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Krieg in der Ukraine wirkt sich auf Landwirte im Raum Hann. Münden aus

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Von: Michael Caspar

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Landwirt Claus Baumgärtel auf seinem Feld bei Gimte.
Landwirt Claus Baumgärtel auf seinem Feld bei Gimte. © Michael Caspar

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf die heimischen Landwirte aus. Dünger wird immer knapper und teurer. Der Weizenpreis steigt, Bauern in der Region Hann. Münden profitieren davon aber nicht.

Hann. Münden – Der Krieg in der Ukraine, die neben Russland als Kornkammer Europas gilt, lässt die Getreidepreise explodieren. Die deutschen Bauern profitieren davon kaum, betont der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks Göttingen, Claus Baumgärtel.

Weizenpreis steigt stark an

„Gut 400 Euro kostet die Tonne Weizen derzeit, vor einem Jahr waren es keine 200 Euro“, berichtet der Hilwartshäuser Bauer. Die meisten seiner Kollegen hätten ihren Weizen jedoch schon lange vermarktet. Üblich sei es, einen Teil des Getreides bereits Monate vor der Ernte an der Börse zu verkaufen, um sich gegen das Risiko fallender Preise zu schützen. „In den vergangenen Jahren lag der Weizenpreis bei 180 Euro die Tonne – plus/minus 20 Euro“, ergänzt Landvolk-Geschäftsführer, Achim Hübner.

„Der Preisanstieg in den vergangenen Monaten hatte zunächst vor allem mit Kostensteigerungen beim Stickstoff-Dünger und beim Diesel zu tun“, sagt Landwirt Baumgärtel. Der Diesel sei heute 80 Prozent teurer als vor einem Jahr. Beim Mineraldünger, der aus Erdgas hergestellt werde, habe sich der Preis verdoppelt. Einige Hersteller hätten ihre Produktion deshalb gestoppt. „Derzeit können Bauern froh sein, wenn sie überhaupt Dünger erhalten“, so Hübner. Vielfach müssten sie sich beim Landhandel in eine Warteliste eintragen. Über den Preis werde gar nicht mehr gesprochen.

„Mit dem Krieg in der Ukraine spitzt sich die Lage nun noch einmal zu“

„Mit dem Krieg in der Ukraine spitzt sich die Lage nun noch einmal zu“, sagt Bauer Baumgärtel. Das osteuropäische Land produziert auf seinen fruchtbaren Schwarzerdeböden neben Getreide auch Mais und Ölfrüchte wie Sonnenblumenkerne. „Doch mit Wladimir Putins Angriff wurden fast alle Landarbeiter eingezogen“, weiß Landvolk-Geschäftsführer Hübner. Die Armee hat Diesel beschlagnahmt. Landwirtschaftliche Maschinen werden bei Kriegshandlungen zerstört, Felder vermint.

„Schlimm ist die Situation bei Betrieben, die Tiere halten“, berichtet Hübner. Aufgrund von Stromausfällen könnten die Kühe nicht mehr gemolken werden. In den Schweineställen falle die Lüftung aus. Das habe „verheerende Auswirkungen“ auf das Tierwohl. Selbst wenn der Krieg heute ende, werde es wohl Jahre dauern, bis die Produktion wieder das Vorkriegsniveau erreiche.

Auswirkungen auf die Länder Afrikas

„Die Ukraine mit ihren 40 Millionen Einwohnern verwandelt sich derzeit von einem Exporteur zu einem Importeur von Lebensmitteln“, gibt Hübner zu bedenken. Das verknappt das Angebot auf dem Weltmarkt zusätzlich. Zu spüren bekommt das zum Beispiel die ärmere Bevölkerung Nordafrikas. Das destabilisiert die politischen Systeme dort.

„Kurzfristig werden die Landwirte in Deutschland nicht reagieren können“, betont Baumgärtel. In Südniedersachsen seien die meisten Äcker bereits im Herbst mit Wintergetreide, Mais und Zuckerrüben bestellt worden. Aufgrund der vielen Unsicherheiten sei es derzeit besonders schwer, Entscheidungen zu fällen. Der grüne Landwirtschaftsminister solle seine Vorgabe überdenken, wonach vom kommenden Jahr an Landwirte immer vier Prozent ihrer Ackerflächen brach liegen lassen müssten. (Michael Caspar)

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