Lebensretter

Puste darf nicht ausgehen: 320 Feuerwehrleute sind Atemschutzgeräteträger 

+
Konstantin Frey ist der Beauftragte für Atemschutzgeräteträger bei den Freiwilligen Feuerwehren in Hann. Münden.

320 Feuerwehrleute im Altkreis Münden dürfen bei einem Brandeinsatz ein Atemschutzgerät tragen. Nicht jeder besteht die schwierigen Prüfungen. 

Rund 320 der 1030 Feuerwehrleute im Altkreis Münden dürfen ein Atemschutzgerät (AGT) verwenden. In den elf Hann. Mündener Ortsfeuerwehren mit 400 Mitgliedern gibt es etwa 150 AGT-Träger „Atemschutzgeräteträger sind für Feuerwehren elementar wichtig“, sagt Lutz Hannemann, stellvertretender Stadtbrandmeister. Sie kommen zum Einsatz, wenn giftiger Rauch austritt – und das ist fast immer der Fall. „Sogar bei Pkw-Bränden auf offenem Feld“, sagt Konstantin Frey, Beauftragter für Atemschutzgeräteträger bei den Freiwilligen Feuerwehren Hann. Münden.

In den elf Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde Dransfeld gibt es aktuell 98 AGT-Träger. In Staufenberg sind es 74. Nicht jeder Brandschützer besteht die Ausbildung. Die Herausforderungen sind hoch. Zuerst wird die allgemeine Gesundheit der Anwärter getestet. 

Ausbilder thematisieren drohende Risiken bei einem Brandeinsatz

Ärzte prüfen unter anderem die Sehkraft, das Lungenvolumen und das Gehör. Zudem werden ein Belastungs-EKG und ein großes Blutbild erstellt. Die medizinische Untersuchung muss alle drei Jahre wiederholt werden. Bei über 50-Jährigen jedes Jahr.

Die Ausbildung zum AGT-Träger dauert mindestens 25 Stunden. Alle Anwärter im Landkreis Göttingen werden im Feuerwehrzentrum Potzwenden geschult. Im Theorieteil thematisieren die Ausbilder die drohenden Risiken bei einem Einsatz.

„Gerade Sturzgefahren bei schlechter Sicht sind ein Problem“, sagt Philipp Vogeley von der Feuerwehr Staufenberg. Im praktischen Teil gewöhnen sich die Lehrlinge an die Geräte. Denn das Tragen einer Maske kann laut Dieter Röthig ein sehr beklemmendes Gefühl sein. „Das Sichtfeld ist sehr eingeschränkt“, erklärt der Stadtbrandmeister. Zum Schluss müssen die Lehrlinge eine praktische Prüfung bestehen. „Die Durchfallquote ist hoch. Fast jeder Sechste besteht die Aufgaben nicht“, sagt Frey. 

Die praktische Prüfung besteht aus drei Abschnitten

„Wir besuchen zudem jährlich die Brandübungsanlage in Bad Gandersheim. Dort sollen sich die jungen AGT-Träger an die Wärme gewöhnen“, sagt Karsten Beuermann, Gemeindebrandmeister in Dransfeld. 

Die praktische Prüfung aller Atemschutzgeräteträger im Landkreis Göttingen findet an der Übungsanlage in Potzwenden statt. Der Test besteht aus drei Abschnitten. Im ersten Teil steht die reine Fitness auf dem Prüfstand. Die Feuerwehrleute müssen unter anderem für zwei Minuten an einem Handergometer drehen und 15 Meter an einer Endlos-Leiter hochklettern. 

Bei der Prüfung tragen die Brandschützer die volle Montur: Helm, Stiefel, Handschuhe, Schutzkleidung Atemschutzgerät und Maske. „Die Ausrüstung wiegt circa 25 Kilogramm“, sagt Konstantin Frey, Beauftragter für Atemschutzgeräteträger bei den Freiwilligen Feuerwehren in Hann. Münden. 

Prüflinge müssen als Team zusammenarbeiten

Im zweiten Teil müssen sich die Teilnehmer zu dritt oder zu viert durch ein Metallkäfig-Labyrinth manövrieren. Die besondere Herausforderung dabei: Der dunkle Raum ist komplett vernebelt. Der verrauchte Raum soll einen Wohnungsbrand simulieren. In dem zweiten Prüfungsabschnitt kommt es nicht nur auf die körperliche Fitness an. Koordinations-, Taktik- und Kommunikationsfähigkeiten sind gefragt. „Die Prüflinge müssen hier als Gruppe zusammenarbeiten. 

Das ist sehr wichtig“, sagt Lutz Hannemann, stellvertretender Stadtbrandmeister. Bei einem realen Einsatz betreten AGT-Träger ein brennendes Haus niemals alleine. „AGT-Träger haben eine hohe Verantwortung. Sie dürfen nicht leichtsinnig sein. Sie wissen nie, was sie drinnen erwartet“, sagt Stadtbrandmeister Dieter Röthig. Bei jedem Einsatz wartet ein Sicherheitstrupp vor dem Einsatzort. Sie kommen zum Einsatz, wenn sich AGT-Träger in Lebensgefahr befinden. 

Feuerwehrleuten darf die Puste nicht ausgehen

Der dritte Prüfungsteil ähnelt dem ersten. Kreisausbilder testen ausschließlich die Kondition und Kraft der Prüflinge. Die praktische Prüfung dauert im Schnitt 30 Minuten. Viel mehr Zeit haben die Feuerwehrleute nicht. Denn: Den AGT-Trägern darf die Puste nicht ausgehen – im wahrsten Sinn. Sie atmen während der Prüfung ausschließlich durch ein Atemschutzgerät mit 1600 Litern Luft. 

Wenn die Atemluft verbraucht ist, bevor die Aufgaben abgeschlossen sind, fallen die Prüflinge durch. Jeder muss sein Können bei der Prüfung jedes Jahr aufs Neue beweisen. Wer durchfällt, darf bei einem echten Einsatz kein Atemschutzgerät verwenden. Jeder AGT-Träger muss sich über das Jahr fithalten. Manche joggen, manche stärken ihre Ausdauer im Fitnessstudio. Es reicht nicht, nur einmal im Jahr bei der Prüfung fit zu sein. „Wir können jeden Tag zum Einsatz gerufen werden“, sagt Röthig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.