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Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ kommt nach Hann. Münden

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Von: Thomas Thiele

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In voller Fahrt: Das historische Foto zeigt den Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“ auf der Fahrt nach Hann. Münden in Höhe der Weserbrücke. 
In voller Fahrt: Das historische Foto zeigt den Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“ auf der Fahrt nach Hann. Münden in Höhe der Weserbrücke.  © Archiv Jan Kruse

Hann. Münden wird im Juli viele Freunde historischer Dampfer anlocken. Der 1899 bis 1900 gebaute Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ kommt.

Hann.Münden – Das hat es in Hann. Münden seit Jahren nicht mehr gegeben. Zwei Ausflugsschiffe, die vom Tanzwerder in Hann. Münden aus Fahrten anbieten und Seite an Seite am Anleger liegen. Der in den Jahren 1899 und 1900 in Dresden gebaute Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“ kehrt auf die Oberweser zurück, wo er bis 1970 fuhr.

Vom 16. bis 28. Juli wird das Schiff zwischen Hameln und Hann. Münden verkehren, dort, wo die frühere Oberweserdampfschifffahrt (OWD) jahrzehntelang einen Linienverkehr betrieb. Über zwei Wochen wird Hann. Münden damit praktisch zum zweiten Heimathafen des Dampfers, der sonst in Lauenburg an der Elbe vor Anker liegt. Das Schiff gehört dem Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums, der es auch mit einer ehrenamtlichen Besatzung betreibt.

Von Hann. Münden aus werde es aber nicht nur auf Fahrt gehen, sondern auch an zwei Tagen, am 19. Juli und 25. Juli, für Besichtigungen ganztägig vor Anker liegen, sagt Jan Kruse, der den Kapitän Markus Reich als zweiter Kapitän begleiten und als Lotse für die teilweise schwierige Oberweser unterstützen wird. Die Besatzung biete an diesen Tagen Führungen an und auch die Gastronomie habe geöffnet. Für den 23. Juli ist auf der Weser bei Hann. Münden von 20 Uhr bis 23 Uhr zudem eine Lampionfahrt geplant, für die es noch Restkarten gebe, so Kruse. An einem Tag werde der Dampfer in Hann. Münden auch Kohle bunkern und dafür an der Weserumschlag-stelle anlegen, dort wo zu Zeiten der Frachtschifffahrt auch früher die Schiffe be- und entladen wurden. Die Kohle wird per Lkw angeliefert. An welchem Tag, das sein wird, sei noch unklar, sagt Kruse.

In weißem Anstrich: der Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“ auf der Weser bei Vaake.
In weißem Anstrich: der Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“ auf der Weser bei Vaake. © Archiv Jan Kruse

Voller Vorfreude auf das Ereignis ist auch Mike Förster, Geschäftsführer der Weserstein Touristik, die mit der MS Weserstein zu der Zeit auch ihre Fahrten anbietet und sich mit dem Raddampfer den Anlegeplatz teilt. Er sehe den „Kaiser Wilhelm“ weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als Attraktion für Hann. Münden und arbeite mit der Crew des „Kaiser Wilhelm“ zusammen.

Es sei „großartig“ und „wunderbar“, dass er komme. „Das ist Schifffahrt der ganz alten Form, und es wird spannend sein, zu sehen, wie sie das Schiff manövrieren.“ Er kennt auch Jan Kruse. Kruse habe den Kapitän der Weserstein „eingefahren“ und auch schon am Steuer der Weserstein gestanden, als die noch Dornröschen hieß. Die Rückkehr des Raddampfers in die alte Heimat war eigentlich schon für 2020 geplant, 50 Jahre nach der letzten Linienfahrt. Wegen Corona hat der Verein die Tour auf dieses Jahr verschoben.

Die bis zu 270 Fahrgäste können nun Touren unternehmen, wie sie das Schiff bis 1970 angeboten hat. Wie berichtet, laufen die Buchungen bereits und für einige Fahrten gibt es bereits keine Tickets mehr.

„Kaiser Wilhelm“ in Hann. Münden: Auch im Sommer wird er am Tanzwerder liegen, zusammen mit der MS Weserstein. Rechts im Bild die Weserumschlagstelle.
„Kaiser Wilhelm“ in Hann. Münden: Auch im Sommer wird er am Tanzwerder liegen, zusammen mit der MS Weserstein. Rechts im Bild die Weserumschlagstelle. © Archiv Jan Kruse

Am 20. September 1970 hat der Dampfer das letzte Mal morgens am Weserstein in Hann. Münden abgelegt und erreichte am Abend nach der 135 Kilometer langen Talfahrt seinen Heimathafen Hameln. Wenige Tage später wurde er von der OWD außer Dienst gestellt und an das Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum mit dem Förderverein verkauft. Am 25. Oktober erreichte der „Kaiser Wilhelm“ nach einer Überführung über den Mittellandkanal bis Magdeburg durch die damalige DDR seinen neuen Heimathafen in Lauenburg an der Elbe. Seitdem wird der Seitenraddampfer als Museumsschiff von einer ehrenamtlichen Besatzung jeden Sommer auf der Elbe eingesetzt. Da der „Kaiser“ 1899 bis 1900 in Dresden erbaut wurde, unternahm er 2015 eine Reise an seinen Bauort. Während dieser Fahrt entstand der Gedanke, mit dem Dampfer noch einmal die Oberweser zu befahren. Nach jahrelanger Planung und coronabedingter Verschiebung wird er nun am 13. Juli in Lauenburg ablegen. Wie früher wird der fast original erhaltene Dampfer von einer 168 PS starken Dampfmaschine angetrieben, der Kessel mit Steinkohle befeuert. Das Schiff ist 57,20 Meter lang, die mittlere Geschwindigkeit liegt bei 14,5 Kilometern pro Stunde.

Die Buchungen für die Fahrten des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ laufen bereits, einige sind bereits ausgebucht.

Neben der Anfahrt von Lauenburg über Minden nach Hameln und der Rückfahrt sind folgende Fahrten geplant: 18. und 22. Juli: Höxter nach Hann. Münden, 20. und 27. Juli: Hann. Münden nach Hameln, 23. und 24. Juli: Hann. Münden - Gieselwerder - Hann. Münden (diese beide Touren sind bereits ausgebucht), 26. Juli: Hann. Münden - Bad Karlshafen - Hann. Münden. 21. Juli: Hameln - Höxter.

Für den 23. Juli ist noch eine Lampionfahrt bei Hann. Münden geplant, dafür gib es noch Restkarten. Der Fahrplan liegt in den Tourist-Infos entlang der Oberweser aus. Infos/Karten: raddampfer-kaiser-wilhelm.de, 0170/1900520, eventim. (Ekkehard Maass und Thomas Thiele)

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