Roter Heinz und Onkel Gustav

Wochenmarkt Hann. Münden: Raphael Dörbaum züchtet alte Sorten

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Gut erkennbar am weißen Auto und den grünen Schildern: Raphael Dörbaum verkauft seit 2016 auf dem Mündener Wochenmarkt Ware aus eigener Herstellung. 

Wenn Raphael Dörbaum vom Roten Heinz oder Onkel Gustav spricht, dann meint er damit nicht etwa Freunde oder Verwandte. Er spricht von Tomaten, und zwar alten Tomatensorten, die er auf seinem Hof in Gieselwerder selbst anbaut und seit 2016 zwei Mal wöchentlich auf dem Markt in Hann. Münden anbietet.

Dörbaums Stand ist gut an dem kleinen weißen Auto und den grünen Tafeln zu erkennen, die zur linken Seite des alten Rathauses stehen. Er bietet regionales und saisonales Gemüse an, das er noch am Morgen vom Feld geholt hat.

„Es ist heute eine Seltenheit geworden, dass Betriebe nur das verkaufen, was sie selbst erzeugen, das lohnt sich auf eine Tafel zu schreiben“, sagt der Gärtner, der auf dem Markt alle fröhlich grüßt. Da er nichts dazu kaufe, sei sein Angebot jahreszeitenbedingt kleiner oder größer. Wenn im Winter weniger wächst, bietet er Eingemachtes, Soßen, Kohl, und eingekellertes Gemüse an.

Seinen ein Hektar großen Betrieb in Gieselwerder bewirtschaftet der 37-Jährige alleine. Der Alleinunternehmer düngt, spritzt und wässert seine Pflanzen nicht. Auch das Saatgut stellt er selbst her. „Es ist mir wichtig, ökologisch anzubauen. Frisches Gemüse, viele alte Sorten, lecker und gesund.“ Diese Überzeugung eines natürlichen Kreislaufs findet sich auch im Namen seines Betriebes wieder: Gärtnerei Gemüsezirkel. 

Alte Sorten trotzen der Trockenheit

Auf dem Wochenmarkt bietet Dörbaum neben Obst, Gemüse und Wurst auch Pflanzen an, die Hobbygärtner in ihrem eigenen Garten anbauen können. Wer sich mit dem Gärtner über seine alten Sorten unterhält, spürt sofort, mit wie viel Leidenschaft er seinen Beruf ausübt. Er kennt die Eigenschaften jeder Pflanze und Frucht und kann sie den Kunden je nach ihren Bedürfnissen empfehlen. So haben die Safaris beispielsweise eine dunkelgrüne Marmorierung und sind sehr bissfest, während die rot-goldenen Old-German sich gut schneiden lassen und daher als Brotbelag eignen.

Diese alten Sorten kommen laut Dörbaum auch gut mit der zunehmenden Trockenheit aus. Denn im Vergleich zu den neueren Zuchten haben sie keine feinen Wurzeln, die für den Topf geeignet sind. Stattdessen bilden sie eine lange Pfahlwurzel aus, die tief in den Boden reicht und die Pflanze so mit Wasser aus der Tiefe versorgt. 

So tragen seine Gurken und Tomaten selbst im heißesten Sommer Früchte, ohne dass er sie bewässern muss. „Meine Pflanzen versorgen sich selbst.“ Außerdem pflanzt er sein Gemüse in Mischkultur an, das heißt Kartoffeln wachsen neben Kohl, Möhren und Zwiebeln, sodass sie sich gegenseitig Schädlinge vom Leib halten, erklärt er.

Raus aus dem Büro, ab aufs Feld

Ursprünglich hat Dörbaum Landschaftsarchitektur studiert. Doch er habe schnell erkannt, dass die Arbeit am Computer nichts für ihn ist, denn er habe selbst in der Natur arbeiten wollen. Nun arbeite er jeden Tag von Sonnenauf- bis -Sonnenuntergang. In Zukunft möchte er seinen Betrieb um Hühner erweitern und Praktikanten ermöglichen, Erfahrungen auf dem Feld zu sammeln.

„Ich finde es schön, ein Teil des Markts zu sein“, sagt Dörbaum.

Kontakt:Gärtnerei Gemüsezirkel, Meierhofstraße 8a, Gieselwerder, Hofverkauf montags bis freitags 16 bis 18 Uhr, Raphael Dörbaum, Tel. 0  15  75/5  81  24  06

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