Schlagbohrer knurrt beim Anschalten

Selbstversuch: HNA-Volontärin arbeitet einen Tag in der Autowerkstatt

HNA-Volontärin Leona Nieswandt

Hann. Münden. Die Hebebühne bockt das Auto im Autohaus Beuermann in Hann. Münden nach oben. „Du kannst damit schonmal die Schrauben lösen“, sagt Geselle Yannick Baake zu mir. Er drückt mir ein Gerät in die Hand, das so ähnlich aussieht wie ein Bohrer.

Als ich es an der ersten Schraube ansetzen will, merke ich aber, dass es nicht so harmlos zu bedienen ist.

Der Schlagbohrer knurrt beim Anschalten wie ein wildes Tier und wackelt in meiner Hand, wie wenn er mich ernsthaft verletzten wollte. Nur mit viel Konzentration und Anstrengung gelingt es mir, die Schrauben an allen vier Felgen des Toyotas zu entfernen. „Beschriften und dann kannst du die Winterreifen aufziehen“, sagt Yannick Baake. Ein bisschen Hilfe beim Hochheben der Reifen benötige ich zwar, aber das Festdrehen der Schrauben funktioniert. Das Luftmessen und Nachpumpen auch.

In der Richtzeit von 20 Minuten zum Reifenwechsel bin ich damit zwar nicht geblieben, „aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt Baake und lacht. Er ist seit zwei Jahren Geselle im Autohaus Beuermann, das die Marke Toyota verkauft. Der 22-Jährige hat seine Ausbildung im Jahr 2010 begonnen und ist nach seinem Abschluss übernommen worden. „Ich habe diesen Beruf gewählt, weil er unheimlich abwechslungsreich ist“, sagt er.

Messung: Holger Beuermann (links) und Yannick Baake

Das fällt mir in der Zeit meines Probearbeitens auch auf. Ich schaue, ob noch alle Lichter funktionieren, fülle Scheibenflüssigkeit nach und kontrolliere den Ölstand. Die Arbeit macht Spaß, aber an den schweren Reifen und der gebückten Haltung merke ich, dass ich keine körperliche Arbeit gewohnt bin.

Nebenan macht Holger Beuermann, technischer Leiter und Meister im Betrieb, eine Abgasuntersuchung. Neben ihm und Baake arbeitet noch Hans-Helmut Loos als Geselle mit. Baake war der erste Auszubildende seit 20 Jahren. „Vorher hatten wir zwei Gesellen“, sagt Beuermann. Eine weibliche Auszubildende hatte der Betrieb noch nicht. Das liege aber daran, dass er so lange nicht ausgebildet hat.

Yannick Baake ist froh, dass er Kfz-Mechatroniker gelernt hat. „Ich habe schon immer ein großes Interesse an Motoren und konnte mein Hobby zum Beruf machen“, sagt er. Und dass es ihm Spaß macht, merkt man ihm an. Er gibt mir Verbesserungsvorschläge, lobt und hantiert währenddessen in den Eingeweiden der Autos herum. Beim Wechseln eines Airbags muss er das komplette Armaturenbrett abnehmen. Darunter liegen unzählige Kabel, die sich wie Schlangen aus der Verkleidung winden. „Siehst du, das ist für die Heizung und das für das Radio“, erklärt er. Für mich hingegen sieht alles aus wie ein Kabeldschungel.

Als die Abdeckung wieder sitzt, kommt das nächste Auto mit Radwechsel. Ich zücke die Höllenmaschine, die die Schrauben rauszieht. Und siehe da, sie schnurrt schon fast so wie ein Kätzchen.

Die Werkstatt und das Autohaus Beuermann:

Das Autohaus Beuermann ist seit dem Jahr 1971 im Besitz der Beuermanns. Vorher war es eine Tankstelle, wurde dann aber zu einer Werkstatt umgebaut. Helga Beuermann ist die Inhaberin des Autohauses, Holger Beuermann ist technischer Leiter. Neben der Werkstatt bietet der Betrieb 30 bis 40 Autos zum Verkauf an. Momentan ist eine Auszubildende, die Automobilkauffrau lernt, im Betrieb. Die Zeit der Reifenwechsel ist laut Holger Beuermann die schwerste im Jahr, da dreimal so viele Termine wie sonst wahrgenommen werden müssen.

Von Leona Nieswandt

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