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Raddampfer „Kaiser Wilhelm“: Die HNA begleitete die Jubiläumsfahrt

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Von: Hannah Köllen

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Alles im Blick hatten Kapitän Markus Reich (links) und Zweiter Kapitän und Lotse Jan Kruse.
Alles im Blick hatten Kapitän Markus Reich (links) und Zweiter Kapitän und Lotse Jan Kruse. © HANNAH KÖLLEN

Am Mittwoch verließ der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ein letztes Mal im Zuge seiner Jubiläumsfahrt den Anleger am Tanzwerder in Hann. Münden. Wir haben ihn bis Bad Karlshafen begleitet.

Hann. Münden – Viele Menschen hatten sich zur vorerst letzten Weser-Fahrt des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ am Anleger am Tanzwerder versammelt und verabschiedeten das Schiff mit den rund 170 Gästen und 20 Besatzungsmitgliedern an Bord.

Zum Abschied ertönte der altbekannte laute Pfeifton. Bei herrlichem Sonnenschein glitt das Schiff geschmeidig durchs Wasser. Auch beim rund achtminütigen Wendemanöver vor dem Anleger, bevor der „Kaiser“ – wie das Schiff von vielen Gästen liebevoll genannt wird – Fahrt flussabwärts in Richtung Hameln aufnahm, spürte man an Bord kein Ruckeln.

Der „Kaiser“ weckt Erinnerungen

„Ich bin schon als Kind bei einem Klassenausflug mit der Grundschule an Bord dieses Schiffes gewesen“, erzählt Heike Osenbrück. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann in Lauenburg, das seit nunmehr 52 Jahren auch die Heimat des „Kaisers“ ist. „Dieses Schiff ist ein fahrendes Museum“, sagt Ulrich Osenbrück. Für das Ehepaar geht die Fahrt am Mittwoch bis nach Hameln.

In Kindheitserinnerungen schwelgte das Ehepaar Heike und Ulrich Osenbrück.
In Kindheitserinnerungen schwelgte das Ehepaar Heike und Ulrich Osenbrück. © Köllen, Hannah

Auch Hildwig und Volker Grentz sind mit an Bord. Das Ehepaar aus Lemgo, das selbst ein eigenes Motorboot besitzt, ist bis nach Minden auf dem „Kaiser“ unterwegs. „Mein Stiefvater war Binnenschiffer. Ich bin schon seit meinem fünften Lebensjahr auf Raddampfern unterwegs. Wenn ich den Signalton höre, kommen viele Erinnerungen hoch“, sagt Volker Grentz.

Auf ein 100-jähriges Jubiläum hoffen Hildwig und Volker Grentz aus Lemgo.
Auf ein 100-jähriges Jubiläum hoffen Hildwig und Volker Grentz aus Lemgo. © Köllen, Hannah

Eine besondere Verbindung zum „Kaiser“ hegt auch Engelbert Kappen aus Frankfurt. Im Alter von 12 Jahren habe er Raddampfer als Hobby für sich entdeckt. Während seiner Studienzeit in Hamburg half er ehrenamtlich an Bord des „Kaiser Wilhelm“. „Ich habe am Standort in Lauenburg kleinere Arbeiten erledigt, zum Beispiel die Sitzbänke angestrichen“, erinnert er sich.

Dass der „Kaiser“ noch mit Kohle betrieben wird, ist für ihn etwas ganz Besonderes: „Die mit Kohle betriebenen Raddampfer fahren leiser als die mit Öl befeuerten. Das finde ich angenehmer“, sagt Kappen.

Fahrgäste aus der Schweiz angereist

Etwas ganz Besonderes muss der „Kaiser“ auch für Alain Vuistiner und Heinz Amstad sein. Ansonsten wären die beiden wohl kaum extra aus der Schweiz angereist, um an der Jubiläumsfahrt teilzunehmen.

