Schulden abbauen, ohne Stadtwald zu verkaufen

Das Podium: Von links Stefan Schäfer, Günter Lehne, Udo Bethke, Dr. Manfred Albrecht, Thomas Hartmann und Susanne Gohde. Foto: Krischmann

Hann.Münden. Mündens Sozialdemokraten sind gegen einen Verkauf des Stadtwalds. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Hotel Freizeit Auefeld deutlich, zu der der SPD-Ortsverein Hann. Münden mit der Vorsitzenden Gudrup Surup an der Spitze eingeladen hatte.

Auf dem Podium diskutierten unter Leitung des Ratsvorsitzenden Udo Bethke (SPD) der Vorsitzende der Realgemeinde Lippoldshausen, Günter Lehne, Stefan Schäfer vom Naturschutzbund, Mündens Umweltpfleger Thomas Hartmann, Ratsherr Dr. Manfred Albrecht (SPD) und die Leiterin des Forstbetriebs Stadtwald Münden, Susanne Gohde.

Zweites Ergebnis der lebendigen Debatte: Wenn Einigkeit besteht, dass ein Stadtverwaldverkauf tabu ist, so muss der Rat andere Wege suchen, um den riesigen Schuldenberg von über 50 Millionen Euro abzubauen.

Drei Vorschläge dazu kamen aus der Runde:

• Mündens ehemaliger Stadtdirektor Karl-Wilhelm Lange bat die Politik, bei der Verwaltung nachzufragen, ob Darlehen auslaufen. Diese sollten umgeschuldet werden, bei einem Zins von einem Prozent würde das die Zinslast erheblich verringern. Mit Umschuldung könnte ein Teil der Schulden abgebaut werden, ohne den Wald verkaufen zu müssen, meinte Lange.

• Ratsherr Albrecht sagte, die SPD-Fraktion werde die Verwaltung bitten, zu prüfen, ob Interesse besteht, den Stadtwald zu einem Bürgerwald zu machen. Albrecht: „Wenn 6000 Bürger bereit sind, jeweils 5000 Euro zu geben, wären die 30 Millionen Euro zusammen.“ Er erntete damit aber auch Widerspruch eines Teilnehmers. Es schlage dem Fass den Boden aus, wenn die Bürger für die Schulden der Stadt aufkommen sollen, meinte der Mündener.

• SPD-Ratsherr Henning Hasselberg, Karl-Wilhelm Lange, Rolf Bilstein und andere bezeichneten den Betrieb Stadtwald als Vorbild. Mit kleiner Mannschaft erwirtschafte der Betrieb im Jahr 2015 und auch schon Jahre davor einen Überschuss. Die Stadtverwaltung sollte so reformiert werden mit dem Ziel, mit geringeren Kosten dennoch effizient zu arbeiten.

Nachfolgend Positionen auf dem Podium:

Ratsherr Dr. Manfred Albrecht, Vorsitzender des Umweltausschusses: „Die Stadt ist hochverschuldet, da geht kein Weg dran vorbei.“ Den Stadtwald zu einem Buchwert von 28 Millionen Euro zu verkaufen wäre die größte Stellschraube, um Schulden abzubauen. Dennoch lehnt die SPD einen Verkauf des Waldes an Spekulanten ab. Stefan Schäfer vom Naturschutzbund erklärte, fossile Energieträger wie Öl sind knapp geworden. Deshalb sei der Wald als Holzlieferant für erneuerbare Energie von großer Bedeutung. Zugleich sei der öffentliche Wald wichtig für Klimaschutz und ein Garant für Artenschutz. Schäfer: „Wir sollten uns als Bürgergesellschaft diese Quelle sichern und nicht einfach aufgeben, weil wir finanzielle Not haben.“

Seit 30 Jahren ist Günter Lehne Vorsitzender der Realgemeinde Lippoldshausen. Die Realgemeinde bewirtschafte 220 Hektar Wald und müsse mit dem Geld auskommen, „das wir haben“, so Lehne. Schulden könne sich die Realgemeinde nicht erlauben. Der Stadtwald sei ein Geldbringer, deshalb sollte er nicht verkauft werden.

Thomas Hartmann, Umweltpfleger und einer der Sprecher der neu gegründeten Bürgerinitiative: „Wir müssen den Stadtwald erhalten, er dient den Menschen.“(kri)

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