„Ungewohnt für alle“

Schulöffnung und Maskenpflicht: Eindrücke am ersten Tag

Erster Schultag nach Coronapause, Abschlussklassen, 27.04.2020, Drei-Flüsse-Realschule Hann. Mündenvon links: Aaron Herbold (18, 10. Klasse, Volkmarshausen), Ann-Katrin Deyda (15. 10. Klasse, Mielenhausen), Schulleiterin Johanna Jesionowski
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Ungewöhnlich leere Bushaltestelle an der Drei-Flüsse-Realschule: Aaron Herbold (von links), Ann-Katrin Deyda, und Schulleiterin Johana Jesionowski haben den ersten Schultag unter Corona-Bedingungen erlebt

Für die ersten Schüler ging es am Montag wieder zurück in den Unterricht, mit Abstandsregeln und Maskenpflicht.

Gestern gingen die ersten Jugendlichen in Niedersachsen zurück in die Schule. Die Schüler der Abschlussklassen erlebten dort einen ganz anderen Alltag, als sie es bisher gewohnt waren. Zeitgleich galt erstmals im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen Maskenpflicht.

„Es war ungewohnt für alle“, sagt Uwe Leibecke, Leiter der Schule am Botanischen Garten in Hann. Münden. Er habe den Eindruck gehabt, die 55 Schüler seien von den Coronamaßnahmen an der Schule beeindruckt bis eingeschüchtert gewesen. Dennoch hätten sie konzentriert mitgearbeitet, was auch durch die kleinen Klassen gefördert werde.

Die Schüler hielten zudem die Abstandsregeln ein und ermahnten sich gegenseitig. Das Abstandwahren fiel manchen der 50 Schüler an der Oberschule Dransfeld noch etwas schwer schloss Schulleiter Mark Bödefeld nach dem ersten Tag.

„Es ist sehr fremd im Alltag, weit weg vom normalen Schulalltag“, sagte er. Auch hier hätten sich die Schüler diszipliniert und ernsthaft verhalten, sich teils aber auch verunsichert gezeigt. Die Lehrkräfte hätten wie an der Hauptschule Hann. Münden die ersten Stunden genutzt, um über die neuen Regeln zu sprechen und sich auszutauschen.

Kritischer wird es, wenn die Schule voller wird

Nun warte er weitere Vorgaben ab. „Die Regelungen, die wir jetzt haben, greifen derzeit“, sagt Bödefeld zum Ende des ersten Tages. „Kritischer wird es, wenn die 9. Klassen kommen und die Schule voller wird“, sagt Johanna Jesionowski, Schulleiterin der Drei-Flüsse-Realschule Hann. Münden, an die gestern 47 Schüler zurückkehrten. Dann müsse man aus den nun gewonnenen Erfahrungswerten schöpfen. In den Geschäften der Mündener Altstadt hielten sich die Menschen am Montag größtenteils an die neue Maskenpflicht.

In einem Drogeriemarkt in der Mündener Innenstadt waren einige Kunden mit gekauften Einweg-OP-Masken unterwegs, viele trugen jedoch auch selbst genähte Masken oder einen Schal vor dem Gesicht.

Vor der Filiale der Post in Hann. Münden zeigte sich ein ganz ähnliches Bild. Auffällig zudem: Die beobachteten Kunden hielten den Sicherheitsabstand ein und traten nur einzeln an einen der beiden Schalter. Insgesamt war die Mündener Innenstadt am Montag jedoch nur wenig besucht. Trotzdem waren selbst draußen einige Maskenträger unterwegs. 

„Ein normaler Tag, nur umständlicher“ 

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„Ich habe vollstes Verständnis für Personen, die sich nicht hier ins Gebäude trauen“, sagt Schulleiterin Johanna Jesionowski. Ein Schüler aus dem Abschlussjahrgang der Drei-Flüsse-Realschule gehöre zur Risikogruppe und werde daher weiterhin von zu Hause aus unterrichtet. Die anderen 47 Schüler der zehnten Jahrgänge kämen seit gestern alle zwei Tage im Wechsel zum Unterricht. Die Gruppen verbrächten ihre Pause zeitversetzt und auf verschiedenen Schulhöfen. Zudem werde nun auch bei den älteren Schülern eine Busaufsicht eingeteilt, um die Abstandsregel zu kontrollieren. „Was wir sonst nicht so gerne haben, ist jetzt in Ordnung: Die Kinder melden sich und gehen während der Stunde auf Toilette“, sagt die Schulleiterin. So sollen Begegnungen an diesem schulinternen Treffpunkt vermieden werden. Die Regeln hätten am ersten Tag gut funktioniert. „Es ist ein normaler Schultag, nur umständlicher, wegen der Masken“, sagt Jesionowski. Sowohl Schüler als auch Lehrer hätten in den vergangenen Wochen sehr viel gelernt. Eine digitale Lernplattform, wie sie der Schule nun seit etwa zehn Tagen zur Verfügung steht, habe sie sich schon seit Jahren gewünscht. In der Krise wurde sie kurzfristig zur Verfügung gestellt und nun arbeiten sich Lehrer und Schüler gemeinsam ein. Zu den Schülern gehört auch der 18-jährige Aaron Herbold aus Volkmarshausen. Den ersten Tag zurück an der Schule hat er aufgrund der Masken als etwas befremdlich erfahren. „Man hört die anderen nicht so gut“, sagt er, „die Masken werden schnell feucht und die Luft kondensiert an der Brille.“ Der Unterricht funktioniere in den kleinen Gruppen aber bereits „ziemlich gut“. Auch die unterrichtfreie Zeit sei durch die Lernplattform und mit den Materialien der Schule gut überbrückt worden. Die 16-jährige Laura Heede besucht während Corona ohne ihre beste Freundin den Unterricht, denn sie wurden in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Und die 15-jährige Ann-Katrin Deyda kritisiert, dass die Prüfungen trotz Corona stattfinden.

Niedersächsischer Rahmenhygieneplan

Das Niedersächsische Kultusministerium hat einen Rahmenhygieneplan für die Schulen ausgearbeitet. Demnach müssen Tische so stehen, dass ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet ist, und Klassen sind je nach Raumgröße auf maximal 16 Schüler zu begrenzen. Mund-Nasen-Schutz sind keine Pflicht. Die Sitzordnung muss beibehalten und schriftlich festgehalten werden. Die Abiturprüfungen beginnen am 11. Mai, die Prüfungen der Sek I am 20. Mai.

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