Mündener Ansichten

Eine Reise durchs alte Hann. Münden: Postkartenromantik an der Schlagd

Die Schlagdspitze vor rund 110 Jahren. In Kürze entsteht hier Mündens neue Flaniermeile. Ansichtskarte des Verlages Hans Augustin, Münden um 1910.  Repro: Stefan Schäfer
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Die Schlagdspitze vor rund 110 Jahren. In Kürze entsteht hier Mündens neue Flaniermeile. Ansichtskarte des Verlages Hans Augustin, Münden um 1910. Repro: Stefan Schäfer

Historische Aufnahmen führen durch ein längst vergessenes Hann. Münden. Entführen den Betrachter in eine Zeit, in der die Schlagden noch Orte der Betriebsamkeit waren.

Hann. Münden - Wir schreiben in etwa das Jahr 1910, als das Foto für diese Postkarte entstand. Der Blick vom Tanzwerder zielt auf die letzten Meter der Fulda, bevor sie sich an der Schlagdspitze das erste Mal mit der Werra „küsst“ und als „kleine Weser“ noch knapp 200 Meter fließen muss, bevor die „große“ Weser am Weserstein entsteht. Die Szenerie der Aufnahme ist nahezu menschenleer, wenn nicht der Fotograf die beiden Mädchen spielend am Ufer inszeniert hätte.

Schlagden in Hann. Münden: Orte des Handels

Die Schlagd, einst betriebsamer Ort des Mündener Handels, liegt im Dornröschenschlaf. Im August 1906 war die Weserumschlagstelle eröffnet worden. Gegenüber in Altmünden gab es den Hafen der Reisstärkefabrik „Union“, die später als Ölmühle betrieben wurde und heute vom Technischen Hilfswerk genutzt wird. Die damaligen Stadtvorderen vertrauten hinsichtlich der Schlagd noch auf eine Renaissance der Schifffahrt. Die Oberweserkanalisierung und vor allem der Wassermangel in den Sommermonaten sollten fortfallen. Ein Kanalprojekt, der Werra-Main-Kanal wurde auf seine Machbarkeit hin untersucht. Dann hätte die Schlagd an einer Wasserstraße quer durch Mitteleuropa gelegen, die über den Main-Donau-Kanal, die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbunden hätte. Spätestens mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der deutsch-deutschen Teilung wurde dieses gigantische Projekt zu Grabe getragen.

Der erste nachweisliche Kran an den Schlagden entstand erst 1838 (hier eine Konstruktionszeichnung). Lange glaubte man, dass die zur Sackträgerbruderschaft zusammengeschlossenen Arbeiter die Ladearbeiten leisten könnten. Repro: Stefan Schäfer

Sicherlich nicht zum Nachteil der historischen Wasserfront und der Werrabrücke, an der es zwangsläufig zu massiven Veränderungen gekommen wäre. In der Bildmitte erkennen wir das kleine Waagehaus und links davor, mit einem Schutzdach versehen, einen eisernen Kran. Schon 1885 war der Kran durch eine technische Betriebsprüfung gefallen und wurde stillgelegt. Im Jahre 1838 sollte mit ihm erstmals ein moderner Kran an der Schlagd errichtet werden. Zeitgleich wurden die beiden Packhöfe gebaut. Der Kran wurde von der Firma Jacobi, Haniel & Huyssen in Oberhausen gefertigt und kostete mit Krankette und Schutzdach 1 700 Taler. Stadtbauinspektor Fraas konnte am 27. Oktober 1838 vermelden, dass der von der Gutehoffnungshütte in Oberhausen gelieferte Kran „tüchtig und gut gearbeitet, und sich während des bisherigen Gebrauchs kein Fehler daran gezeigt hat.“ Auch die Schlagd wurde an dieser Stelle erhöht, um dem Kran ein Widerlager zu geben.

Kräne für die Wirtschaft in Hann. Münden

Stadtbauinspektor Fraas war es auch, der schon 1832 seine Verwunderung darüber schriftlich niederlegte, dass an der Bremer Schlagd keine noch so einfache Hebemaschine angelegt wurde und dass es einige Schiffer gäbe, die nicht eigensinnig am Alten klebten. Seinerzeit wurden auch die Masten der Schiffe zu Hebebäumen umgewandelt. Friedrich August Natermann überzeugte sich 1837 von den eisernen Kränen am Frankfurter Mainufer und schrieb, dass der Kran auf einmal mit sechs Mann 48 Zentner in zwei bis drei Minuten heben könne und gab den Ausschlag für die Anschaffung eines eisernen Kranes in Münden. Die Aufsicht über den Kran hatte künftig ein Bediensteter. Die Schiffer selbst waren angehalten Männer für die Kranarbeit zu stellen und zu bezahlen. Das geschah mit schweißtreibender Muskelkraft an den Kurbeln des Kranes. (Stefan Schäfer)

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