Landwirte warten auf sonniges Wetter

Regenwetter: Gerstenerträge in der Region Hann. Münden enttäuschend

 Landwirte Thomas Weitemeyer, Thomas Wegner und Herbert Göbel auf einem Gerstenfeld
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Wegen des schlechten Wetters konnte noch nicht geerntet werden: die Landwirte Thomas Weitemeyer, Thomas Wegner und Herbert Göbel auf einem Gerstenfeld am Ortsrand von Lippoldshausen.

Die Gerste auf den Feldern in Südniedersachsen ist reif. Das Regenwetter macht die Ernte für die Landwirte unmöglich.

Kritisch mustern Thomas Weitemeyer, Thomas Wegner und Herbert Göbel das Feld mit Wintergerste am Ortsrand von Lippoldshausen. Seit einigen Tagen ist die Feldfrucht reif, der Mähdrescher müsste längs im Einsatz sein, doch wegen der feuchten Witterung ist an einen Ernteeinsatz nicht zu denken. Zumal es diese Woche vorerst weiter nass und unbeständig bleiben soll.

Die drei Landwirte bilden gemeinsam mit einer vierten Landwirtsfamilie aus Wiershausen, Familie Bliedung, die Betriebsgemeinschaft Marktfrucht Werratal, in der die Flächen der einzelnen Landwirte gemeinsam bewirtschaftet werden. „Wir werden rund 75 Hektar Gerste dreschen“, sagt Wegner. Sein Kollege Thomas Weitemeyer zerreibt in der Hand eine Gerstenähre und merkt an: „Kleine Körner, geringes Gewicht.“ Sie sind sich einig, dass 2021 kein Jahr mit guten Gerstenerträgen sein wird.

Lange Gesichter bei der Gerste – das kann auch Markus Gerhardy, Kreislandwirt von Göttingen, und dort auch Landvolkvorsitzender bestätigen. Vereinzelt sei mit dem Drusch der Gerste begonnen worden, doch die Regenschauer zwingen die Mähdrescher derzeit zum Stillstand. „Wir brauchen zwei Sonnentage und Temperaturen über 25 Grad, dann lässt sich die Gerste dreschen“, sagt Gerhardy.

Gerste: mittlere bis schlechte Qualität

Die Qualitäts- und Mengenergebnisse der ersten gedroschenen Felder bestätigen Gerhardys Prognose, dass die Gerstenernte „mittelmäßig bei schlechten Qualitäten“ ausfallen werde. „Man freut sich nur einmal - oder anders: abgerechnet wird zum Schluss“, zitiert er eine bekannte Bauernweisheit. Denn im Frühjahr hätten sich die mit Gerste bestellten Felder gut präsentiert, seien ideal mit Wasser und Nährstoffen versorgt gewesen. Die Hitzetage Mitte Juni mit Temperaturen von über 30 Grad hätten dann aber das Wachstum gestoppt sowie abrupt die Kornbildung und – einlagerung gebremst.

Die Folge seien kleine Körner mit geringem Gewicht, die sogenannten Hektolitergewichte werden bei den meisten Bauern wohl nicht der gängigen Vermarktungsnorm entsprechen. Hinzu komme, dass in diesem Jahr viele Felder mit der Pilzkrankheit Ramularia befallen seien. „Diese Blattfleckenkrankheit ließ sich 2020 noch gut bekämpfen, aber die dafür nötigen Pflanzenschutzmittel sind in diesem Jahr nicht mehr zugelassen und dürfen nicht mehr verwendet werden“, erläutert Gerhardy.

Gerste für Tierfutter und Bierproduktion

Die Folge: In den überreifen, von der Krankheit betroffenen Gerstenbeständen knicken die Halme ab, sie brechen zusammen. In Summe sei die zu erwartende Ernte bei der Gerste keine Katastrophe, aber auch kein Grund zur Freude. „Und es belegt einmal mehr, wie sehr wir als Landwirtinnen und Landwirte von Wind und Wetter abhängen, weil wir in der freien Natur arbeiten.“

Nach Angaben des Landvolks Niedersachsen ist die Anbaufläche von Gerste in Niedersachsen von gut 155 000 Hektar im Vorjahr auf nun rund 150 000 Hektar gesunken. Durchschnittlich wurden 2020 in Deutschland 6,7 Tonnen pro Hektar geerntet, in Niedersachsen lag dieser mit 6,95 Tonnen etwas höher.
Die Gerste wird überwiegend zu Futterzwecken angebaut, ein kleiner Teil an Gerste wird als sogenannte Sommerbraugerste für die Malzherstellung von Bier verwendet. Auch Gerhardy baut Sommerbraugerste an für die Einbecker Brauerei.

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