Schutz gegen Erosion

Schedener Landwirt pflanzt Senf auf seinem Acker

Schedener Landwirt Jörg Brekerbaum arbeitet das Stroh der Zwischenfrucht Senf in seinen Acker ein.
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Schedener Landwirt Jörg Brekerbaum arbeitet das Stroh der Zwischenfrucht Senf in seinen Acker ein.

Starke Regenfälle drohen im Frühjahr kostbaren Ackerboden von frisch gepflügten Feldern fortzuspülen. Jörg Brekerbaum aus Scheden baut deshalb Senf als Zwischenfrucht an.

Scheden – „Ich baue im Herbst Senf als Zwischenfrucht an“, erklärt der Schedener Landwirt Jörg Brekerbaum. Er gehört der Kooperation Trinkwasserschutz Obere Weser an, die sich vom Gleichener Büro Geries Ingenieure beraten lässt. „Beim Pflügen werden die oberen 25 Zentimeter des Bodens um 180 Grad gedreht“, erläutert Geries-Mitarbeiter Felix Meier-Söffker. Damit landen auch die Beikräuter unter der Erde.

Der Bauer macht reinen Tisch, ohne Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Pflügen hat jedoch eine Reihe von Nachteilen: Mit dem fortgeschwemmten Ackerboden landen auch Nitratdünger und Pflanzenschutzmittel in Bächen und drohen, das Grundwasser zu belasten. Das will Brekerbaum, der Hangflächen entlang der Schede bewirtschaftet, vermeiden.

„Mit dem Ackerboden werden auch bereits ausgesäte Pflanzen fortgespült“, erklärt der Bauer. Gegebenenfalls muss die Aussaat wiederholt werden. „Durch das Drehen des Bodens werden seine Struktur und die Gänge der Regenwürmer zerstört, weswegen der Boden Wasser schlechter aufnehmen kann“, ergänzt Meier-Söffker.

Angesichts des Klimawandels mit seinen zunehmend heißeren und trockeneren Sommern wollen Landwirte aber möglichst viel Wasser im Boden haben. Das ist auch zur Vermeidung von Hochwasser und zur Bildung von Grundwasser wichtig. Ein weiterer Minuspunkt: Durch das Pflügen wird insbesondere feuchter Boden im Untergrund verdichtet. Die Pfahlwurzel der Zuckerrübe kommt an solchen Stellen nicht so einfach in den Boden. Sie treibt daher an anderer Stelle erneut aus.

Die Rübe bekommt „Beine“. „Um der Beikräuter Herr zu werden, lässt sich alternativ zu einer schnell wachsenden Zwischenfrucht oder zum Pflügen Glyphosat spritzen“, führt Landwirt Brekerbaum aus. Das macht weniger Arbeit. Angesichts des kommenden Glyphosatverbots ist das aber nicht mehr zeitgemäß.

Spaziergängern fallen die gelben Stellen auf den Äckern auf. „Der Senf, den ich nach der Getreideernte im Sommer aussäe, wächst so rasant, dass sich Beikräuter nicht ausbreiten können“, berichtet Brekerbaum. Beim ersten Frost friert der Senf ab. Die Wurzeln der Pflanzen halten den Boden noch monatelang.

Die zurückbleibenden Stengel zerfallen. Brekerbaum grubbert die Flächen im Frühjahr – er lockert die Bodenstruktur bis in 15 Zentimeter Tiefe auf und arbeitet das Pflanzenmaterial ein. Es verrottet im Boden zu Humus, was die Bodenfruchtbarkeit erhöht.

Der Landwirt fährt die Flächen noch einmal mit der Kreiselegge ab und drückt den Boden mit der Walze an. In dieses Mulchbett drillt (sät) er dann seine Zuckerüben aus.

Der Kooperation Trinkwasserschutz Obere Weser gehören die 96 Bauern an, die im Raum Hann. Münden 1844 Hektar Fläche bewirtschaften. Außerdem sind dort zwei Wasserversorger aktiv. (Michael Caspar)

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