Bei Zwischenstopp aus Auto gefallen

Ehrliche Finderin bringt verlorene Handtasche zurück

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Annette Hellfeier (rechts) weiß, wie wichtig einer Frau ihre Handtasche ist: Die von Petra Boltsch (l.) hat sie deshalb sofort der Besitzerin zurückgebracht.

Hann. Münden. Die Schrecksekunde kennt wohl jeder: Wo ist das Handy, der Autoschlüssel, das Portemonnaie? Bei Petra Boltsch war es die Handtasche, die plötzlich fehlte. Aber dank einer ehrlichen Mündener Finderin blieb ihr die schlimmste Panik erspart.

Boltsch war mit Nachbarn in die Stadt gefahren, als sie ihre Handtasche nicht finden konnte. Normalerweise sofort Grund zur Sorge, doch diesmal habe sie nur gedacht: „Du bist so schusselig, du hast sie garantiert an der Haustür hängen lassen.“

Grund genug hätte sie gehabt: Das Auto stand schon mit laufendem Motor vor dem Haus, als sie hinauseilte, umwuselt von zwei knapp fünfmonatigen Katzen, die nicht aus der Tür schlüpfen sollten. Und tatsächlich hing bei der Heimkehr knapp zwei Stunden später die Handtasche am gewohnten Platz. „Da habe ich nur gedacht: Du Blödi!“, sagt Petra Boltsch.

Aus dem Auto gefallen

Und Annette Hellfeier lacht - schließlich war sie es, die in der Zwischenzeit die Tasche zurückgebracht hatte. Sie hatte ihre Tochter und zwei Freundinnen vom Handballtraining abgeholt und fuhr extra noch einmal an der Post vorbei, weil ihr dort ein herumliegender Gegenstand aufgefallen war. Die Tasche war wohl bei einem Zwischenstopp aus dem Auto gefallen, vermutet Boltsch jetzt.

„Ich habe gewusst: Wenn meine Handtasche fehlt, ich würde rotieren“, erinnert sich die Finderin. Also versuchte sie die Besitzerin zu finden - und musste dazu erst einmal die Hemmschwelle überwinden, die Tasche zu durchsuchen. „Als Frau weiß ich schließlich, dass deren Inhalte sehr persönlich sind.“ Eine Telefonnummer fand sie nicht, um die Besitzerin sofort zu beruhigen, wohl aber eine Adresse. Daheim war der Verlust noch gar nicht aufgefallen: eine seltsame Situation sowohl für Annette Hellfeier als auch für Petra Boltschs Stiefsohn, der die Tasche entgegennahm - und dabei prompt vergaß, nach dem Namen der Finderin zu fragen.

„Das hat mich gestört“, sagt Boltsch, die sich so gerne bei ihrer Sameriterin bedanken wollte. Schließlich enthält die Tasche nicht nur wirklich alle Papiere, sondern auch Medikamente - „ohne fühle ich mich nackig“, so die Besitzerin. Und sie ist umso glücklicher, das Gute in ihren Mitmenschen zu sehen. In ihrer alten Heimat im Ruhrgebiet hat sie es anders kennen gelernt.

Dort wurde ihr vor Jahren ausgerechnet im Kindergarten ihrer Kinder das Portemonnaie aus der Handtasche gestohlen. Vielleicht heißt das nicht, dass die Mündener grundsätzlich die besseren Menschen sind. Aber dass die beiden Frauen sich nun doch noch getroffen haben, verdanken sie auf jeden Fall einem Vorteil der relativ kleineren Stadt: Wenige Tage nach dem Vorfall bekam Petra Boltsch eine Email von einer gemeinsamen Bekannten: „Meine Freundin Annette hat deine Handtasche gefunden.“ Die Einladung zum gemeinsamen Kaffeetrinken steht. (zee)

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