DAMALS IN MÜNDEN

Das Salz wurde von Hann. Münden über die Fulda transportiert

Die zahlreichen Schiffe an der Fuldamündung rechts des Tanzwerders befuhren nicht die Fulda, sondern die Weser: Stapelrecht mit Umladezwang und schwierige Wasserverhältnisse hinderten eine Flussschifffahrt nach Kassel. Stich von Captain Batty aus dem Jahre 1827.
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Die zahlreichen Schiffe an der Fuldamündung rechts des Tanzwerders befuhren nicht die Fulda, sondern die Weser: Stapelrecht mit Umladezwang und schwierige Wasserverhältnisse hinderten eine Flussschifffahrt nach Kassel. Stich von Captain Batty aus dem Jahre 1827.

Schifffahrtsstadt Hann. Münden. Weser, Werra und Fulda waren wichtige Verkehrswege. Allerdings wurde der Handel über die Fulda in Richtung Kassel im Laufe der Jahrhunderte immer unwichtiger.

Hann. Münden – Als Stadt an den drei Flüssen ist es nicht verwunderlich, dass die Schifffahrt in Hann. Münden einst eine große Bedeutung hatte. Bereits im 12. Jahrhundert gab es regelmäßigen Schiffsverkehr auf Fulda, Werra und Weser. Eine Vereinbarung aus dem Jahr 1153 belegt, dass die Naturalabgaben, die die Bewohner Meensens an das Kloster Lippoldsberg abzugeben hatten, per Schiff in Hedemünden abgeholt wurden.

Werra und Weser wurden im Laufe der Zeit wichtige Handelswege

Das konnte das Kloster zollfrei tun, denn sie hatten die Garantie für einen zollfreien Transport von beispielsweise Wein und Getreide für den Eigenbedarf auf der Werra und der Fulda.

Werra und Weser wurden im Laufe der Zeit wichtige Handelswege. Die Fulda hingegen verlor an Bedeutung. Nur wenn Salz nach Kassel gelangen musste, war die Fulda der bevorzugte Weg. Güter für den landgräflichen Hof in Kassel, die in Münden geordert wurden, transportierte man auf dem Landweg – über Lutterberg. Trotzdem gab es seitens der Mündener einen regelmäßigen Schiffsverkehr, wenngleich dieser auch relativ gering war. Durch das Stapelrecht, das Münden hatte, bestand ein Umladezwang, wenn Waren Richtung Kassel gebracht werden mussten.

Bad Karlshafen: Plan sollte Hann. Münden unwichtig machen

Durch die erste Schiffergildeordnung, die Herzog Georg Wilhelm 1653 bestätigt hatte, sollten dann auch nur noch Mündener Schiffer den Warentransport von Münden nach Kassel übernehmen. Das sorgte aus hessischer Seite für Unmut, denn so hatten die Mündener nach dem Dreißigjährigen Krieg faktisch die Oberhand in der Fuldaschifffahrt gewonnen. Die hessischen Fuldaschiffer waren nämlich nicht in der Lage, sich zu halten, wenn sie in Münden keine Ladung aufnehmen konnten. Für Kurhessen bedeutete das, nach Umgehungslösungen suchen zu müssen. Der Bau der barocken Musterstadt Karlshafen, vom gleichnamigen Landgraf gefördert, und der nur abschnittsweise verwirklichte Plan eines Kanals über die Diemel nach Kassel waren die Folge. Die Investitionen in Karlshafen bedeuteten dennoch, dass ein erheblicher Warenverkehr von Kassel über den „Staatshafen“ Karlshafen abgewickelt wurde – allerdings als Straßenfrachten. Die Bedeutung der Fuldaschifffahrt blieb im weiteren Verlauf recht überschaubar, aber sie reichte aus, wenigen Mündener Schiffern eine Lebensgrundlage zu liefern.

Jeweils dienstags und donnerstags musste ein Schiff nach Kassel auslaufen

Vor allem für Besitzer kleinerer Schiffe, die aufgrund fehlender Größe für den Frachtverkehr Richtung Bremen nicht geeignet waren, bot die Fuldaschifffahrt eine gern genommene Alternative. Da es jedoch eine Vielzahl kleinerer Schiffe gab und alle gleichermaßen am Fulda-Frachtverkehr beteiligt werden mussten, war ein fester Fahrplan nötig. Der wurde 1735 eingeführt und regelte, wann und wie Schiffe abzugehen, und einzutreffen hatten.

Jeweils dienstags und donnerstags musste ein Schiff nach Kassel auslaufen und dort vormittags am Folgetag ankommen. Die Rückfahrt hatte nach gleicher Maßgabe donnerstags und montags zu erfolgen.

Für den Fall, dass nur wenig Ladung zu transportieren war, musste ein noch kleineres Schiff bereitgehalten werden. Das unterhielt die Schiffergilde gemeinsam. (Sarah Schnieder)

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