Nachhaltigkeit im Unterricht

Schüler schonen Ressourcen im Alltag

+
Mehrfach befüllbar und langlebig: Diese Kunststoffflasche, die Amy-Lee Krüger (5a) hält, ist ressourcenschonend. Die Schüler Jennifer Fluck (7b, von links), Laura Michelle Henne (5b), Förderschullehrer Julian Faupel, Amy-Lee Krüger (5a) und Daniel Rappe (6a) lernten gemeinsam im Projekt „Reduse“ des Landkreises, wie man Ressourcen schont und recycelt. 

Hann. Münden. 164 Kilogramm an Hausmüll, 24 Kilo Glas und 72 Kilo Papier und Pappe: So viel Abfall kam im Jahr 2012 je Einwohner in Deutschland zusammen, insgesamt 617 Kilogramm Müll pro Kopf. Die Zahlen sehen jetzt nicht viel rosiger aus.

Daher setzten sich die Schule am botanischen Garten und die Werra-Realschule in Hann. Münden nun dafür ein, ihren Schülern den ressourcenschonenden Umgang mit Materialien in der Schule und im Alltag näher zu bringen – mit „Reduse“, einer bundesweiten Bildungskampagne für Ressourcenschutz. Dafür brachten Vertreter des Vereins Multivision den Schülern die Themen „Reduse, Reuse, Recycle“ näher, also das Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln von Material.

Es beginne schon beim täglichen Umgang mit dem Kopierer: „Jeder Lehrer stellt in einem Schulhalbjahr ungefähr 5000 Kopien für den Unterricht her“, berichtet Julian Faupel, Förderschullehrer an der Schule am botanischen Garten.

Noch werde auf normalen Frischfaserpapier kopiert, bald könne sich das aber ändern: „Eine Gruppe von Schülern und ich wollen einen Brief an unseren Schulträger, den Landkreis Göttingen, schicken, mit der Bitte, künftig recyceltes Papier zu verwenden“, so Faupel.

Die Schüler stehen fest dahinter und wollen in Zukunft noch stärker auf Nachhaltigkeit in ihrem Alltag achten. Groß war die Verwunderung, als Stefan Simonis vom gemeinnützigen Verein „Die Multivision“ ihnen erklärte, wie viele Bäume für welche Produkte aus Papier gefällt und verarbeitet werden müssen.

„Eine normale Glasflasche besteht zu 86 Prozent aus Altglas und benötigt viel Energie, um hergestellt zu werden“, lernten die Schüler während der Veranstaltung „Reduse“. Besser sei daher eine Mehrwegflasche oder auch eine Kunststoffflasche, die mehrfach verwendet werden kann, so Simonis. Ob man denn Papier sparen könne, wenn man gänzlich darauf verzichtet und zum Beispiel Tablets im Unterricht nutzt, wollten die Schüler wissen. Ja und nein, lautete Simonis Antwort: „Für die Herstellung von Tablets und Handys sind viele Rohstoffe nötig. Es wird unheimlich viel Energie gebraucht. Damit sich ein Tablet für den Unterricht lohnt, müsste es lange im Betrieb sein, die Geräte halten aber nicht so lange.“ Der nächste und wohl einfachste Schritt auf dem Weg zur Ressourcenschonung wäre die nachhaltige Papiernutzung. Leider fehle das Bewusstsein für den Kauf von recycelten Papier: „Früher erkannte man solches Papier an der gräulichen Farbe. Heute ist die Qualität so gut, dass es nicht mehr auffällt“, sagt Simonis. Ein guter Grund mehr, recyceltes Kopierpapier und Papierhandtücher für die Schüler anzuschaffen.

Dinge reparieren, nicht wegwerfen

Der Wollpulli hat nur ein kleines Loch, der Toaster heizt nicht mehr richtig und dem Holzstuhl fehlt ein Bein? Kein Grund, diese Sachen wegzuwerfen. In Repair-Cafés werden alte und ein wenig defekte Geräte alleine oder in der Gruppe repariert oder für andere Bastelprojekte wiederverwertet. Dafür nimmt man den defekten Gegenstand mit und arbeitet unter der Anleitung eines Fachmannes im Repair-Café daran. Auch Schulen können im Rahmen der Bildungskampagne „Reduse“ ein solches Repair-Café im kleinen Rahmen eröffnen. Weitere Infos gibt es auf: www.repaircafe.org. Dies ist eine Form, nachhaltig zu leben. Auch hilft man, Ressourcen zu schonen, indem man Müll trennt, weniger Plastik wie beispielsweise Tüten im Alltag verwendet, viel selbst kocht statt Fertigprodukte aufzutauen und beim Shoppen gerne auch mal zu Kleidung aus zweiter Hand greift. 

500.000 Schüler schützen die Umwelt

Seit 2015 bildet der gemeinnützige Verein „Die Multivision“ aus Hamburg Schulen mit den Grundlagen des Ressourcenschutzes fort.

Der Verein ist eine offizielle Unesco-Maßnahme der Weltdekade der Vereinten Nationen 2005 bis 2014 „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ und somit Bestand des Nationalen Aktionsplanes, heißt es in einer Mitteilung des Landkreises Göttingen. Die Kampagne „Reduse“ hat eine Laufzeit von drei Jahren, rund 2000 Schulen und 500 000 Schüler nehmen in diesem Zeitraum daran teil, darunter auch die Mündener Schule am botanischen Garten und die Werra-Realschule.

Die Multivision wendet sich gezielt an die junge Generation, um deren Zukunft es gehe. „Wir wollen Jugendliche direkt und unterhaltsam informieren, was Nachhaltigkeit bedeutet und welche Wichtigkeit sie für ihr Leben hat“, erklärt Franz Schättle von „Die Multivision“. „Mit unserer Kampagne gelingt es uns, den schulischen Unterricht dazu intensiv anzureichern und die Jugendlichen für eine persönliche Beteiligung zu motivieren.“ Projektträger der Kampagne sind neben dem Verein „Die Multivision“ auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die Entwicklungsorganisation Oxfam.

Außerdem wird das Projekt vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) unterstützt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.