Giftpflanze

Raum Hann. Münden: Landesforsten gingen im Frühjahr gegen Riesen-Bärenklau vor

Niemetal Bursfelde Aaron Beck Jan-David Beck und Martin Nitsche Riesenbärklau
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Niemetal: Aaron Beck, Jan-David Beck und Martin Nitsche gehen gegen Riesen-Bärenklau vor

Der Riesen-Bärenklau kann schädlich für Mensch und Natur sein. Gerade im Sommer stellt die Pflanze eine Gefahr dar. Wir haben im Frühjahr einen Förster begleitet, der im Raum Hann. Münden gegen die Pflanze vorgeht.

Bursfelde/Niemetal – Der Fluss Nieme schlängelt sich idyllisch durch die Natur in Richtung Weser. Vorbei am Kloster Bursfelde. Doch eine Pflanze, ein Schädling, stört dieses Idyll: der Riesen-Bärenklau, genannt auch Herkulesstaude.

Hann. Münden: Riesen-Bärenklau im Frühjahr bekämpft

Sein Gift kann die Haut reizen und verbrennungsähnliche Symptome hervorrufen. Besonders im Frühling, wenn es wärmer wird, droht Gefahr, da das Gift auf Sonnenlicht reagiert und die Pflanze auch zu wachsen beginnt.

Um diese Gefahr zu bannen, haben die Niedersächsischen Landesforsten ein Projekt gestartet. Ziel ist es, so heißt es vom Niedersächsischen Forstamt Hann. Münden, möglichst viele Pflanzen vor der Blüte auszuheben und eine weitere Ausbreitung des für Menschen gefährlichen Riesen-Bärenklaus zu verhindern. Vor Ort ist Förster Martin Nitsche, der für Waldökologie und Naturschutzdienstleitungen im Bereich Hann. Münden bis Northeim zuständig ist.

„Das Niemetal wird von vielen Ausflüglern besucht, Bursfelde ist in der Nähe, viele Kinder spielen am Fluss“, sagt der Förster.

Vor allem für Kinder gefährlich

Der Riesen-Bärenklau habe sich stark ausgebreitet und durch sein Gift ist er für Menschen, vor allem für Kinder, gefährlich. Zudem verdrängt er die heimische Vegetation. „Die Pflanze wächst sehr hoch und breitet sich weit aus, so überschattet sie andere Pflanzen“, so Nitsche weiter. Die Beseitigung des Neophyten – eine Pflanze, die nicht heimisch ist -– ist harte Handarbeit. Kein Giftstoff wird eingesetzt, keine spezielle Maschine. An den Ufern der Nieme sind die beiden Forstarbeiter und Brüder Jan-David und Aaron Beck damit beschäftigt, die Pflanzen auszugraben. Sie arbeiten bei der Forstfirma Brähmer in Glashütte, die beiden Männer kommen aus Gieselwerder. „Die Arbeit ist eine gefährliche Sache“, sagt Aaron Beck. Er trägt Schutzbrille, Handschuhe und und Gummistiefel. Seine restlichen Klamotten wäscht er nach jedem Einsatz mit klarem Wasser ab, genau so wie die Stiefel und Werkzeug. Der Riesen-Bärenklau wächst vor allem im Halbschatten und in der Nähe zu Flüssen.

Doch wie wird der Schädling nun entfernt? „Wir graben ihn aus“, sagt Jan-David Beck und zeigt seinen langen, schmalen Spaten. Das sind Drainage-Spaten, die normalerweise ein langes Blatt haben, berichten die Forstarbeiten. Sie haben die Blätter gekürzt und sie dann angeschliffen, um ein geeignetes Werkzeug zu erhalten. Das sei alles „Learning by doing“ – Lernen während der Tätigkeit. Mit diesen speziellen Spaten graben die Beiden den Riesen-Bärenklau aus. Wichtig dabei sei, dass die mohrrübenartige Knolle unter der Erde mit ausgegraben werde. Diese können bis zu Fußball-groß werden. Dabei achten sie darauf, etwa zehn bis 15 Zentimeter tief zu graben. Besonders am Bachlauf sei dies „Knochenarbeit“, da oft Steine die Pflanzenknollen verdecken.

