Rücksicht beim Böllern: Tiere leiden sonst

Sie lassen Silvester das Licht im Stall brennen: Christian und Miriam Ilse in Jühnde. Fotos: Mühlhausen

Altkreis Münden. Heute ist es wieder soweit: Überall in Deutschland wird wieder Feuerwerk im Wert von 130 Millionen Euro in die Luft geblasen, dabei werden rund 4000 Tonnen Feinstaub freigesetzt.

Kanonenschläge, durch die Luft jagende Heuler und Lichtblitze - was viele Menschen freut, ist vor allem des Tieres Leid: Meist mit viel feineren Sinnesorgangenen als der Mensch ausgestattet, können Tiere auf die Böllerei ängstlich bis panisch reagieren. Haustierbesitzer sollten daher ein paar Tipps beachten (siehe Hintergrund).

Doch wie reagieren Nutztiere wie Rind und Schwein auf das Silvesterfeuerwerk? Wir haben nachgefragt:

Für Achim Hübner, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband Landvolk Göttingen, ist das Thema nicht brisant. Er attestiert den Einwohnern des Altkreises Münden einen verantwortungsvollen Umgang mit Feuerwerksartikeln: „Die Leute auf den Dörfern wissen in der Regel, was geht und was nicht - da zählt der gesunde Menschenverstand.“

VERIRRTE RAKETEN

Zwar habe es in der Vergangenheit immer wieder in der Region ärgerliche Fälle gegeben, bei denen sich Silvesterraketen in Scheunen verirrten und diese in Brand setzten. Von einer Serie will er jedoch nicht sprechen. Hübner: „Das sind Einzelfälle und selbst die lassen sich vermeiden, wenn man aufpasst, in welche Richtung man sein Feuerwerk abschießt.“ Beschwerdefälle, bei denen Tiere in Ställen durch Feuerwerk verstört gewesen seien, sind ihm aus den vergangenen Jahren nicht bekannt.

MEHR ANGST UMS STROH

„Für uns ist Silvester kein Problem“, bestätigt Landwirt Philip Sohnrey, der in einem Stall in Ossenfeld sowie außerhalb des Dorfes Schweine hält. Außerhalb des Dorfes sei Feuerwerk ohnehin kein Thema und auch innerhalb des Dorfes würden die Tiere von dem Lärm nicht viel mitbekommen, da der Stall von der Straße aus in der zweiten Reihe liege.

Außerdem seien heutige Schweinerassen viel stressresistenter als noch vor 20 Jahren, die Tiere würden selbst auf laute Geräusche „relativ cool“ reagieren, so der 26-Jährige.

Lediglich das im Ort sowie in der Feldmark gelagerte und leicht entzündliche Stroh mache ihm in der Silvesternacht immer etwas Sorgen.

Auch für Landwirt Christian Ilse und seine Frau Miriam, die in Jühnde einen Milchviehbetrieb bewirtschaften, ist die Böllerei zum neuen Jahr kein Thema.

Sie haben vor ein paar Jahren einen neuen Stall am Ortsrand gebaut. Dort werde in der Regel nicht geböllert und daher bekommen die Kühe dort auch vom Silvesterfeuerwerk wenig mit.

„Sicherheitshalber lassen wir dennoch in dieser Nacht das Licht an, damit sich die Tiere im Dunkeln nicht erschrecken und panisch reagieren“, sagt Christian Ilse. Denn aufgeschreckte Kühe könnten sich aufs Euter treten oder über andere liegende Kühe stolpern und sich dabei verletzen.

Auch früher, als die Milchkühe noch in der Ortslage von Jühnde im Stall gehalten wurde, bot Silvester keinen Anlass zur Sorge.

Ilse: „Wir haben verantwortungsvolle Nachbarn, die wissen, dass man keine Böller in der Nähe von Ställen zündet.“ Daran sollten sich Böllerfreudige, die in der Nähe von Ställen feiern, unbedingt halten.

WILDTIERE

Auch Knaller in der Nähe von Waldrändern oder in Parkanlagen zu zünden, sollte tabu sein, denn scheue Wildtiere in Wald und Flur reagieren besonders sensibel auf laute Geräusche. Auch bei Pferden, Rindern und Schafen auf der Weide besteht die Gefahr, dass sie in Panik geraten und ausbrechen können. (phl)

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