64-Jähriger war 40 Stundenkilometer zu schnell

Auf der A7 ohne Führerschein geblitzt: Wiederholungstäter steht vor Gericht

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Die Radaranlage auf der A 7 in Höhe der Werratalbrücke: Obwohl weithin sichtbar, werden dort jedes Jahr tausende Autofahrer geblitzt. 

Hann. Münden. Ein 64-Jähriger ist am Laubacher Berg mit 140 Stundenkilometern erwischt worden, erlaubt sind 100. Einen gültigen Führerschein hatte der Mann auch nicht.

Eigentlich ist zu erwarten, dass Menschen, die ohne Führerschein mit dem Auto unterwegs sind, besonders vorsichtig und unauffällig fahren. Dr. Wilfried Kraft, Direktor des Amtsgerichts Hann. Münden, macht ganz andere Erfahrungen.

Auf seinem Tisch landen regelmäßig Fälle, in denen Autofahrer wegen zu schnellen Fahrens auf der Autobahn 7 von der Radaranlage in Höhe der Werratalbrücke geblitzt wurden und ohne Führerschein unterwegs waren. „Pro Monat sind das fünf bis sechs Verfahren“, sagt Kraft.

Jetzt musste sich ein 64-jähriger Mann aus Hamburg in Hann. Münden verantworten, der sogar schon einmal wegen Fahrens ohne gültigen Führerschein verurteilt worden war. Er hat zwar 2008 in Algerien eine Fahrerlaubnis erworben, als er dort arbeitete, in Deutschland hat das Papier jedoch keine Gültigkeit.

Gerichtsbekannter Mann

Aber der Mann ist nicht nur wegen Fahrens ohne Führerschein gerichtsbekannt. Unter anderem musste er sich in Göttingen, Goslar und Hildesheim auch wegen Diebstahls verantworten und saß deswegen mehrere Haftstrafen ab.

Geblitzt wurde er am Laubacher Berg, weil er dort im Januar mit 140 statt der erlaubten 100 Stundenkilometer un terwegs war.

Eigentlich hätte er gar nicht persönlich vor dem Mündener Gericht erscheinen müssen, er hätte nur den erlassenen Strafbefehl annehmen müssen. Der Strafbefehl des Amtsgerichts sah eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro vor, also insgesamt 2000 Euro, und eine einjährige Sperrfrist für den Führerschein. Das wollte 64-Jährige aber nicht akzeptieren. Er erhob dagegen Einspruch und präsentierte die Geschichte. Er sei zu schnell unterwegs gewesen, weil er seine Freundin zu einer Untersuchung habe fahren müssen.

Attest nicht akzeptiert

Als sein Einspruch jetzt vor dem Amtsgericht in Münden verhandelt werden sollte, zog der Hamburger es aber vor, lieber zu Hause zu bleiben und reichte ein ärztliches Attest ein. Das bescheinigte ihm, dass er wegen akuter Rückenschmerzen - er hatte vor einem Jahr eine Bandscheiben-Operation gehabt - keine längeren Strecken mit dem Auto fahren könne. Das war für Richter Kraft nicht akzeptabel. Es gibt ja auch noch die Bahn. Und außerdem: Selbst fahren hätte er ja sowieso nicht dürfen - ohne Führerschein.

Und nach einem Anruf des Richters in der Arzt-Praxis war klar: Bahnfahren hätte der Mann können, trotz seiner angegebenen Rückenbeschwerden. Er hatte aber dem Arzt erzählt, dass er mit dem Wagen zu einem Termin nach Hann. Münden hätte fahren müssen.

Den Einspruch wies das Amtsgericht deshalb zurück und es bleibt dabei: 2000 Euro Geldstrafe und innerhalb der einjährigen Sperrfrist, darf ihm keine Behörde einen Führerschein ausstellen.

Allerdings kann der Mann noch Berufung einlegen. Dafür muss er aber nachweisen, dass er doch gültig entschuldigt bei der Hauptverhandlung fehlte.

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