Kritik an Kommunikation des Landkreises Göttingen

Sirenen bleiben am Warntag im Altkreis Münden stumm

Sirene auf einem Dach vor blauem Himmel
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Sirenen wie diese sollten am bundesweiten Warntag eingeschaltet werden.

Um 11 Uhr haben sich am 10.09.20 viele Menschen in der Region gewundert, dass der breit angekündigte Sirenenalarm zum ersten bundesweiten Warntag ausblieb.

Zu ihnen gehörte auch Mathias Eilers, Bürgermeister der Samtgemeinde Dransfeld. Auch er habe darauf gewartet, dass die Sirenen ausgelöst würden. Dass sie stumm blieben, habe den Grund gehabt, dass die Kommunale Regionalleitstelle (KRL) von Landkreis und Stadt Göttingen das entsprechende Signal nicht habe weitergeben können, weil die technischen Voraussetzungen fehlten, so Eilers. Es wäre gut gewesen, dies auch im Vorfeld mitzuteilen. Dann hätten auch die Bürger besser informiert werden können.

Zu den ausgebliebenen Warnungen über Sirenen teilte Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen, mit, dass Sirenen, die in einigen Gemeinden des Landkreises noch existierten, für eine zentral gesteuerte Warnung nicht geeignet seien.

Diese könnten nur für eine gezielte Alarmierung, beispielsweise im Brandfall, genutzt und – zum Teil – auch durch die Kommunale Regionalleitstelle ausgelöst werden; „ansonsten liegen die Sirenen in der Zuständigkeit der Gemeinden. Deshalb war eine Warnung über Sirenen seitens des Landkreises technisch nicht möglich und auch nicht geplant.“

In seiner Bilanz zum Warntag kommt der Landkreis insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Probewarnung technische Schwächen bei den Meldewegen auf Bundesebene aufgezeigt habe. Die für 11 Uhr geplante zeitgleiche Auslösung aller vorhandenen Warnmittel sei nur teilweise erfolgt. Das sei im Landkreis Göttingen bei der gemeinsam mit der Stadt Göttingen betriebenen Warn-App KATWARN für Smartphone und Tablet-PC deutlich geworden.

„Die KATWARN-Meldung wurde verzögert und nicht flächendeckend ausgelöst. Der Hintergrund waren Probleme beim Modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS); die vom Bund genutzte Warn-App NINA hatte entsprechend mit den gleichen Problemen zu kämpfen.“

Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) habe die bundesweite MoWaS-Meldung nur verspätet zugestellt werden können. Grund dafür sei eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen. „Das im Vorfeld mit den beteiligten Partnern besprochene Auslösekonzept habe eine reine Auslösung durch den Bund mit MoWaS vorgesehen, wird in einer Pressemitteilung des BBK erläutert“, schreibt der Kreissprecher. Nachdem die Auslösemechanismen nicht initiiert worden seien, habe sich die Kommunale Regionalleitstelle in Göttingen zu einer lokalen Auslösung von KATWARN entschlossen, „das erklärt die Zeitverzögerung.“

Neben KATWARN nutze der Landkreis grundsätzlich weitere Möglichkeiten zur Warnung der Bevölkerung – über die Landkreis-Webseite, die sozialen Netzwerke (Facebook), per Mitteilung an die lokalen Medien oder Lautsprecherdurchsagen. Bei der Vorbereitung auf den Warntag sei darauf verzichtet worden, „diese eingeübten und leicht aktivierbaren Wege zu nutzen, sie waren nicht Teil der Probewarnung.“ Der Fokus der Kreisverwaltung habe auf dem Test von KATWARN mit der originären Auslösung auf Bundesebene gelegen.

Von Ekkehard Maass (ems)

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