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Premiere für Werke von malendem Schwein Pigcasso in Hann. Münden

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Von: Amir Selim

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Ein echtes Kunstwerkzeug: Neben den Gemälden von Schwein Pigcasso sind auch einige Gegenstände in der Ausstellung zu sehen. Darunter ein benutzter Pinsel oder Farbtöpfe. FOTO: AMIR SELIM
Ein echtes Kunstwerkzeug: Neben den Gemälden von Schwein Pigcasso sind auch einige Gegenstände in der Ausstellung zu sehen. Darunter ein benutzter Pinsel oder Farbtöpfe. © Amir Selim

In wenigen Tagen eröffnet die Ausstellung „OINK – Less Meat. More Wonder“ in Hann. Münden. Die Werke von Pigcasso sind dabei erstmals in Deutschland zu sehen.

Hann. Münden: So heißt das Gemälde, das extra für die am 2. Juli beginnende Ausstellung vom Schwein Pigcasso gemalt wurde. Die Ausstellung findet in Dr. Wolfs (links) Wunderkammer statt.
Hann. Münden: So heißt das Gemälde, das extra für die am 2. Juli beginnende Ausstellung vom Schwein Pigcasso gemalt wurde. Die Ausstellung findet in Dr. Wolfs (links) Wunderkammer statt. © Amir Selim

Hann. Münden – In den Denkräumen für Kulturgeschichte(n) werden vor allem die Werke von Pigcasso, einer malenden Sau, erstmals in Deutschland zu sehen sein. Darunter seien auch zwei Gemälde, die eigens für die Ausstellung in Südniedersachsen gemalt wurden, sagt Daniel R. Wolf, Namensgeber des Veranstalters Dr. Wolfs Wunderkammer. Diese werden während der gesamten Ausstellung vom 2. Juli bis zum 23. September zu sehen sein. Ebenso gelte das für ein 2,60 Meter großes Gemälde von Pigcasso, dass neben der Treppe des Museums angebracht ist.

Im oberen Raum befinden sich sieben weitere Gemälde. Dabei handele es sich um eine Auswahl von Werken des Schweins, die von Joanne Lefson, Halterin Pigcassos, bereitgestellt wurden, sagt Sarah Wolf. Diese Werke sind bis zum 12. August zu sehen. Dann findet eine Midissage, eine Veranstaltung zur Halbzeit einer Kunstausstellung, statt und es werden neue Werke im Obergeschoss ausgestellt.

Dort befinden sich neben den Gemälden auch einige Gegenstände. Diese passen zum klassischen Angebot der Wunderkammer: „Die Wunderkammer ist ja eigentlich kleinteilig“, sagt Wolf.

Kunstschaffen macht das Unsichtbare sichtbar: Das Zitat von Marcel Duchamp ist bei den Ausstellungen von Pigcasso und Lefson zu sehen.
Kunstschaffen macht das Unsichtbare sichtbar: Das Zitat von Marcel Duchamp ist bei den Ausstellungen von Pigcasso und Lefson zu sehen. © Amir Selim

So werden zum Beispiel ein Pinsel, mit dem Pigcasso gearbeitet hat, einige Farbtöpfe und Stroh präsentiert. Außerdem sind im Obergeschoss Videos vom Schwein zu sehen, wie es die Bilder erstellt und ein ausgestelltes Zitat des Künstlers Marcel Duchamp, das auch sonst bei Pigcassos Zurschaustellungen gezeigt wird. Dazu gibt es einen kleinen Nebenraum, in dem Werke von anderen Tieren zu sehen sind, die ebenfalls künstlerisch aktiv sind. Noch nicht angebracht sind Tafeln, die Informationen zu Pigcasso und dem Gnadenhof Farm Sanctuary liefern.

„Wir sind gespannt, wie viel Andrang da sein wird“, sagen die beiden Veranstalter. Das mediale Interesse sei bisher groß gewesen. Neben dem NDR und der DPA werde auch ein japanisches Fernsehteam über die Ausstellung berichten, sagt Daniel R. Wolf.

