Architektur der Harmonie

Bonaforther bewahrt das Erbe von Architekt Hans Scharoun

Bonaforth. Rainer Köllner kümmert sich um das Werk des Architekten Hans Scharoun, der einst die Berliner Philharmonie plante. Der Bau eines wichtigen Kasseler Gebäudes scheiterte jedoch. 

Der Name Scharoun-Gesellschaft wirkt zunächst wie ein Mysterium. Dabei sind die Bauten des Architekten Hans Scharoun weltbekannt, wie beispielsweise die Gebäude der Berliner Philharmonie oder des Neubaus der Berliner Staatsbibliothek.

Als Vorsitzender der Scharoun-Gesellschaft kümmert sich Dr. Rainer Köllner um die Bewahrung des Werkes des berühmten Architekten. An der Technischen Universität Berlin wurde er nun für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. „Hans Scharoun hat das organische Bauen geprägt wie kein anderer, das fasziniert mich bis heute“, sagt der 69-jährige gebürtige Nordhesse, der in Bonaforth lebt und Lehraufträge an der TU Berlin wahrnimmt.

Aufgabe der deutschen Scharoun-Gesellschaft sei es, das Lebenswerk des Architekten zu bewahren und Forschungen zu dessen Nachlass zu fördern. Schließlich gebe es heute noch 350 bis 400 Gebäude, die Scharoun einst geplant hatte.

Geplant aber nie fertig gebaut: Das Staatstheater Kassel nach Hans Scharoun. 

Scharoun hatte auch den Wettbewerb zum Bau des Kasseler Staatstheaters nach dem Krieg gewonnen. Der Grundstein war bereits gelegt, die Bauarbeiten hatten begonnen, als plötzlich ein Baustopp verhängt wurde. Bauarbeiter waren auf alte Festungswälle gestoßen, hohe Kostensteigerungen drohten. Schließlich wurden die Pläne verworfen und die Stadt Kassel realisierte einen Entwurf von Paul Bode.

Dabei waren Scharouns Pläne visionär: „Die organische Architektur soll Mensch und Gebäude verbinden. Sie ist zu natürlichem Wachstum verpflichtet. In ihr sollen sich die Prinzipien der Natur widerspiegeln“, erklärt Dr. Rainer Köllner begeistert. Das zeige sich zum Beispiel anhand der geschwungenen Dachform der Berliner Philharmonie, die später von anderen Opernhäuser, wie der Hamburger Elbophilharmonie, übernommen worden sei. Scharouns Baustil habe zudem andere berühmte Architekten geprägt wie beispielsweise Zaha Hadid (Experimentierlandschaft Phaeno in Wolfsburg) oder Frei Otto (Olympiastadion München). „Scharouns Baustil ist einzigartig, weil er mehr Bewegungen ins Gebäude bringt. Das ist fürs Auge schön anzusehen und zeigt: Es muss nicht alles rechtwinklig sein“, erklärt Dr. Rainer Köllner.

Er habe jedoch auch die traditionelle Mündener Fachwerkarchitektur ins Herz geschlossen: „Mein Doktorvater war der aus Hann. Münden stammende Baugeschichtler Professor Hans Reuther“, erklärt der gebürtige Kasseler.

In den kommenden Jahren möchte Rainer Köllner in der Scharoun-Gesellschaft die universitäre Ausbildung fördern und einen Scharoun-Preis ausloben. „Wir sorgen dafür, dass der Name Scharoun in Erinnerung bleibt und wollen unseren Beitrag dazu leisten, das organische Bauen der Zukunft zu fördern“, erklärt der Architekt.

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