„Musik ist für alle da.“

Porträt: Der Pianist Christian Möller will Musik mit allen teilen

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Will im Cult-Café Kultur und Musik jedem Menschen nahe bringen: Der Pianist und Komponist Christian Möller.

Hann. Münden. Raus aus dem Elfenbeinturm, Musik und Kultur mit anderen teilen: Dem Pianisten und Komponisten Christian Möller aus Hann. Münden ist es ein Anliegen, kulturelles Engagement zu leben und vor allem nach außen zu tragen.

„Musik ist für alle da“, sagt der 61-Jährige. Schon früh habe Möller sich der studierte Musiker mit diesem Gedanken auseinandergesetzt. „Als ich 24 Jahre alt war, wurde mir der Unterschied zwischen Jugendkultur und Elfenbeinturm sehr deutlich“, erzählt Möller. Während seines Studiums (Orgel und Komposition) spielte er rund 10 Stunden am Tag Klavier. Das spürte er auch körperlich irgendwann. Hinzu kamen die Fragen: Wozu das Ganze? Bin ich das? Also kehrte Müller der „Elite-Uni“ den Rücken.

Studium mit 16 Jahren 

Möller kam als Kind mit seiner Familie nach Hann. Münden. Zuvor lebte die Familie in Bremerhaven, wo Möller die Schule besuchte und dort mit seinem Bruder in der Blaskapelle spielte, nebenbei Klavier. „Meine Eltern wollten auf keinen Fall, dass wir etwas mit Musik machen. Es sollte etwas Sicheres sein“, erzählt Möller. „Wir haben trotzdem Musik gemacht.“

Mit seinem Bruder sei er losgezogen und habe sich Musiklehrer gesucht. Mit 15 leitete Möller einen Chor, bereits mit 16 ging er auf die Hochschule und studierte Orgel und Komposition.

Anfang der 1990er kam für Christian Möller dann eine große Zeit. Ein Bekannter erzählte ihm, er hätte gesehen, wie einer Klavier spielte und die Noten von einem Bildschirm ablas. „Bildschirm und Noten? Das war eine damals unverständliche Revolution“, sagt Möller und lacht. Möller stellte sich diesen Änderungen: Für Yamaha reiste er durch die Welt und entwickelte neue Konzepte. Etwa, wie man einen Ton in einen Computer bringt.

2000 kam Möller zurück nach Hann. Münden und leitete Musikprojekte mit Sabina Richter, die ebenfalls Komponistin ist. „Wir komponierten Musik und schrieben Text mit Schülern, um sie dann aufzuführen“, sagt Möller. Acht Jahre lang, bis Möller sich zurückzog, um zu überlegen, wie es weitergehen soll.

Immer noch wollte er Musik an Menschen bringen, vor allem an junge. „In Konzertsälen, Opern usw. sieht man sie selten“, sagt er. In Dänemark sah er dann ein Modell, „dass die ganze Stadt aufmischte“. Keine Hierarchien, keine Steifheit. Fasziniert davon, plante er selbiges für Hann. Münden und eröffnete 2015 das Kultur-Café. Ein Erfolg für die kleine Stadt, Nachwuchskünstler sind von der Atmosphäre angesteckt.

2017 soll es so weitergehen, mit neuen Ideen und einem neuen Namen: Der englische Name „Cult“ verschafft dem Café einen internationalere Atmosphäre.

Cult-Café: Ausblick auf das Jahr 2017 

Christian Möller hat für das Cult-Café im neuen Jahr viele Pläne. Bei einem Testkonzert am 21. März wollen er und weitere Musiker schauen, ob die Mündener bereit dafür sind, Geld für überregionale Künstler zu zahlen. „Wir möchten das Cult-Café nicht mehr nur über Gastronomie finanzieren, sondern auch über Eintrittskarten“, sagt Möller.

Im Cult-Club will Möller jungen Menschen im Alter von 13 bis 16 ermöglichen, jeden Dienstag gemeinsam zu musizieren. „Eine Art Jugendkneipe“, sagt Möller. Ob sich der Cult-Club durchsetzt, wird im April bekanntgegeben.

Weitere Vorbereitungen laufen derzeit für einen meeting point international, der jeden Donnerstag stattfinden soll. Mit jungen Flüchtlingen erarbeitet Möller ein Theaterstück und Songs.

Weiterhin plane Möller eine Youtube-Präsenz. Auf der Videoplattform sollen aktuelle politische Themen mit klassischer Musik oder Popmusik verbunden werden.

„Die Videos stellen einen Versuch dar, ein überreigionales Publikum zu erreichen“, erklärt Möller. „Leute außerhalb Hann. Mündens sollen neugierig gemacht werden, damit noch mehr Leute in den Ochsenkopf kommen.“

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