„Vor allem in der Sommerzeit bin ich regelmäßig auf Raddampfern unterwegs. Ich bin einfach fasziniert von diesen Schiffen“, sagt Alain Vuistiner, der in Lausanne lebt. Der Schweizer Heinz Amstad ist bis nach Hannover auf dem „Kaiser“ unterwegs. „Ich kenne Schaufelradschiffe aus der Schweiz. Dort sind sie aber alle ölbetrieben“, sagt Amstad, der im Schweizer Kanton Zug lebt.

Heiß her geht es im Heizraum, wenn Heizer Volker Heilmann neue Kohle nachlegt.
Heiß her geht es im Heizraum, wenn Heizer Volker Heilmann neue Kohle nachlegt. © Köllen, Hannah

Fahrt auch für die Besatzung emotional

Auch Kapitän Markus Reich merkt, dass die Fahrt auf dem alten Dampfer bei vielen seiner Gäste Erinnerungen an frühere Zeiten hervorruft. „Auf einer unserer Fahrten hatten wir zwei 100-jährige Gäste an Bord. Beide hatten Tränen in den Augen“, sagt Reich. Doch auch für ihn und seine Crew sei die Jubiläumsfahrt sehr emotional. „Ich möchte mich von ganzem Herzen bei den Mündenern für den herzlichen Empfang bedanken“, sagt Reich.

„Es war beeindruckend und ein echter Gänsehautmoment, als sich bei unserer ersten Einfahrt nach Hann. Münden so viele Menschen am Anleger versammelt hatten, um uns zu begrüßen“, sagt Jan Kruse, Zweiter Kapitän und Lotse. Als der Dampfer in der vergangenen Woche das erste Mal nach 52 Jahren den Anleger in Hann. Münden erreichte, hatten sich mehrere Hundert Menschen am Tanzwerder eingefunden, um ihn willkommen zu heißen.

Fahrgäste aus der Schweiz: Alain Vuistiner (v.l.) und Heinz Amstad waren für die Jubiläumsfahrt angereist.
Fahrgäste aus der Schweiz: Alain Vuistiner (v.l.) und Heinz Amstad waren für die Jubiläumsfahrt angereist. © Köllen, Hannah

Auch den beiden Kapitänen wird die Jubiläumsfahrt in besonderer Erinnerung bleiben. „In Lauenburg sind wir regelmäßig alle 14 Tage mit dem Schiff unterwegs. Auf dieser Jubiläumsfahrt sind wir nun aber mehrere Tage am Stück an Bord. Da lernt man das Schiff noch einmal ganz anders kennen. Ich habe das Gefühl, der Kaiser ist zu neuem Leben erwacht“, sagt Kapitän Markus Reich.

Keine weitere Weser-Fahrt geplant

Eine weitere Fahrt mit dem „Kaiser“ auf der Weser sei zumindest für die nahe Zukunft nicht geplant. „Die lange Tour geht schon an die Belastungsgrenze der Besatzung. Außerdem hat die Planung der Jubiläumsfahrt, die coronabedingt um zwei Jahre verschoben werden musste, mehrere Jahre gedauert. Das macht man nicht einfach mal so“, sagt Reich. Bedenken, dass die Fahrt wegen Corona komplett ausfällt, habe er jedoch zu keinem Zeitpunkt gehabt. „Wenn ich etwas machen möchte, glaube ich fest daran, dass es auch klappt.“

„Kaiser Wilhelm“ in Zahlen:

1,13 Meter Wassertiefe hatte die Weser am Mittwoch am Anleger in Hann. Münden. Deshalb konnte das Schiff nicht so schnell fahren, wie geplant. An manchen Stellen waren nur zehn Stundenkilometer möglich.

2 mit Kohle betriebene Raddampfer gibt es deutschlandweit. Neben dem „Kaiser Wilhelm“ gibt es noch die „Diesbar“ der Sächsischen Dampfschifffahrt in Dresden. Alle anderen Raddampfer werden mit Öl befeuert.

12 Tonnen Kohle hatte der Raddampfer bei Fahrtantritt am Mittwoch an Bord. Alle 10 Minuten muss neue Kohle in den Heizkessel nachgelegt werden.

57 Meter lang ist der Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“. Dabei bringt er ein Gewicht von 190 Tonnen auf die Waage.

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