Mobbing unter Schülern

Schulen im Altkreis Münden: Mobbing wird zum Modewort

Altkreis Münden. Hänseleien, Beleidigungen, Schikane, Prügel: Für manche Kinder ist der Schulalltag der Horror. Es gibt kaum Zahlen, die angeben, wie viele Kinder Opfer von Mobbing werden.

Statistiken zu diesem Thema sind laut der Niedersächsischen Landesschulbehörde deswegen schwierig, weil die Zahlen je nach Definition des Begriffes sehr unterschiedlich ausfallen können.

Mobbing komme an jeder Schule vor, berichten die Schulen im Altkreis Münden – aber in der Regel selten. Die Zahl der Mobbingfälle tendiere den Angaben zufolge an den meisten Schulen im Altkreis gegen Null, einige verzeichneten ein bis zwei kleinere Fälle in der Vergangenheit. Zugenommen habe aber die Sensibilisierung der Gesellschaft zu diesem Thema. "Viele nehmen heute das Wort Mobbing viel zu leichtfertig in den Mund", sagt Jens Wilhelm, Rektor der Grundschule in Gimte. Der Begriff, das zeige die Erfahrung der Schule im Auefeld, werde immer mehr zu einem Modewort für alle Zwistigkeiten des Schulalltags. Mit tatsächlichem Psychoterror und Gewaltattacken habe dies aber meist nichts zu tun.

"Körperliche Übergriffe sind selten. Es sind vor allem sprachliche Attacken, die von sozialen Netzwerken befördert werden", so Heidrun Korsch, Schulleiterin des Grotefend-Gymnasiums in Hann. Münden. Cybermobbing habe längst Eingang in das Schulleben gefunden. Um gegen Mobbing vorzugehen, müsse die Schule über solche Fällen informiert werden – etwa von den Opfern oder von Zeugen. Beratungspersonen, Lehrer und Präventionsteams, die in den Schulen aktiv sind, greifen dann ein. "Wir versuchen immer, bei Streit zu schlichten, und suchen das Gespräch mit den Schülern", erklärt Korsch. Aber: "Es gibt keine Patentlösung", sagt Stephanie Bachmann. Schulleiterin der Grundschule Dransfeld. Opfer sollten sich an Vertrauenspersonen wenden und um Hilfe bitten. 

Vorzeichen und Hilfen

Anzeichen dafür, dass ein Schüler gemobbt wird, Probleme mit dem Lehrer hat oder überfordert ist, sind unter anderem: 

• deutliche Veränderung im Verhalten des Kindes, 

• häufige Klagen über Bauch- oder Kopfschmerzen und der Wunsch, zu Zuhause zu bleiben oder auch die 

• plötzliche Verschlechterung der schulischen Leistung. 

Das können Eltern tun:

• Zeit nehmen für Gespräch über die Situation an der Schule.

• Das Problem benennen und mit dem Klassenlehrer darüber sprechen.

• Handelt es sich um Mobbing, schalten Eltern auch die Schulleitung ein. 

• Hilfreich kann auch ein Gespräch mit dem Schulpsychologen sein.

Hänseleien in sozialen Netzwerken besonders häufig 

Am Anfang freute sich Ben [Name von der Redaktion geändert] noch auf die Schule. Der Zehnjährige aus dem Altkreis Münden strotzte vor Wissensneugier und plante, viel mit seinen Mitschülern Fußball zu spielen. Doch dann wurde der Junge immer ruhiger und verschloss sich seinem Umfeld. Das verwunderte seine Eltern und sie hakten nach: Mobbing. Ben schilderte, wie ihn seine Mitschüler hänselten und ausgrenzten, manchmal kam es zu Rangeleien. 

Was Ben erlebte, ist für viele Schüler in Deutschland Alltag. Wie viele es genau sind, ist unbekannt. Laut der Niedersächsischen Landesschulbehörde sind statistische Erhebungen aufgrund der unterschiedlichen Auffassung, was Mobbing sein kann, schwierig.

"Der mobbt mich" sei beispielsweise zum Teil in der Alltagssprache der Schüler verankert. "Der Begriff Mobbing wird in der aktuellen Diskussion und von Eltern häufig und oft vorschnell gleichgesetzt mit Ärgern, Hänseln oder gewöhnlichen Schulhofstreitereien", meint auch Carsten Nödel, Schulleiter der Grundschule Uschlag, auf HNA-Anfrage.

 Denn der Prozess, in dem Einzelne oder Gruppen eine Person über einen langen Zeitraum regelmäßig quälen und schädigen – so definiert die Niedersächsische Landesbehörde "Mobbing"–, komme kaum oder nur sehr selten an den Schulen im Altkreis vor. Von Mobbing spricht beispielsweise das Grotefend-Gymnasium in Hann. Münden, wenn es sich über verbale und körperliche Attacken in einem Ausmaß handelt, dass der betroffene Schüler sich nicht wehren könne.

Vor allem Hänseleien in sozialen Netzwerken und Ausschluss aus Gruppen in Chat-Diensten wie WhatsApp kämen immer mal wieder vor. Vor allem in den 5. und 6. Klassenstufen krisele es am häufigsten. Der Grund: Die beginnende Pubertät. Für den Fall der Fälle sind alle Schulen im Altkreis Münden vorbereitet, zum Beispiel durch interne Schulungen und Lehrerfortbildungen. Die Grundschule Uschlag und die Berufsschule Hann. Münden haben außerdem Mobbing-Interventions-Teams, die als Kontakt für Schüler, Eltern und Lehrer dienen und sowohl intervenierend als auch präventiv arbeiten.

Laut Gerd Reddig, Schulleiter der Beruflichen Schulen Hann. Münden, sensibilisiere das Team die Klassen, in denen der Verdacht eines Mobbingfalls bestehe, auf das Thema und versuche unter anderem mit Gesprächen mit Opfer und Täter die Situation zu entschärfen. Auch das Grotefend-Gymnasium achte darauf, das Sozialgefüge in den Klassen zu stärken, bevor es zu Mobbing kommt – unter anderem mit einem betreuten Sport- und Spielraum, Beratungslehrern und sogenannten Verfügungsstunden, in denen sich die Schüler mit Mobbing, Gewalt oder Drogenmissbrauch beschäftigen.

Werden Mobbingfälle in der Grundschule Dransfeld bekannt, dann werde umgehend die Schulsozialarbeiterin einbezogen. Außerdem finden bei Bedarf Unterrichtsuntersuchungen statt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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