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Reaktionen aus Göttingen und Hann. Münden: CDU und SPD trauern, FDP jubelt

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Von: Thomas Kopietz, Clemens Herwig, Axel Welch, Bernd Schlegel

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Schlechte Stimmung bei den Sozialdemokraten: Christoph Lehmann, Chef der Göttinger SPD, und Landtagskandidatin Dr. Gabriele Andretta. © Schlegel

Landkreis Göttingen. Ernste Gesichter bei den großen Parteien, Zufriedenheit bei FDP und Grünen. Am Wahlabend gab es trotzdem eine Gemeinsamkeit: Das Entsetzen über den AfD-Erfolg.

Diagramm

CDU
Regungslos nehmen die CDU-Mitglieder und –Wahlkämpfer um den Bundestagskandidaten Fritz Güntzler die ARD-Prognose um 18 Uhr hin. Betroffenheit macht sich schnell breit im Parteihaus an der Reinhäuser Landstraße, ob des eigenen dürftigen Ergebnisses und des Einzugs mit einem zweistelligen Ergebnis der AfD in den künftigen Bundestag.

„Ein solches Ergebnis ist schlimm“, sagt Güntzler. Im Bundestag werden dann 80 oder 90 AfD-Abgeordnete sitzen, und diese bringen dann noch jeder fünf bis sechs Mitarbeiter mit, das ist eine Umwälzung auch des Gefüges dort.

Das stattliche Büffett jedenfalls schmeckt den meisten Besuchern der CDU-Wahlparty an diesem Wahlabend nicht so recht. Landtagskandidat Harm Adam (Bovenden) jedenfalls zieht aus dem Ergebnis - auch der AfD - noch mehr Motivation "für demokratische Parteien, die CDU im Speziellen und seine Kandidatur noch intensiver zu werben".

Göttingen: Bundestagswahl 2017: CDU im Parteihaus Kreisgeschäftsstelle: Fritz Güntzler und Harald Noack nehmen mit versteinerte Miene die erste Prognose um 18 Uhr hin. Foto: Kopietz
Lange Gesichter bei der CDU: Fritz Güntzler (links) und Harald Noack erfuhren am CDU-Haus in Göttingen von den Ergebnissen. © Kopietz

SPD
Bei den Sozialdemokraten gab es gleich nach der Bekanntgabe der Prognose lange Gesichter bei der Wahlparty im Monro´s Park. Für Christoph Lehmann, Chef der SPD in der Uni-Stadt, ist das Ergebnis eine Chance für einen Neuanfang. Landtagsabgeordnete und Kandidatin Dr. Gabriele Andretta brachte die schlechte Stimmung bei den Sozialdemokraten auf den Punkt: „Das ist ein bitterer Tag für die Sozialdemokratie.“

Und im gleichen Atemzug blickte die Landespolitikerin schon auf die Landtagswahl am 15. Oktober. „Bei uns steht Ministerpräsident Stephan Weil zur Wahl“, dem sie eine „hervorragende Arbeit“ bescheinigt.

So haben die fünf Wahlbereiche in Göttingen abgestimmt:

Grüne
Ein lang gezogenes „Oooh“ ging durch das Café Inti, als das Ergebnis der Grünen auf dem Bildschirm auftauchte. Das zufriedene Grinsen der etwa 40 Unterstützer der Partei hielt allerdings nicht sehr lang. Mit Stöhnen wurde das Ergebnis der AfD quittiert.

„Ich versuche gerade, das zu verdauen“, sagte Landtagskandidatin Marie Kollenrott wenig später. „Wir liegen über den Prognosen, das ist erfreulich. Das Ergebnis der AfD und der beiden großen Parteien ist aber erschreckend.“

Nach dem ersten Schock kehrte allerdings wohlige Zufriedenheit ein. „Wir gehen mit diesem Ergebnis ab morgen in den Landtagswahlkampf“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel. Doch auch er kam am Wahlabend nicht um die AfD herum: „Der Einzug einer in weiten Teilen rassistischen Partei wird hoffentlich dazu führen, dass in Niedersachsen noch mehr Demokraten den Weg in die Wahlkabine finden.“

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Freude über das Wahlergebnis: Landtagskandidatin Marie Kollenrott (zweite von links) und Umweltminister Stefan Wenzel hatten stets einen Blick auf den aktuellen Stand der Auszählung. © Herwig

Die Linke
Die Cocktails standen bereits auf den Tischen. Angezapft war auch schon. Im Kadenz machten sich Linke, Piraten und Partei zur gemeinsamen Wahlparty bereit. Dann, mit der ersten Prognose um 18 Uhr, kam das Entsetzen. 

„Das Ergebnis ist eine Katastrophe, ich sehe das als Gefahr für die Demokratie“, sagte Dr. Christian Prachar, Direktkandidat für Die Partei. Mehr als 13 Prozent für die AfD fand selbst der Vertreter einer Satire-Partei offenbar nicht mehr lustig. Dementsprechend gedämpft fiel die Partystimmung im Kadenz aus.

„Viele haben eben am Waageplatz gegen den Einzug der AfD protestiert“, sagt Konrad Kelm von der Linken. „Und viele haben ihren Weg danach nicht mehr hierher gefunden.“ Im Wahlkreis ist er mit seiner Partei zufrieden – im Bund hatte sich die Linke allerdings ein zweistelliges Ergebnis als Ziel gesetzt.

„Es ist schwierig, an den 13 Prozent der AfD etwas Gutes zu finden“, sagte Dana Rotter (Piratenpartei) kurz nach den ersten Prognosen. Im besten Fall würden deren Provokationen dazu führen, dass die anderen Parteien eine geschlossene Front bilden. „Die Partystimmung kommt schon noch“, versuchte es Rotter optimistisch. Sie irrte sich.

Göttingen, Wahlabend, KadenzTrotz des AfD-Erfolgs: So ganz verging Die Partei-Kandidat Dr. Christian Prachar das Lächeln nicht.
Trotz des AfD-Erfolgs: So ganz verging Die Partei-Kandidat Dr. Christian Prachar das Lächeln am Wahlabend nicht. © Herwig

FDP
Unser Ergebnis ist gut“, sagt Dr. Hiltrud Sürmann, Vorsitzende des neuen FDP-Kreisverbandes Göttingen-Osterode. Zum Abschneiden der AfD kommentierte sie: „Die Enttäuschten haben AfD gewählt“. Sürmann hofft, dass das Zweitstimmenergebnis für den Einzug von Konstantin Kuhle in den Bundestag reicht.

Wahlparty FDP Kartoffelhaus Gute Stimmung
Gute Stimmung: Die FDP feierte im Kartoffelhaus in Göttingen. © Schlegel

AfD
Ausgelassene Stimmung bei der AfD, die im Eichsfeld gefeiert hat. Direktkandidat Pierre Hillebrecht und 30 Anhänger der AfD sind stolz auf den Erfolg und die Tatsache, nun drittstärkste politische Kraft im Deutschen Bundestag zu sein.

Hillebrecht ist mit seinem persönlichen Erststimmenergebnis von rund 8 Prozent zufrieden. „Das Ergebnis ist auch ein Zeichen, dass wir Leute haben, die ihren Kopf im Wahlkampf hinhalten.“

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