Zusätzlich 1200 Euro Zahlung an Mütterzentrum

Pornos mit Säuglingen: neun Monate auf Bewährung

Hann. Münden. Zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung in Höhe von neun Monaten hat Dr. Wilfried Kraft einen 43-jährigen Mündener am Mittwoch vor dem hiesigen Amtsgericht verurteilt.

Der Richter sah die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als erwiesen an, dass der Angeklagte 21 000 Dateien mit kinder- (unter 14 Jahre alt) und 27 000 mit jugendpornographischem (14 bis 18 Jahre alt) Inhalt aus dem Internet heruntergeladen hat. Das Material ist demzufolge im August 2014 auf mehreren Datenträgern von der Polizei sichergestellt worden.

Es handelt sich dabei laut Gericht um Schriften, Bilder und Videos, in denen Kinder, Jugendliche und Säuglinge dargestellt werden, die miteinander oder mit Erwachsenen gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr haben.

Der Angeklagte, der ohne Anwalt vor Gericht erschien, sagte zu seiner Verteidigung: „Es war ein Hilfeschrei, ich bin in Hann. Münden ohne soziale Kontakte dahinvegetiert und wollte in den Bau, um meine Lebensqualität um 100 Prozent zu steigern.“ Im Nachhinein aber sei ihm klar geworden, dass er etwas Unentschuldbares getan habe. „Es tut mir aufrichtig leid. Es gibt bessere Wege, um ins Gefängnis zu kommen“, sagte der 43-Jährige.

Er stehe derzeit kurz vor dem Umzug nach Gotha. „Dort habe ich alte Freunde und eine Festanstellung bei einer Firma in Erfurt in Aussicht“, so der Noch-Mündener. Er wolle sein Leben nun in geregelte Bahnen lenken und nie wieder straffällig werden. Bereits im Jahr 2012 hat das Amtsgericht Gotha gegen ihn einen Strafbefehl wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornographischem Material verhängt. Die Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro hat er ebenso wie eine wegen Trunkenheits am Steuer noch nicht komplett abbezahlt.

Die Intention, ins Gefängnis eingesperrt werden zu wollen, stieß sowohl beim Staatsanwalt, der in seinem Plädoyer 14 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung forderte, als auch bei Richter Kraft auf Unglauben. „Nach dem vergangenen Urteil müssen Sie gleich wieder angefangen haben, solche schrecklichen, unmoralischen und abscheulichen Dinge herunterzuladen und anzuschauen“, sagte Kraft.

Deshalb sei die Freiheitsstrafe angemessen. „Ein Strafbefehl bleibt oft wirkungslos“, so der Amtsgerichtsdirektor. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Eine weitere Auflage: eine Zahlung von 1200 Euro an das Mütterzentrum in Hann. Münden.

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