Schimmel frisst am Hann. Mündener Stadtarchiv

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Ist ein Problem: Der Schimmel im Hann. Mündener Stadtarchiv 

Hann. Münden. Das Archiv ist das Gedächtnis der Stadt. Ein zunehmendes Problem ist aber der Schimmelbefall mancher Dokumente im Verwaltungsgebäude an der Böttcherstraße.

Stadtarchivar Stefan Schäfer hat jüngst im Gesellschaftsausschuss der Stadt seinen Bericht für das Jahr 2016 vorgelegt. Er betonte: Die Aufnahmekapazität des Archivs, das ist keine neue Nachricht, ist erschöpft. Und die Luft wird dünner.

Der Freiraum beträgt noch 34 Regalmeter. Etwa 900 Regalmeter sind gefüllt. Allein mit der Verlagerung von Dienststellen aus dem Rathaus in das Verwaltungsgebäude Schlossplatz 10 wurden dem Archiv umfangreiche Aktenbestände angeboten. Auch aus dem Standesamt sind noch Vorgänge archivarisch zu behandeln. Dazu kommen noch Unterlagen aus dem Geschwister-Scholl-Haus, der Ortsheimatpflege Wiershausen und der ehemaligen Gemeinde Mielenhausen.

Sorgen bereitet dem Stadtarchivar nicht nur fehlender Platz, sondern auch der Schimmel. In den Kellerräumen des Verwaltungsbaus an der Böttcherstraße hat sich der Schimmel ausgebreitet. Schäfer: „Soweit vorläufig einschätzbar, sind hiervon mindestens 300 Regalmeter Schriftgut betroffen.“ Nur ein „bereichsübergreifender Handlungsplan“ könne den gesundheitsgefährdenden Schimmel vertreiben.

Als positives Beispiel nannte Schäfer die weitere Aufarbeitung der Mündener NS-Vergangenheit durch die drei Geschichtsvereine gemeinsam mit der Stadt. Die Arbeit der Historikerin Sarah Schnieder, die 30 Stunden im Monat für das Archiv tätig ist, werde zu zwei Dritteln von den Geschichtsvereinen finanziert.

Wichtigster Neufund 2016 war laut Schäfer das „Verzeichnis der Ausländer“, das im Ablageberg im Keller der Böttcherstraße schlummerte. Es beinhaltet 951 Einträge, unter anderem von Zwangsarbeitern in Münden.

Herauszuheben sei auch die Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten, „die das kulturelle Erbe unserer Stadt neu beleuchten“. Schäfer nannte Dr. Falko Bornschein, Kunstgutbeauftragter der Diözese Erfurt, der den Bild-Text-Band „Der Holzbildhauer Johann Gröber - ein mitteldeutscher Meister der Barockzeit“ veröffentlichte. Bornschein sei es auch gelungen, das Entstehen des barocken Hochaltars von St. Blasii zu beleuchten.

In der Schriftenreihe „Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte“ sei auch ein Aufsatz der in Hann.Münden beheimateten Historikerin Helen Imhoff veröffentlicht worden. Im Mittelpunkt stehen hier die Schriften des einstigen Fuldaer Erzbischofs Hrabanus Maurus (780 bis 856), insbesondere die im Archivbestand vorhandenen Pergamentfragmente.

Stefan Schäfer wirbt für die Einrichtung. „Das Stadtarchiv ist die Seele und der Spiegel der Geschichte.“ Umso bedauerlicher erscheine der sorglose Umgang mit den Zeugnissen der jüngeren Vergangenheit. Für eine zielgerichtete Arbeit benötige das Archiv weiterhin Unterstützung.

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