platz, um einen Not-Teppich aufzulegen. Das Spiel fiel wegen schlechten Wetters dann zwar aus, aber eine Woche später folgte die Premiere mit den drei ersten Spielen auf dem ersten Mündener Cricket-Feld. Inzwischen ist das Provisorium entfernt und der endgültige Belag aufgetragen worden, berichtet Neumann. Auch diese Arbeiten erledigten die Spieler selbst.

Spielregeln: Duell mit Ball und Schläger kann mehrere Tage dauern

Für alle, die noch nicht wissen, wie Cricket geht, erklärt es der PSV: Zwei Mannschaften mit je elf Spielern treten gegeneinander an. Es geht um das Duell zwischen dem Werfer (Bowler) und dem Schlagmann (Striker oder Batsman). Der Bowler versucht, den Batsman zu einem Fehler zu bewegen, damit dieser ausscheidet, der Batsman seinerseits versucht den Ball wegzuschlagen, wofür er Punkte (Runs) bekommen kann. Der Bowler wird durch die anderen Feldspieler unterstützt, die den Ball so schnell wie möglich wieder zurückbringen müssen. 

• Das Cricket-Feld sollte einen Durchmesser von 140 Meter haben und eine harte und feste Spielfläche (Pitch) beeinhalten, die für die Schlagmänner und den Werfer gedacht ist. Zwei Batsmen (oder Striker) und ein Bowler werden bestimmt und positionieren sich auf der Spielfläche (Pitch). Von Team 1 befinden sich nur die zwei Batsmen auf dem Feld, während von Team 2 alle elf Spieler auf dem Feld verteilt sind. Die beiden Batsmen stehen jeweils an einem Ende des Pitches, während der eine Schlagmann und der andere der Läufer ist. 

• Punkte macht man, indem der Schlagmann den Ball weit schlägt und sich 4 oder 6 Punkte sichert (abhängig von Schlagweite, beliebig festsetzbar) oder den Ball in die nähere Umgebung schlägt und dann von dem einen Ende der Spielfläche zum anderen rennt, parallel dazu wechselt auch der Läufer die Seite, wofür es pro Seitenwechsel (Run) einen Punkt gibt. Gelingt es einem Spieler von Team 2 den Ball direkt aus der Luft zu fangen, ist der Schlagmann aus dem Spiel. Cricket wird in Overs gespielt, ein Over beinhaltet sechs Schläge. 

• Beendet ist das Spiel, wenn die Overs zu Ende gespielt wurden oder wenn zehn Spieler eines Teams raus sind. Das kann einige Stunden, aber auch mehrere Tage andauern. Jeder Spieler der jeweiligen Schlagmannschaft muss einmal als Batsman auftreten und Runs für seine Mannschaft erzielen. 

Liga-Spiele 

Die nächsten Termine für diese Saison in der Nord-Liga sind am 10. und 17. Juni auf dem Rattwerder in Hann. Münden. Die Nordliga umfasst Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein. Spielpläne und weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Polizeisportvereins, www.psv-muenden.de, sowie per E-Mail an geschaeftsstelle@psv-muenden.de.

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