Pflanzen müssen mühsam „ausgestochen“ werden

Die „ausgestochenen“ Pflanzen werden dann mit der Wurzel nach oben gelegt, eingesammelt und fachgerecht entsorgt. „Wir arbeiten uns von dem Ursprung der Nieme bis hin zur Mündung in die Weser vor. Insgesamt ist das Projekt auf fünf bis sieben Jahre angesetzt“, sagt Förster Nitsche. Die Ausbreitung der Pflanze sei jahrelang vernachlässigt worden. Er, der selbst seit drei Jahren in diesem Gebiet aktiv ist, geht davon aus, dass die Ausbreitung seit etwa zehn Jahren voranschreitet. „Als wir jung waren, gab es diese Pflanze hier noch nicht so oft“, sagt Jan-David Beck und macht sich ans Ausstechen des Riesen-Bärenklaus.

Jan-David Beck gräbt den Riesen-Bärenklau aus.

Wichtig sei es, dass sie die zweijährigen Pflanzen beseitigen, bevor diese ihren Samen ausbringen. Dieser verteilt sich durch Wind, durch das Wasser und auch an Tieren wie Wildschweinen. „Die Pflanze ist sehr samenreich“, fügt Nitsche hinzu.

Bis Ende dieser Woche gehen die Arbeiten weiter, sie seien zuversichtlich, dass sie bis dahin zur Weser vorstoßen. Danach gibt es noch Nachkontrollen. Nächstes Jahr geht der Kampf gegen das Gewächs weiter.

Riesen-Bärenklau: Hautreizungen und Atemprobleme

Der Riesen-Bärenklau, auch genannt Herkulesstaude, -kraut oder unter dem lateinischen Namen Heracleum mantegazzianum bekannt, ist eine Pflanze, die eigentlich aus dem Kaukasus stammt. In unsere Breiten kam sie um 1900 als Zierpflanze in botanischen und in privaten Gärten. Zudem wurde sie, laut Förster Martin Nitsche, eingesetzt, um das Erdreich an Bachläufen abzustützen, da ihr Wurzelwerk stark austreibt.

Der Riesen-Bärenklau wird in Deutschland an immer mehr Orten registriert. In der Nähe von Flüssen und Bächen fühlt sich die Giftpflanze besonders wohl. (Symbolbild)

Allerdings besitzt die Pflanze, die innerhalb weniger Wochen bis zu drei Metern hochwachsen kann, eine giftige Wirkung. Sie enthält Furocumarine, die nach Hautkontakt bei anschließender Bestrahlung durch Sonnenlicht, also um mehrere Stunden oder Tage verzögert, phototoxische Reaktionen hervorrufen.
Es können sich Blasen bilden, wie bei einer Verbrennung. Zudem kann die Sonneneinstrahlung im Hochsommer dazu führen, dass die Giftstoffe an die Umgebungsluft abgegeben werden und so Atemnot hervorrufen.
Wichtig sei, so Förster Nitsche und die beiden Forstarbeiter Aaron und Jan-David Beck, dass nach dem Kontakt mit dem Riesen-Bärenklau die Kleidung und auch die Werkzeuge gründlich gereinigt werden. Spaten, Sense oder Ähnliches sollten mit Spiritus gereinigt werden, das verwendete Papier oder der Lappen sollte entsorgt werden.

Gummihandschuhe nur einmal verwenden

Wer den Riesen-Bärenklau bekämpft, sollte einen Schutzanzug tragen, denn Berührungen der Pflanze sind gefährlich. (Symbolbild)

Gummihandschuhe nur einmal verwenden, durch Einweghandschuhe kann das Gift hindurchdringen. Auch Schuhe sollen nach Kontakt gereinigt werden. Ein Problem bei der Verbreitung des Riesen-Bärenklaus stellt seine große Samenlast dar.
Eine Pflanze kann etwa 30 000 bis 50 000 Samen abgeben, diese verbreiten sich durch den Wind, im Wasser oder durch Tiere und Menschen. Zudem erweist sich das Wurzelwerk als äußert zäh. Ausgegrabene Pflanzen können wieder wurzeln.
Förster Martin Nitsche rät, falls man die Pflanze im eigenen Garten finden sollte, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zu informieren. Diese gibt Tipps, wie man sie am besten beseitigen kann, ohne sich dabei selbst einer Gefahr auszusetzen.
Zudem rät er Spaziergängern und Ausflüglern, an Flussläufen im Raum Hann. Münden und Dransfeld vorsichtig zu sein. Besonders für spielende Kinder stelle der Riesen-Bärenklau eine Gefahr dar. (Jens Döll)

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