Die Ermittler von morgen

Polizeistudenten berichten von neuem Projekt an der Akademie in Hann. Münden

Sie sind Teil der 25-köpfigen Studiengruppe: Paulina Leupers und Lucas Büsing.
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Sie sind Teil der 25-köpfigen Studiengruppe: Paulina Leupers und Lucas Büsing.

Mit einem besonderen Fokus auf die Ermittlungsarbeit werden an der Polizeiakademie Hann. Münden aktuell 25 Studenten ausgebildet. Dabei bekommen die Studenten unter anderem Einblicke in ungelöste Mordfälle.

Hann. Münden – Paulina Leupers und Lucas Büsing gehören zu den 25 Teilnehmern in Hann. Münden. Die beiden 24-Jährigen haben vor dem Polizeistudium ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen, Leupers studierte Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit, Büsing machte eine Ausbildung bei einer Bank.

Diese Vorerfahrungen zahlen sich aus. „Um Teil dieses Pilotprojekts zu sein, sind solche Vorkenntnisse zwar nicht zwingend, aber es wäre natürlich auch Verschwendung, sie nicht zu nutzen und die Kenntnisse verstreichen zu lassen“, sagt Studienortverantwortlicher Andreas Borchert.

„Mir helfen die Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen, die ich bereits gesammelt habe, mit Blick auf die Arbeit mit Jugendstraftätern“, sagt Leupers.

Büsing hingegen ist mit seinen Erfahrungen im Bankwesen für Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung gerüstet. „Es profitieren alle in der Studiengruppe von den Kenntnissen der anderen“, sagt Büsing.

Und Leupers ergänzt: „Wenn es zum Beispiel um Cyberkriminalität geht, helfen uns natürlich die Kollegen mit IT-Erfahrung sehr bei den unterschiedlichen Begriffen.“

Cold Cases: Studenten arbeiten an echten, ungelösten Fällen

Wie man ermittelt erlernen die Studenten neben ihren Praktika auch durch die Arbeit an ungelösten Mordfällen im Land Niedersachsen, sogenannten Cold Cases. „Das sind echte Fälle. Wir bekommen dann die originalen Fallakten, so 600 bis 1000 Seiten“, sagt Leupers. „Als Studiengruppe schauen wir dann aus einem neuen Blickwinkel auf die Fälle.“

Außerdem sind bei älteren Fällen laut Borchert heutzutage auch anderer Ermittlungsmöglichkeiten gegeben. „Bei manchen Fällen war noch keine DNA-Analyse möglich.“ Auf diese Art sei im vergangenen Jahr bereits ein Mordfall in Niedersachsen aufgeklärt worden.

Die 25 Studenten bekommen im Unterricht gezielter Einblicke in den Bereich Ermittlung als ihre Mitstudenten. Die Stunden, die dafür mehr benötigt werden, werden laut Borchert in anderen Lehrbereichen eingespart. „Weniger Verkehrsrecht zum Beispiel.“ Die Gruppe hatte jüngst ein dreitägiges Seminar zum Thema Vernehmung mit Dozenten aus Hameln, Göttingen und Hannover.

Für Büsing ein Höhepunkt: „Vernehmungen auch praktisch an einem Tatortbeispiel kennenzulernen, fand ich sehr spannend. Ich fühle mich jetzt handlungssicherer.“ Ab 1. Oktober treten die frisch ausgebildeten Ermittler nach bestandener Prüfung ihren Dienst an.

Polizei reagiert mit Projekt auf Pensionierungen

Das Pilotprojekt im Ermittlungsbereich wird nicht nur an der Akademie in Hann. Münden, sondern auch an den anderen Niedersächsischen Akademien in Oldenburg und Nienburg angeboten. Insgesamt 75 Teilnehmer verteilen sich in Gruppen à 25 auf die drei Studienorte, sagt Andreas Borchert, Studienortverantwortlicher in Hann. Münden. Das Personal im Ermittlungsbereich solle damit verjüngt werden.

„Für viele Absolventen geht es nach dem Studium häufig erst einmal in den Schichtdienst bei der Streife. Deshalb steigen die meisten Kollegen erst nach einigen Dienstjahren in den Ermittlungsbereich ein“, sagt Borchert. „Dadurch ist dort der Alterschnitt höher.“ Außerdem stünden eine hohe Zahl an Pensionierungen an. Deshalb wolle man diesen Kreislauf nun durchbrechen.

Die Einführung des Projekts bedeute jedoch nicht, dass man bei der Polizei von nun an keine Streifenpolizisten mehr ausbildet. Zwei Drittel der Absolventen belegen laut Borchert als Schwerpunkt den Einsatz- und Streifendienst.

Und: „Sowohl die Teilnehmer der Projektgruppe und alle anderen Studierenden werden so ausgebildet, dass sie in allen Bereichen einsetzbar sind“, betont der Studienortverantwortliche. „Es besteht keine Verpflichtung nach dem Abschluss in den Ermittlungsbereich zu gehen. Auch wenn es natürlich schade wäre.“

Das Interesse an einer Teilnahme an dem Projekt sei sehr groß gewesen. „Es gab mehr Bewerber als Plätze“, so Borchert.

Das Projekt ist für das kommende Studienjahr 2021/22 geplant. Die Auswertung findet in diesem Sommer statt. (William Abu El-Qumssan)

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