SCHÄTZE IM MUSEUM Die Römer erfanden zahlreiche Spiele

Römer in Hann. Münden: Würfeln mit Knochen

Im Römersaal: Das Astragalspiel wurde von bis zu vier Römern gespielt. Gewürfelt wurde mit Schafs- oder Ziegenknöchelchen, die vier verschiedene Flächen haben.
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Im Römersaal: Das Astragalspiel wurde von bis zu vier Römern gespielt. Gewürfelt wurde mit Schafs- oder Ziegenknöchelchen, die vier verschiedene Flächen haben.

In Hedemünden bei Hann. Münden lagerten einst die alten Römer. Städtischen Museum gibt es eine Ausstellung zu der antiken Supermacht. Es geht auch um Gesellschaftsspiele.

Hann. Münden – Die Römer sind nicht nur mit Playmobil-Figürchen in erklärenden Funktionen und historischen Darstellungen im Welfenschloss in Hann. Münden vertreten, sie waren auch erfinderisch, was die Freizeitgestaltung angeht. Es wurden so viele Spiele von ihnen entwickelt, dass es Fachbücher darüber gibt. Eines davon, das 70 Anleitungen enthält, ist im Städtischen Museum zu sehen.

Römer hatten ein Lager in Hedemünden

Im Römersaal wird auch der Vorläufer des Würfelns, das Astragalspiel, gezeigt und beschrieben. Bis zu vier Personen konnten daran teilnehmen.

Die Sprunggelenkknochen von den Hinterbeinen von Schafen, Ziegen und Rindern werden als Astragali bezeichnet. Solch ein Knöchelchen hat vier verschiedene Flächen: Die nach oben gewölbte, breite Seite wird beim Werfen und Würfeln mit vier Punkten bewertet, die gegenüberliegende Seite mit der Vertiefung mit drei Punkten. Die glatte Schmalseite zählt mit einem Punkt, ihr eher unregelmäßiges Gegenstück mit sechs Punkten.

Von Kindern wurde das Spiel gern als Geschicklichkeitsspiel genutzt, die kleinen Spieler saßen dabei auf dem Boden. Die Astragali wurden abgelegt, ein Knöchelchen blieb in einer Hand. Der Spieler warf es hoch, hob mit derselben Hand ein weiteres Knöchelchen auf und fing das geworfene zusätzlich auf. Der aufgehobene Knochen galt als gewonnen und wanderte in die freie Hand, bis alle gewonnen waren. Kniffelig wurde es dann, wenn anschließend Paare, Dreier oder Vierer gleichzeitig aufgehoben werden mussten.

Knochen dienten den Römern als Würfel

In der Glücksspiel-Variante für Erwachsene wurde von bis zu vier Spielern mit vier Knöchelchen um Punkte oder Geld gespielt. Zunächst wurde die Zahl der Runden festgelegt. Der Spieler, bei dem alle vier Knochen die glatte, mit einem Punkt bewertete Schmalseite zeigten, hatte einen „Hund“ gewürfelt. Er verlor alles. Ein Wurf, der vier verschiedene Würfelseiten hervorbrachte, hieß „Venus“ und führte zum Sieg.

Auch Brettspiele waren beliebt. In Stein oder Ton geritzte Spielpläne waren an vielen Orten, beispielsweise an öffentlichen Plätzen, zu finden. Spielpläne gab es auch aus Holz, Leder und Stoff. Als Spielsteine dienten weiße und schwarze Flusskiesel, bunte Glassteine und geschnitzte Figuren aus Knochen oder Holz. Münzen und Bohnen konnten ebenfalls verwendet werden. Das Städtische Museum im Welfenschloss, Schlossplatz 5, in Hann. Münden, Tel. 0 55 41/75 202 und 75 348, wird mittwochs bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. (Bettina Wienecke)

Eintritt

Der Eintritt für Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr ist frei, darüber kostet er 1,50 Euro, ab 18 Jahren beträgt der Eintritt 3,50 Euro, die Familienkarte kostet 8 Euro. Infos: hann.muenden.de

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