Über Instagram auf Pigcasso und Lefson aufmerksam geworden

Sarah Wolf schaut über die sozialen Medien nach interessanter Kunst, die für Dr. Wolfs Wunderkammer interessant sein könnte. So wurde sie über Instagram auf Pigcasso und seine Kunst aufmerksam. Also stellte ihr Ehemann, Dr. Daniel R. Wolf, Joanne Lefson eine Anfrage, ob etwas von Pigcasso ausgestellt werden kann.

„Die Wunderkammer ist eigentlich kleinteilig. Deshalb dachten wir zuerst eher an einen Pinsel oder einen Schnauzenabdruck, mit dem Pigcasso seine Werke signiert“, sagt Dr. Wolf. Doch Lefson zeigte sich auch offen für eine Ausstellung. Sie sei sowieso in Europa unterwegs und könne deshalb nach Deutschland kommen. So kam es, dass am kommenden Samstag die erste Ausstellung mit Werken von Pigcasso in Deutschland stattfinden wird.

„Kunst von Tieren kannten wir schon. Kunst von einem Schwein hatte ich noch nicht gesehen“, sagt Wolf, der seine Doktorarbeit zum Thema Tierbilder in der historischen Sammlungsgeschichte Kassels schrieb.

Ausstellung blickt kritisch auf Fleischkonsum

Die Ausstellung soll zeigen und ausdrücken, dass Pigcasso nicht nur ein malendes Schwein ist. Passend zum Titel der Ausstellung „OINK! – Less Meat. More Wonder“ soll kritisch über Fleischkonsum nachgedacht werden. Außerdem wolle man darstellen, dass Farmtiere „mehr sind, als das, was bei uns auf dem Teller liegt“, sagt Wolf. Deshalb gibt es bei den Ausstellungen von Pigcasso auch das Zitat „artmaking is making the invisible visible“ (deutsch: Kunstschaffen macht das Unsichtbare sichtbar), des Künstlers Marcel Duchamp zu sehen.

Denn die Gemälde des Schweins zeigen das künstlerische Spektrum des Tiers: „Von figurativem bis abstraktem“ sei einiges dabei. Außerdem stellen die Bilder die Zusammenarbeit und die Kooperation zwischen Pigcasso und Lefson, die unter anderem die Farben für die Werke aussucht, dar.

Die Kunst von Pigcasso drückt zudem die Fähigkeit und Persönlichkeit eines Tiers aus. Denn wie lange das Tier malt, entscheidet es selbst: „Es hat manchmal nach zwei Linien die Schnauze voll“, sagt Wolf. Bei anderen Gemälden sei ein riesiger Wust zu erkennen, weil das Schwein lange und viel malte. „Man bekommt den Eindruck, dass Pigcasso sehr viel frei entscheiden kann.“ Und das alles unter dem Gesichtspunkt, dass es nicht antrainiert sei. Das gebe es zum Beispiel bei anderen Tierarten wie Affen oder Hunden. Im Falle von Pigcasso sei es eben Ausdruck seiner Motivation. „Tiere sind nicht nur Nahrungsmittel“, sagt Wolf dazu. Davon können sich Besucher der Ausstellung selbst überzeugen. Denn Videos von Pigcasso beim Malen werden auf einer Leinwand zu sehen sein.

Es ist für Dr. Wolfs Wunderkammer die erste Sonderausstellung. „Ein Experiment“, wie Sarah Wolf sagt. Doch weitere sind bereits geplant. In Zukunft soll es auch Lesungen bei ihnen geben. (Amir Selim)

Das teuerste von einem Tier kreierte Gemälde

Seit 2015 war das teuerste tierische Gemälde von einem Schimpansen namens Congo. Dieser malte in den 50er- und 60er-Jahren. Ein Werk von ihm wurde für rund 16 000 Euro gekauft. Übertrumpft wurde der Schimpanse vergangenes Jahr von Pigcasso. Ein Gemälde des südafrikanischen Schweins wurde für einen Betrag zwischen 24 000 und 26 000 Euro verkauft. Es zeigt: „Tierkunst wird anders wahrgenommen“, sagt Daniel. R. Wolf. ams

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