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Arbeitsmarkt für Juni: Mehr Arbeitslose und viele Ausbildungsstellen offen

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Von: Jens Döll

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Handwerker, wie hier Dachdecker, sind auf dem Arbeitsmarkt gesucht.
Handwerker, wie hier Dachdecker, sind auf dem Arbeitsmarkt gesucht. (Symbolbild) © Thomas Thiele

Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Raum Göttingen leicht an. Der Grund: Viele Geflüchtete. Die Prognose ist aber positiv. Erschreckend: 50 Prozent der Ausbildungsstellen sich frei.

Landkreis Göttingen – Viele Ausbildungsplätze in den Landkreisen Göttingen und Northeim sind unbesetzt. Das besagt der monatliche Bericht der Arbeitsmarktzahlen, den die Agentur für Arbeit in Göttingen bereitstellt. 50 Prozent der seit Oktober 2021 ausgeschrieben Ausbildungsstellen seien noch nicht abschließend besetzt, heißt es von Klaudia Silbermann, Chefin der Agentur für Arbeit in Göttingen.

50 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt

„Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt, denn seit dem Ausbildungsjahr 2016 gibt es in unserer Region mehr gemeldete Lehrstellenangebote als Bewerberinnen und Bewerber“, so Silbermann. In Zahlen heißt das, dass für 2820 gemeldete Ausbildungsstellen für 1434 der Besetzungsprozess noch nicht abgeschlossen sei. Angebot und Nachfrage in diesen Bereichen verteilen sich aber nicht auf alle Berufssparten. So gebe es bei manchen Berufen ein hohes Interesse, bei anderen aber nicht. Zudem sei nicht jeder Ausbildungsplatz in einem Flächenlandkreis wie Göttingen problemlos zu erreichen.

Beratung für Ausbildungsinteressierte

Die Agentur für Arbeit berät Menschen, die jetzt noch für August und September auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. „Ausbildungsinteressierte, die sich vielleicht zunächst auf den Schulabschluss fokussiert haben und noch nicht so intensiv in die Lehrstellensuche eingestiegen sind, haben noch gute Perspektiven“, heißt es von der Agentur. Beratung gibt es telefonisch unter 05 51 / 52 08 00 oder per E-Mail an goettingen.berufsberatung@arbeitsagentur.de

Gleichzeitig steigt seit Langem die Zahl der Arbeitslosen wieder an. Dieser Anstieg sei nicht typisch für diesen Zeitraum im Jahr, aber trotzdem erwartet. Im Agenturbezirk Göttingen gab es im Juni 676 Arbeitslose mehr als im Mai, das entspricht einem Anstieg um 5,7 Prozent. „Die aktuelle Entwicklung kommt nicht überraschend. Denn der Gesetzgeber hat die Zuständigkeit für die aus der Ukraine geflüchteten Menschen weitestgehend an die Jobcenter übertragen, sodass die Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung für Arbeitsuchende in der Folge angestiegen ist“, erklärt Silbermann die Entwicklung.

Auch im Geschäftsstellenbezirk Hann. Münden, der den Altkreis mit Münden, der Gemeinde Staufenberg und der Samtgemeinde Dransfeld umfasst, stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juni. 972 Menschen hatten keine Arbeit, das macht ein Plus von 30. Allerdings, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, waren 108 weniger arbeitslos. Die Arbeitslosenquote im Altkreis betrug im Vormonat 4,4 Prozent, im Juni 2021 waren es noch 4,8 Prozent.

Landkreis Göttingen: mehr Arbeitslose als im Mai 2022

Die Zahl der Arbeitslosen im Geschäftsstellenbezirk Göttingen der Agentur für Arbeit stieg im Juni leicht an. Das gilt auch für den Altkreis Münden mit Hann. Münden, Staufenberg und der Samtgemeinde Dransfeld.

Der Arbeitsmarkt in Zahlen

Deutschland: Juni 2022: 2,363 Millionen Arbeitslose, plus 103 000 gegenüber Mai 2022. Quoten: 5,2 Prozent gegenüber 4,9 Prozent im Mai 2022 und gegenüber 5,7 Prozent im Juni 2021.

Niedersachsen: Juni 2022: 223 444 Arbeitslose, plus 10 088 gegenüber Mai 2022. Quoten: 5,1 Prozent gegenüber 4,9 Prozent im Mai 2022 und gegenüber 5,5 Prozent im Juni 2021.

Hessen: Juni 2022: 158 975 Arbeitslose, plus 6325 gegenüber Mai 2022. Quoten: 4,6 Prozent gegenüber 4,4 Prozent im Mai 2022 und gegenüber 5,1 Prozent im Juni 2021.

Hintergrund sei, so die Agentur für Arbeit in ihrem monatlichen Bericht, dass viele Geflüchtete aus der Ukraine sich nun in der Obhut der Agentur für Arbeit und den regionalen Jobcentern befinden. Allerdings, so Silbermann, sei die Prognose für viele der Menschen positiv: „Perspektivisch sind die Chancen, einen Arbeitsplatz in der Region zu finden, gut. Denn trotz Veränderungen des Arbeitsmarktes im Kontext Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung werden Arbeitskräfte in nahezu allen Branchen dringend benötigt. Wenn es darum geht, notwendige Qualifikationen zu vermitteln, bieten Jobcenter und Agentur für Arbeit vielfältige Unterstützung an.“

Raum Hann. Münden: 80,5 Prozent Frauenanteil bei Geflüchteten aus Ukraine

Im Juni waren 688 Ukrainerinnen und Ukrainer im Agenturbezirk Göttingen arbeitslos gemeldet, die in ganz überwiegender Zahl (680) von den Jobcentern der Region betreut werden, so Silbermann weiter.

Der Frauenanteil in der Gruppe der ukrainischen Arbeitslosen beträgt 80,5 Prozent. Vor Jahresfrist waren in der Region lediglich 27 Ukrainerinnen und Ukrainer gemeldet. Im Landkreis Göttingen lag die Zahl im Juni bei 282. Hier waren im Vorjahresmonat lediglich 20 Arbeitslose mit ukrainischer Nationalität gemeldet.

Zahlen im Vergleich zu Juni 2021 niedriger

Die steigende Arbeitslosigkeit wirkt sich auch auf die Kennzahlen der Landkreis aus. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Göttingen betrug im Juni 5,1 Prozent. Es waren 8751 Menschen ohne Arbeit. Im Landkreis Northeim gab es eine Quote von 5,3 Prozent. In Zahlen heißt es: Es waren 3708 Personen ohne Arbeit. In beiden Landkreisen ist somit ein Anstieg im Vergleich zu Mai zu verzeichnen. Im Landkreis Göttingen stieg die Zahl der Arbeitslosen um 333 Menschen (4 Prozent). Im Landkreis Northeim betrug der Anstieg 343 (10,3 Prozent). Allerdings, so geht aus dem monatlichen Bericht hervor, sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat weiterhin niedrig. Im Juni 2021 betrug die Quote im Landkreis Göttingen 5,8 Prozent, im Landkreis Northeim lag sie bei 5,4 Prozent. (Jens Döll)

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