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Reiche Ernte trotz Trockenheit für Obstbauern im Landkreis Göttingen

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Von: Michael Caspar

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Apfelbäume hängen voller Früchte
Die Apfelbäume hängen derzeit voller Früchte, doch die Äpfel sind aufgrund der Trockenheit vergleichsweise klein. © Michael Caspar

Brechend voll hängen die Obstbäume in der Region Hann. Münden in diesem Jahr 2022. Doch die Früchte sind aufgrund der Trockenheit ungewöhnlich klein, berichtet Dr. Ulrich Scheidel vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen.

„In diesem Frühjahr herrschten optimale Bedingungen für die Bäume“, sagt Scheidel. Nach dem schlechten Obstjahr 2021 schädigten diesmal keine Spätfröste die Blüten. Die Befruchtung klappte, da die Flugbedingungen für die Insekten angesichts des trockenen, warmen Wetters gut waren. Entsprechend viele Früchte hängen derzeit an den Ästen.

„Eigentlich sind es zu viele“, warnt der Obstbaumwart. Vor allem bei schlecht oder nicht beschnittenen Bäumen drohen Äste unter der Last abzubrechen. Das Holz ist ohnehin aufgrund fehlender Niederschläge wenig elastisch. Hinzu kommt der weit verbreitete Befall von Bäumen mit Misteln, die ihrem Wirt zusätzlich Feuchtigkeit entziehen.

„Aufgrund der Trockenheit seit den letzten großen Regenfällen im Januar und Februar sind die Früchte zu klein“, sagt Scheidel. „Sie machen nach jedem Regenguss einen Wachstumsschub“, ergänzt Sonja Biewer, Vorstandsmitglied des Göttinger Vereins Streuobst.

Im Trockenstress werfen die Bäume einen Teil ihrer Früchte ab. „Das entlastet die Äste“, sagt Scheidel. Er empfiehlt, die Apfelbäume zu schütteln. „Es fallen vor allem Früchte, die vom Wurm des Apfelwicklers befallen sind.“ Auch von Früchten, die an heißen, sonnigen Tagen einen Sonnenbrand erlitten, trennt sich der Baum.

„Die Trockenheit führt dazu, dass sich die Geschmacksaromen nicht voll entfalten können“, gibt der Obstbaumwart zu bedenken. Es steigt das Risiko, dass die Früchte mehlig schmecken – wie das derzeit bereits bei Pflaumen und Zwetschgen der Fall ist. Zudem leiden Äpfel tendenziell unter einem Mangel an Kalzium, das die Pflanze mit dem Wasser aufnimmt. Die Früchte werden dann stippig, sie bilden braune, bitter schmeckende Stellen im Fruchtfleisch.

„Viele Baumbesitzer rechnen trotz aller Herausforderungen mit einer guten Ernte“, weiß Bernd Gosch aus Bördel, der eine mobile Mosterei betreibt, durch Voranfragen. „Ich starte mit dem Anpressen am 10. September in die Saison“, kündigt Gosch an. Dann wird es sechs, sieben Wochen lang „Schlag auf Schlag“ gehen, so der Moster. Er ist in dieser Zeit mit seiner Presse im Umkreis von 100 Kilometern im Einsatz.

„Das Pressen wird teurer“, sagt er. Vor einem Anstieg der Preise für die Pappkisten und Fruchtsaftbeutel warnte ihn sein Händler bereits vor Ostern. Gosch deckte sich ein. Nun stapeln sich in seiner Scheune die Verpackungen. Verdoppelt hat sich zudem der Preis für Diesel, den er zum schnellen Erhitzen des Safts auf 78 Grad Celsius braucht. Durch dieses Pasteurisieren werden vor dem Abfüllen Keime abgetötet.

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