60 Stunden allein mit Eberlein 

Relief im Turmzimmer der Tillyschanze restauriert

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Maler und Bildhauer Erhard Joseph restaurierte das Eberlein-Relief. 

Hann. Münden. Pfingsten 1888 hatte Gustav Heinrich Eberlein das Großrelief „Heldenhafte Verteidigung Mündens im 30-Jährigen Krieg“ fertiggestellt und der Stadt für das Turmzimmer der Tillyschanze übereignet. 129 Jahre später, fast auf den Tag genau, wurde es neu restauriert  präsentiert.

Denn die Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze wird sich damit an einer Sonderausstellung zum 170. Geburtstag von Gustav Heinrich Eberlein beteiligen.

Insgesamt 60 Stunden investierte Maler und Bildhauer Erhard Joseph aus Adelebsen in die Restauration des Reliefs aus Stuckgips. Er hat sich seit Mitte der 80er Jahre auf Eberlein spezialisiert, rund 80 Skulpturen des Mündener Künstlers hat er bereits wieder hergestellt und ergänzt.

Großrelief: Das Werk zeigt die heldenhafte Verteidigung Mündens im 30-Jährigen Krieg.

Das Großrelief war durch Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Gliedmaßen der Figuren waren abgebrochen, die Farben verblasst und einem Vogel war ein Flügel abhandengekommen.

Außerdem hatte das aus dem undichten Dach eindringende Wasser Gips aus dem Relief herausgewaschen. „Am schwierigsten war es, die Gliedmaßen wie Finger und Nase wieder herzustellen“, erklärte Joseph. Mit Draht und Gipsmasse, weichen und festen Pinseln hat er die zehn Elemente in den ursprünglichen Zustand gesetzt. Mit weichen Pinseln bürstete er die Figuren ab, um dann mit Grundierungen, Aquarellfarben und Lasuren dem verblassten Relief wieder Luftigkeit und Ausstrahlung zu geben.

Begeistert: Museumsleiterin Martina Krug, Bernhard Schäfer, Dr. Manfred Albrecht und Heinz-Peter Schwarze (alle Fördergemeinschaft Tillyschanze), Elgard Steinmüller vom Vorstand der Eberlein Forschung, Thomas Kossert (Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderung) und Reinhold Heck von der Waldgaststätte Tillyschanze sind begeistert über die Arbeit von Erhard Joseph (von links).

In der Szene des 30-jährigen Krieges hat Eberlein viele Details eingearbeitet, beispielsweise eine Kanonenkugel, die in der Stadtmauer steckt, ein Hund, der die Wunde seines sterbenden Herrn leckt, viele Gefallene, Verletzte, klagende Frauen mit Kindern. Auch seine Eltern und seine Schwester sowie Freunde des Künstlers haben für das Massaker Modell gestanden.

Die Kosten der Restaurierung liegen bei rund 15 000 Euro. Neben der Gustav-Eberlein-Forschung e.V. und der Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze e.V., die den größten Teil der Kosten der Restaurierung und der Renovierung des Raumes tragen, sponserten Bernhard Ruschinski aus Dransfeld, die Firmen FMS Metall- und Edelstahlbau aus Meensen, Malerbetrieb Klingler aus Hann. Münden, Isophon Glas GmbH aus Gimte einige Arbeiten im Eberleinzimmer.

Absperrung schützt Relief

Um das Relief zu schützen, wurde eine Absperrung aus Glas und Metall errichtet. Dr. Manfred Albrecht, Vorsitzender der Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze, erwähnte, dass man bei Beginn der Turmsanierung vor sechs Jahren die Priorität auf die Neueindeckung der Dachterrasse und damit die Rettung des Großreliefs gelegt habe.

Sonderausstellung zu Gustav Eberlein 

Zum 170. Geburtstag von Gustav Heinrich Eberlein ehren die Stadt Hann. Münden und die Gustav-Eberlein-Forschung e.V. einen der bedeutendsten Mündener Künstler mit einer umfangreichen Sonderausstellung unter dem Titel „Neu entdecken! Gustav Heinrich Eberlein“, die vom 14. Juli bis 3. Oktober im städtischen Museum im Welfenschloss läuft. Das Kolossalrelief im Eberleinzimmer im Turm der Tillyschanze wird die geplante Sonderausstellung ergänzen. Die feierliche Eröffnung findet am Freitag, 14. Juli, ab 18 Uhr im Rittersaal des Welfenschlosses statt. Die Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze e.V. wird dazu mit der Ausgestaltung des Eberlein-Zimmers einen Beitrag zum Geburtstagsjubiläum leisten. So sollen auf Tafeln an den Wänden die Zeitabläufe und die Zerstörung der Stadt dokumentiert sowie Eberleins Wirken in Hann. Münden und weltweit gezeigt werden. Außerdem wird in der Mitte des Raumes ein interaktives Bild mit zwölf Touchscreen-Punkten installiert, die bei Berührung weitere Infos unter anderem über die Verteidigung und die Zerstörung der Stadt bereithalten.

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