Schiffe auf kleinem Stück Papier: Briefmarkenfreunde treffen sich regelmäßig

Briefmarken sind ihr Hobby: Von links die Sammler Bernd Wittig, Sigrid Penndorf, Knut Becker, Rudi Wenzel, Peter Freund, Dietmar Behrendt, Achim Block und Frank Lindel. Fotos: Siebert

Hann. MÜNDEN/STAUFENBERG. „Komm, ich zeig dir meine Briefmarkensammlung": Mit dieser Aufforderung kann man heute niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken. Briefmarken sammeln hat etwas Historisches, Briefmarken-Enthusiasten sind rar geworden.

Doch hier in Münden treffen sich Briefmarkenfreunde regelmäßig jeden zweiten Dienstag im Monat, von 15 bis 17 Uhr in lockerer Runde im Bürgertreff, (Ziegelstraße 56). Sie kommen aus Münden, Witzenhausen, Staufenberg und Baunatal und sammeln aus Leidenschaft.

Universalsammler sind nur einige, die meisten Sammler haben sich auf bestimmte Postwertzeichen spezialisiert, wie Motive (Segelschiffe, Orchideen oder Eisenbahnen), auf Länder wie Deutschland, China oder Österreich, oder auf Briefmarken aus bestimmten Zeitepochen. Sie schauen sich die Marken an, jeder stellt seine neuesten Errungenschaften vor.

Getauscht wurde in den 1960er Jahren, heute nicht mehr. Die Briefmarkenfreunde bedauern, dass es kaum noch Nachwuchs für dieses Hobby gibt. „Anders ist es in Österreich, da gibt es eine Menge Jugendgruppen“ erzählt Frank Lindel aus Speele. Sigrid Penndorf aus Baunatal weiß, dass sich die Jugend in der Schweiz ebenfalls noch häufig für dieses Hobby interessiert.

„Ich kann mich noch erinnern, dass ich mein Taschengeld für Briefmarken ausgegeben habe.“

„Ich kann mich noch erinnern, dass ich mein Taschengeld für Briefmarken ausgegeben habe“, erinnert sich Frank Lindel. Für Rudi Wenzel ist klar, dass Briefmarkensammler im Bereich Geschichte fit sind. „Bei jeder Briefmarke erfährt man Zusammenhänge und Hintergrundwissen über die dort abgebildete Person.“

Die Anzahl von Nachlässen mit umfangreichen Briefmarkensammlungen wird immer höher, jeder meint, er habe Werte geerbt. Doch der Optimismus wird schnell durch Realismus ersetzt. Da die Nachfrage an Postwertzeichen nicht mehr groß ist, fällt der Marktwert der vielen vorhandenen Briefmarken.

Peter Freund bekommt ein Briefmarkenalbum mit der Bitte, doch mal zu schauen, ob wertvolle Marken dabei sind. Er blättert durch und fragt, ob er es schonend oder brutal sagen soll. Brutal: Am besten alle Marken nach Bethel geben, dann tue man noch etwas Gutes.

„Wenn jetzt Berliner Marken 1948 und 1949 Berlin oder Posthornmarken ungestempelt dabei gewesen wären, hätte man sich ein goldene Nase verdienen können“, ergänzt Knut Becker.

Obwohl die Postwertzeichen vom Anschaffungswert ausgegangen einiges wert sein müssten. So oder ähnlich wird es vielen gehen.

Vor allem deutsche Postwertzeichen aus dem Zeitraum ab Mitte der 1950er Jahre bis zum Ende der D-Mark hätten stark an Wert verloren. Manche seien nur ein paar Cent wert, nur einen Bruchteil des aufgedruckten Wertes. Es gibt sie in großer Stückzahl, die nun auf einen kleiner werdenden Markt von Sammlern treffen.

Alle Briefmarken-Interessierten sind in der Runde gern gesehen. Kontakt: 05542/5121 (Freund) oder Tel. 05541/9082772 (Becker).

Raritäten kosten Millionen

Obwohl Briefmarken sammeln out ist, kosten Raritäten Millionen. Entscheidend für einen hohen Preis sind dabei nicht ein möglichst hohes Alter, sondern eine geringe Stückzahl und eine schöne Gestaltung. Für einen hohen Preis muss natürlich auch die Qualität stimmen: keine fehlenden Zacken, keine Flecken und nur lesbare Stempel.

Gefragt sind Fehldrucke, weil sie selten sind, wie beispielsweise falsche Farben, Schreibfehler und Zahlendreher. Die teuerste deutsche Abart ist die „Baden 9 Kreuzer schwarz auf blaugrün von 1851“. Sie hat einen Wert von eineinhalb Millionen Euro. Unter „9 Kreuzer blaugrün“ ist ein Farbfehldruck des Wertes zu 9 Kreuzer der ersten Briefmarkenausgabe Badens in blaugrüner statt rosa/rötlich karminer Farbe zu sehen. Die blaugrüne Farbe war für den Wert zu 6 Kreuzer bestimmt, vermutlich wurde beim Druck das Papier vertauscht. Erst 43 Jahre nach der Ausgabe der Marke entdeckte man den Fehldruck.

Vor sechs Jahren wurde im Auktionshaus Spink in London für eine gut erhaltene blaue Marke über einer Million Euro gezahlt.

Die erste Briefmarke der Welt ist die „One Penny Black“ aus Großbritannien. Diese ab Mai 1840 eingesetzte Marke kann man relativ günstig für 100 Euro erwerben.

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