Polizei-Nachwuchs

Sie wollen Menschen helfen: Die Studierenden der Mündener Polizeiakademie Marieke Velke und Justus Huber

Justus Huber und Marieke Velke, Studierende der Polizeiakademie in Hann. Münden
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Fahr- und Funktraining gehören im ersten Semester des Bachelor-Studiums an der Mündener Polizeiakademie für Justus Huber und Marieke Velke aus Hann. Münden zum Alltag.

Sie wollen Menschen helfen. Darin sind sich Marieke Velke (18) und Justus Huber (19) einig. Deshalb wollen die beiden Hann. Mündener Polizisten werden.

Hann.Münden – Im Oktober haben beide ihre Ausbildung an der Polizeiakademie in Hann. Münden begonnen. Für die nächsten drei Jahre heißt es für die beiden unter anderem Schießtraining, Spurensicherung, Grundlagen der Kriminalistik und Streifenwagen-Dienst. Ganz ohne Vorerfahrung kamen sie aber nicht an die Akademie: Ihr Pflichtpraktikum für die Fachhochschulreife absolvierten sie zusammen über die Polizeiakademie bei der Polizeidirektion Göttingen.

Dort konnten sie zum ersten Mal erleben, wie ein Polizeieinsatz abläuft. Das habe beide auch nochmal in ihrem Berufswunsch bestärkt – auch wenn so manches Erlebnis nicht leicht zu verarbeiten war, sagt Marieke Velke. „Als ich zum erstem Mal eine Leiche gesehen habe, war ich abgeschreckt und hatte wackelige Beine.“ Auch für Justus Huber sei das nicht einfach gewesen. „Die Leiche zu sehen war nicht das Problem. Ich habe mehr daran gedacht, wie es den Hinterbliebenen geht“, sagt er.

Allein habe man die jungen Anwärter aber nicht gelassen. „Mit den Kollegen konnten wir immer reden, wenn es schwierige Situationen gab“, so die 18-Jährige. Außerdem haben die Kollegen sie im Praktikum bei brenzligen Einsätzen immer vorher gefragt, ob sie dabei sein möchten. Das Praktikum habe ihnen auch gezeigt, wie wichtig es sei, dass man sich immer auf sein Team verlassen könne.

Schwierigen Situationen werden sich die Studierenden auch künftig stellen müssen. Angst davor haben sie weniger, denn Menschen zu helfen, sei ihnen am wichtigsten. „Und wenn es nur darum geht, jemandem die nächste Bushaltestelle zu zeigen“, sagt Justus Huber. Wenn ihnen eine Situation doch zu viel wird, suchen die jungen Anwärter beim Sport oder bei Freunden ihren Ausgleich. „Man muss versuchen, die Arbeit auch mal Arbeit sein zu lassen“, sagt Marieke Velke. Wie die Studierenden sich bei Einsätzen verhalten müssen und wie sie mit heiklen Situationen umgehen, lernen sie auch im Studium.

Die Kritik, der Polizisten teilweise öffentlich ausgesetzt sind, können Justus Huber und Marieke Velke nicht unbedingt nachvollziehen. „Ich mache mir schon Gedanken darüber, was in den Sozialen Medien über Polizisten gesagt wird. Ich versuche, das nicht an mich heran zu lassen“, sagt der 19-Jährige. Auch Marieke Velke meint: „Zum Großteil stimmt das, was im Internet steht, nicht.“

Berufswunsch war schon früh da

Dass sie Polizisten werden wollen, wussten sie schon lange. „Mir war schon früh klar, dass ich mit Menschen arbeiten möchte und nicht nur am Schreibtisch sitzen kann“, sagt Marieke Velke. Für Freizeit-Handballer Justus Huber war „die Polizei schon immer irgendwie da“, wie er sagt. Denn seine früheren Handballtrainer seien Polizisten und halfen ihm auch bei den Vorbereitungen für das Einstellungsverfahren. Freunde und Familie haben ihre Entscheidung, zur Polizei zu gehen, gut aufgenommen.

„Respekt, dass du das noch machen willst, höre ich öfter. Aber mir macht die Polizei-Arbeit einfach Spaß“, sagt Marieke Velke.

Der erste Monat des Studiums sei für beide spannend, aber auch anstrengend gewesen. Momentan besteht der Unterricht für die Mündener aus vielen Praxiseinheiten wie Laufen, Selbstverteidigung und Fahrtraining sowie Theorieanteilen wie Rechtsgrundlagen. Im zweiten Jahr werden sie zwei Praktika machen, im Streifendienst oder im ermittelnden Bereich. Im dritten Jahr des Studiums stehen dann vertiefende Inhalte und die Bachelorarbeit an.

Mit erfolgreichem Bestehen des Studiums ist ihnen eine Stelle in einer der niedersächsischen Polizeidirektionen sicher, sagt Anja Bußmann, Personalrätin an der Mündener Akademie. Nach dem Studium wollen die beiden Mündener erstmal im Streifendienst arbeiten, „um Erfahrungen zu sammeln“. Was danach kommt, das lassen sie auf sich zukommen. (Natascha Terjung)

Studium auch für Realschüler möglich

Wer an der Polizeiakademie studieren möchte, muss entweder die Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife vorweisen können und einen Führschein haben. Realschüler können ebenfalls am Auswahlverfahren teilnehmen und einen Praktikumsvertrag bekommen. Das Praktikum absolvieren sie dann, während sie die Fachhochschulreife (Schwerpunkt: Wirtschaft und Verwaltung) erwerben. Danach sind vor Studienbeginn noch mal ein Sporttest und eine medizinische Untersuchung nötig, um an der Akademie aufgenommen zu werden. Das erste Jahr besteht zu einem Drittel aus Praxis-Unterricht, sagt Anja Bußmann, Personalrätin am Standort der Akademie in Münden. Im zweiten Jahr stehen zwei Praktika im Vordergrund. Im dritten Jahr können die Studierenden den Fokus auf ihr Wissen im ermittelnden Bereich oder im Streifendienst legen und schreiben eine Bachelor-Arbeit. Die Absolventen steigen als Polizeikommissare in den Beruf ein. Eine Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe ist nach einem erfolgreichen Abschluss des Studiums sicher, so Bußmann. (ter)

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